25 Jahre Minderheiten-Schulgesetz im Burgenland – Jubiläumsfeier

Eisenstadt, 18. 10. 2019

Raum4Sprache&Kultur

Mjesto za jezik i kulturu

Nyelvek és kultúrák tere

Than la tschibtschake taj kulturake

Vor 25 Jahren wurde das Minderheiten-Schulgesetz für das Burgenland verabschiedet. Anlässlich dieses besonderen Jubiläums lud das Forum4Burgenland, ein gemeinsames Bildungsforum der PH Burgenland, der Bildungsdirektion und der burgenländischen Volksgruppen, zur Veranstaltung „Raum4Sprache&Kultur“ am 17. Oktober 2019 an der Pädagogischen Hochschule Burgenland ein.

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Martin Ivancsics, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Burgenlandkroaten; Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma; Iris Zsótér, Vorsitzende-Stellvertreterin des Volksgruppenbeirats der Ungarn; Walter Reiss, Moderation; Marjan Sturm, ehem. Vorsitzender des Zentralverbandes slowenischer Organisationen; Sabine Weisz, PHB-Rektorin; Jürgen Neuwirth, Leiter des Bereichs Pädagogischer Dienst der Bildungsdirektion

Das Minderheiten-Schulgesetz brachte eine klare gesetzliche Grundlage für das Minderheitenschulwesen und war ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des mehrsprachigen Schulwesens im Burgenland. Durch dieses Gesetz kann jede Schülerin, jeder Schüler die Volksgruppensprachen Kroatisch, Ungarisch und Romanes in der Schule erlernen.

Für die PH Burgenland genießen die Volksgruppensprachen schon seit ihrer Gründung eine besondere Bedeutung. „Wir sind alle von der Überzeugung getragen, dass die Volksgruppensprachen und das kulturelle Gut in unserem Land nicht nur erhalten bleiben, sondern auch gefördert werden müssen“, so PH-Rektorin Sabine Weisz. „Die sprachliche Vielfalt ist Ausdruck der burgenländischen Identität und seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Burgenland. Seit 2018 haben wir eine eigene Stabstelle Minderheitenschulwesen.“

Das Burgenland sei ein Beispiel der gelungenen Integration, so Bildungsdirektor Heinz Zitz. Die Sprachenvielfalt spiegle sich auch im burgenländischen Schulsystem wider.

Zur Eröffnung sorgten die Kinder aus der zweisprachigen Volksschule Trausdorf für musikalische Unterhaltung und stimmten die Besucher_innen mit kroatischen Liedern ein.

Marjan Sturm, ehem. Vorsitzender des Zentralverbandes slowenischer Organisationen, hielt eine Keynote über die Aspekte des Territorialitätsprinzips im Bereich des Minderheitenschulwesens. Der promovierte Historiker engagierte sich jahrzehntelang für die slowenische Volksgruppe und war auch an der Ortstafellösung maßgeblich beteiligt. Seine slowenischsprachige Familie wurde 1942 aus der Gemeinde Magdalensberg vertrieben und zur Zwangsarbeit deportiert, eine Schwester kam ums Leben. Heute merken die Menschen, dass Mehrsprachigkeit wichtig sei. Die Anmeldezahlen für den zweisprachigen deutsch-slowenischen Unterricht steigen, wovon die Mehrheit auf Deutschsprachige entfalle. Die ökonomische Bedeutung der Sprache steige und erhöhe die Jobchancen, so Sturm. Man müsse sich fragen, was sei das Alleinstellungsmerkmal in diesem Land: „Und meiner Meinung nach ist es die sprachlich-kulturelle Vielfalt. Jeder von uns trägt auch etwas vom Anderen in sich!“

Zum Schluss fand eine Podiumsdiskussion mit Jürgen Neuwirth (Leiter des Bereichs Pädagogischer Dienst der Bildungsdirektion), Sabine Weisz (PH-Rektorin), Emmerich Gärtner-Horvath (Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma), Iris Zsótér (Vorsitzende-Stellvertreterin des Volksgruppenbeirats der Ungarn) und Martin Ivancsics (Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Burgenlandkroaten) statt. Dabei wurde insbesondere auf die Bedeutung des gesetzlichen Rahmens in unserer sich rasant ändernden Gesellschaft eingegangen. Folgende Fragestellungen standen im Mittelpunkt der Diskussion: Welche Vorteile hat das Gesetz gebracht? Welche Herausforderungen gibt es angesichts der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen und was muss noch verbessert werden?

Es ist der Auftrag der Bildungseinrichtungen und der Politik, Demokratie umfassend zu fördern und im Bewusstsein der Menschen nachhaltig zu verankern. Durch dieses Gesetz wurden den Volksgruppensprachen ein besonderer kultureller Stellenwert eingeräumt und rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen, die kulturelle und sprachliche Vielfalt sicherstellen, unser Gemeinwesen bereichern, zu gegenseitigem Verständnis führen und letztlich das friedliche Zusammenleben stärken.

„Daraus leitet sich das Bildungsziel ab, die Sprachenvielfalt zu fördern und den Bestand sowie die Erhaltung der autochthonen Volksgruppen sicherzustellen. Damit werden für junge Menschen vielfältige Bildungs- und Berufschancen eröffnet und jene Kompetenzen vermittelt, welche im Zuge einer globalisierten Welt zunehmend an Bedeutung gewinnen“, so Karin Vukman-Artner, Leiterin der Abteilung Minderheitenschulwesen der Bildungsdirektion Burgenland.

Volksgruppensprachen an der PH Burgenland

Die sprachliche Vielfalt ist Ausdruck der burgenländischen Identität und seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Burgenland.

Mit dem Schwerpunkt Mehrsprachigkeit im Bachelorstudium Primarstufe sowie den Hochschullehrgängen für den zweisprachigen Unterricht an Volksschulen (Burgenlandkroatisch, Ungarisch) und neuen Mittelschulen (Ungarisch) trägt die Pädagogische Hochschule Burgenland dem zweisprachigen Bildungswesen Rechnung. Zudem können Studierende der PH Burgenland das Unterrichtsfach Burgenlandkroatisch/Kroatisch im Lehramt Sekundarstufe wählen und sich auch im Rahmen des Primarstufenlehramts im Masterstudium im Fach Kroatisch vertiefen.

Darüber hinaus ist die Pädagogische Hochschule Burgenland mit der „Sprachenwerkstätte“, die gemeinsam mit der Bildungsdirektion eingerichtet wurde, wichtiger Partner in einer Vielzahl von Projekten: Erstellung von Schulbüchern und Unterrichtsbehelfen sowie deren Evaluierung in Forschungsprojekten.

Ausfluss dieser strategischen Zielsetzungen ist ferner die an der Pädagogischen Hochschule neu etablierte Stabstelle Minderheitenschulwesen, deren Aufgabe vornehmlich darin besteht, diese Initiativen zu intensivieren bzw. zu institutionalisieren und die gemeinsamen Aktivitäten verstärkt sichtbar zu machen.

 

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