ÖVP fordert qualitativ hochwertige und wohnortnahe Pflege

Eisenstadt, 17. 1. 2020

Menschen werden immer älter. Der Pflegebedarf steigt, während das Pflegepersonal weniger wird und das Pflegepotenzial in den Familien sinkt. „Wir steuern auf einen problematischen Mangel von Pflegefachkräften zu“, warnen Landesparteiobmann Thomas Steiner und ÖVP-Landtagskandidatin Heidi Krems aus Hirm.

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Heidi Krems und Thomas Steiner

Bereits jetzt klagen viele Pflegeheimbetreiber, dass es immer schwieriger wird, Pflegepersonal zu bekommen oder nachzubesetzen. Es gibt bereits Pflegeheime mit leerstehenden Zimmern, obwohl die Nachfrage an Pflegebetten groß ist. „Das Problem ist mittlerweile, dass die Betten aufgrund des notwendigen Personalschlüssels nicht betreut und daher auch nicht belegt werden können“, erklärt Steiner und ergänzt: „Fehlendem Personal steht ein steigender Bedarf an Pflege gegenüber, die Lage spitzt sich dramatisch zu. Hier muss dringend mit den richtigen Maßnahmen gegengesteuert werden. Die Volkspartei Burgenland hat 10 Maßnahmen für die Pflege auf den Tisch gelegt.“

Außerdem hat die neue Bundesregierung im Regierungsprogramm bereits wichtige Impulse für die Pflege vorgesehen, die pflegende Angehörige entlasten sollen: Es ist ein Pflegebonus für pflegenden Angehörige vorgesehen sowie ein pflegefreier Tag im Monat. Ein weiterer wesentlicher Punkt sind Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie der Ausbau der mobilen Pflege und Betreuung.

 

Steiner: Wir brauchen dringend mehr qualifiziertes Pflegepersonal

Wir brauchen qualifiziertes Personal. Die Volkspartei Burgenland hat bereits mehrfach eine Evaluierung der Ausbildungsplätze im Burgenland gefordert. „Wir müssen unsere Fachkräfte gezielt und vor Ort ausbilden, damit wir den Bedarf abdecken können“, sagt Steiner und informiert: „Derzeit werden im Jahr im Burgenland rund 25 Pflegekräfte ausgebildet, das ist viel zu wenig.“ Es gibt genug junge Menschen, die sich für den Pflegeberuf interessieren. Für die muss die Möglichkeit geschaffen werden, gleich im Anschluss an die Pflichtschule eine Pflegeausbildung zu machen. Wir haben hier die Schaffung eines Pflegelehrberufes gefordert, wo in den ersten zwei Jahren der Fokus auf der theoretischen Ausbildung liegt und nach und nach der praktische Bereich dazu kommt. Und es freut mich sehr, dass in der Sitzung des Ministerrats am 15. Jänner eine Pflegeausbildung in berufsbildenden höheren Schulen beschlossen wurde.“

Um Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, müssen auch entsprechende Rahmenbedingungen und ein positives Image geschaffen werden. „Oft fehlt die nötige Wertschätzung für den Pflegeberuf und die Arbeitsbedingungen sind herausfordernd“, weiß Steiner aus Gesprächen und ergänzt: „Auch die Frage nach der angemessenen Bezahlung muss diskutiert werden.

Die rot-blaue Landesregierung hat im Pflegebereich zwei Gesetze beschlossen, die schwere Auswirkungen auf den Pflegebereich haben. Künftig dürfen Pflegeeinrichtungen nur mehr von gemeinnützigen Organisationen und mit einer Bettenanzahl von 60 Betten geführt werden, um die Tagsatzförderung vom Land zu erhalten. Auch für die Qualität der Pflege ist eine Verschlechterung vorgesehen. Künftig soll der Anteil der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegekräfte von derzeit 50 Prozent auf 25 Prozent gesenkt werden. „Das Gesetz führt zu einer Verstaatlichung und zu einer Qualitätsverschlechterung von Heimen“, resümiert Steiner und fordert: „Die Volkspartei steht für ein vielfältiges Betreuungsangebot in kleinen Einheiten direkt vor Ort. Pflegebedürftige Menschen sollen die Möglichkeit haben, in ihrer Heimatgemeinde oder zumindest in ihrer Region gepflegt zu werden.“

Viele Menschen wünschen sich, zu Hause in den eigenen vier Wänden alt zu werden. Die pflegenden Angehörigen leisten Enormes und gehen an ihre Grenzen. „Das Pflegeanstellungsmodell ist leider keine wirkliche Unterstützung, sondern bringt in einigen Fällen sogar eine finanzielle Schlechterstellung“, sagt Steiner und ergänzt: „Viele arbeitsrechtliche Fragen sind nicht geklärt. Auch die Urlaubsvertretung ist unzureichend. Wenn zum Beispiel ein demenzerkrankter Patient zu betreuen ist, reicht es nicht, wenn die Ersatzkraft drei Mal am Tag vorbei kommt. Hier braucht es einen 24-Stunden-Ersatz.“ Um sie zu entlasten, brauchen wir ein breites Angebot an Pflegeeinrichtungen, den Ausbau der Tagesbetreuungsplätze sowie der mobilen Hauskrankenpflege. Der Pflegebonus ist ein wichtiger Meilenstein zur Entlastung pflegender Angehöriger. Damit Pflege weiterhin leistbar bleibt, sollte auch der Zuschuss zur mobilen Hauskrankenpflege einkommensabhängig gestaffelt werden.

 

Krems: Zu Hause bleiben durch umfassende Betreuung

„Ich bin bereits seit vielen Jahren im Pflegebereich tätig. Hier wird einem bewusst, wie wichtig eine umfassende Betreuung in jeder Lebenslage und vor allem im Alter ist“, so Heidi Krems, die ihre Berufserfahrung im ÖVP-Team einbringen möchte und sich als Landtagskandidatin für den Bezirk Mattersburg engagiert. Heidi Krems ist diplomierte Kinderkrankenpflegerin und hat die Zusatzqualifikation Pflegemanagement, den Lehrgang Heimleitung und das Modul Healthcare-Management abgeschlossen.

Aus ihrer beruflichen Erfahrung weiß sie, dass kleine regionale Pflegeeinrichtungen wichtig sind: „Hier fühlen sich die Menschen wohl und werden nicht völlig aus ihrer Umgebung herausgerissen. Das ist auch wichtig, um soziale Kontakte nicht zu verlieren“, so Krems. Es braucht hier die Vielfalt an Einrichtungen, diese kann gemeinsam mit privaten Betreibern geboten werden. „Es gibt genug Steuerungsinstrumente, damit die Qualität und Leistung garantiert werden kann, zum Beispiel eine Verdienstvorgabe, Mindeststandards, etc.“, erklärt Krems.

Ein wichtiger Schritt, um die Pflege zu Hause zu forcieren, sind laut Krems umfassende Erstversorgungszentren, wo sich Berufsgruppen vernetzen und zusammenarbeiten. „Diese Versorgung ist nicht nur für alte, pflegebedürftige Menschen wichtig, sondern unterstützt Menschen dabei, länger selbständig leben zu können“, sagt Krems und ergänzt: „Um den Pflegebedarf einzudämmen, sollte auch in Maßnahmen investiert werden, damit Menschen gesund und rüstig alt werden können. Dazu gehört Beratung genauso wie Gesundheitsvorsorge und rasche Behandlung bei Bedarf.“

 

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