Frauenhaus Burgenland Jahresrückblick

Burgenland, 8. 1. 2020

frauenhaus logo2019 war ein ereignisreiches und arbeitsintensives Jahr, sowohl für uns als Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Burgenland, als auch als öffentliche Opferschutzinstitution.

Das Frauenhaus Burgenland verfügt insgesamt über zehn Plätze, die Frauen und ihren Kindern Schutz und Sicherheit vor häuslicher Gewalt durch ihren Intimpartner oder andere Familienmitglieder bieten. Und obwohl wir mit einer Auslastung von 55% das ganze Jahr über nicht durchgehend voll besetzt waren, war doch viel zu tun…

Wir alle erinnern uns an den Beginn des Jahres 2019, als eine Schreckensnachricht nach der anderen die Medien dominierte. Alle paar Tage säumte ein neuer Mordfall einer Frau die Titelblätter der Tageszeitungen. Insgesamt waren es im Jahr 2019 34 Frauen, welche von ihrem (Ex-)Partner oder einem anderen Familienmitglied brutal ermordet wurden (Stand Dezember 2019). Das bedeutet, dass in Österreich nicht nur jede fünfte erwachsene Frau von sexueller und / oder körperlicher Gewalt betroffen ist, sondern auch, dass beinahe alle zwei Wochen eine weitere Frau durch die Hand des (Ex-)Partners ums Leben gebracht wird. Dies verhärtet die Statistik weiter, wonach  – zumindest in Österreich – das eigene Zuhause für Frauen der gefährlichste Ort der Welt ist.

Im Frauenhaus Burgenland zeichnete sich das Jahr 2019 vor allem durch seine vielen Kurzzeitaufenthalte aus, welche für das gesamte Team sehr arbeitsintensiv waren. Weiter machten auch die vielen Hochrisikofälle aus anderen Bundesländern den Arbeitsalltag sehr vielfältig und herausfordernd. Als Hochrisikofälle werden dabei all jene Frauen behandelt, welche aufgrund der massiven Gefährdung durch ein Familienmitglied nicht länger in ihrem Bundesland bleiben können und Schutz und Sicherheit in einem anderen Bundesland suchen müssen. Während im ersten halben Jahr vor allem junge Frauen Zuflucht im Frauenhaus Burgenland suchten, mussten im zweiten halben Jahr überwiegend ältere Frauen über 60 Jahre unser Angebot in Anspruch nehmen. Besonders in der erstgenannten Zielgruppe wurde die erlebte Gewalt größtenteils durch einen oder mehrere im gemeinsamen Haushalt lebende Familienangehörige ausgeübt. Zumeist waren es Eltern und Brüder, in vielen Fällen ging die Gewalt aber auch vom gemeinsamen Sohn bzw. den Kindern aus. Dies scheint generell eine Tendenz zu sein, die wir als Frauenhausmitarbeiterinnen in den letzten Jahren zunehmend beobachten konnten. Immer mehr Frauen und Mädchen erleben die Gewalt von Seiten der Eltern, Geschwister oder Kinder. Ob sich hierbei ein Zusammenhang zu der allgemein prekären finanziellen Situation vieler Menschen herstellen lässt, ist schwer zu sagen. Wir beobachten jedoch, dass Frauen und ihre Familien aufgrund zu hoher Wohn- und Lebenserhaltungskosten vermehrt im Großfamilienverbund wohnhaft bleiben und dieses Zusammenleben hohes Konfliktpotential in sich trägt.

Die dichte mediale Berichterstattung 2019, hauptsächlich veranlasst durch die vielen Tötungsdelikte an Frauen, brachte auch das Thema der häuslichen Gewalt vermehrt in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Dies konnten wir vor allem an der großzügigen Spendenbereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürger bemerken, die unseren Frauen das alltägliche (Über-)Leben oft sehr erleichtern. Hierfür möchten wir uns sehr herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern bedanken, die mitunter dazu beigetragen haben, dass Weihnachten 2019 für unsere Kinder und Frauen ein ganz besonderes Fest wurde.

 

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