Jährlicher Bodenverbrauch in Österreich seit 2010 halbiert

Wien, 9. 10. 2019

Bodenverbrauch betrifft zumeist landwirtschaftlich genutzte Böden – BMNT und UBA präsentieren neue Zahlen zum Bodenverbrauch in Österreich.
bmnt

Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus und das Umweltbundesamt präsentierten den Bericht über die Reduktion des Bodenverbrauchs in Österreich, den auch die Expertinnen und Experten der Bundesländer maßgeblich mitgestaltet haben. „Der Boden ist unter anderem für die Ernährungssicherheit Österreichs, den Klimaschutz, die Energiewende und die Zukunftsvorsorge von besonderer Bedeutung“, betont Ulrike Rauch-Keschmann, Sektionschefin für Tourismus und Regionalpolitik im BMNT. Die Zahlen des Umweltbundesamtes zeigen, dass die Flächeninanspruchnahme in Österreich erfreulicherweise zurückgeht. So konnte der jährliche Bodenverbrauch in Österreich seit 2010 halbiert werden: von rund 24 Hektar auf 12 Hektar Flächeninanspruchnahme und davon wird weniger als die Hälfte dauerhaft versiegelt. Die rückläufige Entwicklung ist vor allem auf die laufenden Maßnahmen der für die Raumordnung zuständigen Bundesländer zurückzuführen.

Dennoch wird jeden Tag eine Fläche von umgerechnet 11 Fußballfeldern – bei einer Feldgröße von 120 x 90 m – in Anspruch genommen. Der fortschreitende Bodenverbrauch betrifft zumeist landwirtschaftlich genutzte Böden. „Wir müssen mit unseren Böden wesentlich sorgsamer umgehen. Um den Boden auch für zukünftige Generationen zu erhalten, brauchen wir heute ein strategisches Flächenmanagement“, erklärt Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer im Umweltbundesamt.

Österreich steht also vor der Herausforderung, Böden in Zukunft viel effizienter zu nutzen als dies in der Vergangenheit der Fall war. Dazu ist es notwendig, hochwertige Böden und Naturräume langfristig vor Verbauung zu schützen, die Ortszentren zu stärken und alte oder leerstehende Gebäude zu modernisieren sowie durch bewusstseinsbildende Maßnahmen auf das Problem des Bodenverbrauchs aufmerksam zu machen. Auch im Zuge der Umsetzung des Masterplans für den Ländlichen Raum kommt dem Thema Flächeninanspruchnahme im BMNT besondere Bedeutung zu.


Umweltkontrollbericht bestätigt österreichischen Weg

Umweltbundesamt: Bodenverbrauch sinkt, Feinstaubbelastung rückläufig, Klimawandelanpassung ist in Regionen angekommen

Im Umweltkontrollbericht analysiert das Umweltbundesamt im Auftrag des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) alle drei Jahre den Zustand der Umwelt in Österreich. „Der Bodenverbrauch und die Bodenversiegelung sinken, Feinstaub- und Stickoxidbelastung gehen zurück, Klimawandelanpassung ist in den Regionen angekommen“, resümiert Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek die Ergebnisse des 12. Umweltkontrollberichts. „Die Analyse bestätigt den österreichischen Kurs. Wir müssen unseren eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen, um in den Bereichen Klimaschutz, Biodiversität, Mobilitäts- und Energiewende weitere Schritte zu setzen. Jetzt ist die richtige Zeit dafür. Denn das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen ist so groß wie noch nie. Der Klimawandel gehört zu der größten globalen Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Der Umweltkontrollbericht liefert Daten und Fakten für die notwendige Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft“, so Patek. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass gut umsetzbare, verbindliche Maßnahmen wirken und wesentlich zur Verbesserung der Umweltsituation beitragen können“, ergänzt Umweltbundesamt-Geschäftsführerin Monika Mörth.

Trends des 12. Umweltkontrollberichts im Überblick 

  • Klimaschutz und Klimawandel: Jüngste Zahlen, die in den Bericht noch nicht eingeflossen sind, zeigen, dass die Treibhausgas-Emissionen im Jahr 2018 um 3,8 Prozent gesunken sind – und damit zum ersten Mal seit drei Jahren, obwohl das Wirtschaftswachstum 2018 bei 2,7 Prozent lag.  Um die internationalen Ziele zu erreichen, sind weitere Maßnahmen erforderlich. In #mission2030, der österreichischen Klima- und Energiestrategie, ist eine langfristige Klimaneutralität festgeschrieben. Der Weg dorthin führt über neue Technologien und richtige Anreize. So werden etwa seit 2012 erfolgreich Maßnahmen zur Klimawandelanpassung umgesetzt. Mit dem EU-weit einzigartigen Programm „KLAR!“ werden Gemeinden bei der Entwicklung und Implementierung von Anpassungskonzepten gezielt unterstützt.
  • Mobilitäts- und Energiewende: Globales Ziel muss sein, langfristig auf die Nutzung fossiler Energie zu verzichten. Dazu sind die Senkung des Energieverbrauchs und der Ausbau Erneuerbarer Energieträger notwendig. Mit 70 Prozent Strom aus erneuerbarer Energie gehört Österreich hier bereits zu den Vorreitern. Seit 2005 ist es auch gelungen, das Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch zu entkoppeln. Die #mission2030 verfolgt das Ende des fossilen Zeitalters in Österreich.
    Flächen, Biodiversität und Gewässerschutz: Die tägliche Flächeninanspruchnahme ist trotz steigendem Nutzungsdruck in den letzten Jahren leicht zurückgegangen. Der Versiegelungsgrad ist mit 41,2 Prozent nahezu gleichgeblieben. Abhilfe können eine effiziente Raumplanung sowie strategisches Flächenmanagement schaffen. Mit der Biodiversitäts-Strategie hat Österreich zum Schutz der Vielfalt die richtige Richtung eingeschlagen. Sowohl für die Wasserqualität als auch für den Hochwasserschutz wurden umfangreiche Maßnahmenprogramme gesetzt. Grundwasser und Badegewässer weisen eine sehr gute Wasserqualität auf.
  • Nachhaltige Produktion und Kreislaufwirtschaft: Energie- und Ressourceneffizienz in der Produktion beginnt schon bei der Produktgestaltung. „Österreich ist bei der Abfallvermeidung und -verwertung unter den Besten Europas“, zieht Monika Mörth Bilanz. „Dennoch müssen wir weitere Anstrengungen unternehmen, um etwa die Vorgaben der EU-Verpackungsrichtlinie zu erfüllen.“ Möglichkeiten dafür reichen von der verstärkten Erfassung von Altstoffen über das Etablieren von Märkten für Sekundärrohstoffe bis hin zu einer stärkeren Zusammenarbeit über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg.

Der Umweltkontrollbericht des Umweltbundesamtes 

Der Umweltkontrollbericht (UKB) ist das Standardwerk zur Umweltsituation in Österreich. Er umfasst 15 Kapitel und richtet sich insbesondere an Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf europäischer, auf Bundes- und Landesebene. Folgende Themen werden im UKB behandelt: Klimaschutz, Klima im Wandel, Biologische Vielfalt, Wasser und Gewässerschutz, Luftreinhaltung, Boden, multifunktionale Räume und Infrastruktur, nachhaltige Landbewirtschaftung, Mobilitätswende, Energiewende, nachhaltige Produktion, Ressourcenmanagement und Kreislaufwirtschaft, Management kontaminierter Standorte, Chemikalienmanagement und der Mensch als Spiegel der Umwelt.

 

 

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