Ein Burgenland ohne Störche?

Eisenstadt, 8. 7. 2019

Seit Jahren nimmt die Anzahl der Störche im Burgenland kontinuierlich ab – in wenigen Jahren könnten sie gänzlich verschwunden sein. Hauptverantwortlich dafür ist die menschgemachte Zerstörung natürlicher Lebensräume, immer mehr versiegelte Böden, weniger Feuchtwiesen und ein drastischer Rückgang an Futtertieren. Die Klimakrise und das massenhafte Artensterben heizen diese Entwicklung noch an und beschleunigen den Niedergang der Biodiversität auch im Burgenland. Obwohl die Datenlage mehr als dürftig ist, schätzen Experten (vgl. Global2000), dass rund 60% aller Tagfalter-Arten im Burgenland gefährdet sind. Insbesondere außerhalb von Schutzzonen ist ihre Gefährdung groß. Einzigartige Schmetterlingsarten, wie etwa der ausschließlich im Burgenland ansässige „Bernstein-Apollofalter“, sind bereits ausgestorben.

Grüne

Hauptursache für den Rückgang der burgenländischen Storch-Populationen wie auch des Artensterbens insgesamt ist die industrielle Landwirtschaft. Die Verbreitung von Monokulturen, der Einsatz von Pestiziden und die Zerstörung natürlicher Lebensräume durch intensive Landnutzung setzen das Ökosystem unter Druck. Je stärker dieses zerstört wird, umso größer werden auch die negativen Folgen der Klimakrise. Artensterben und Klimawandel werden deshalb auch als „Zwillingskrisen“ bezeichnet, gehen doch durch den Niedergang der Artenvielfalt auch die Selbstheilungskräfte des Ökosystems verloren, wodurch die menschgemachten Schäden an der Natur sich umso stärker negativ auswirken.

Laut Birdlife Österreich gibt es einen starken Rückgang der Storchenpopulation v.a. im Mittel- und Süd-Burgenland. So sind in den Orten Oberwart, Großpetersdorf und Güssing nur noch 1-2 Horstpaare, statt früher 5-6 vorzufinden. Die Gründe dafür sind nicht schwer zu finden. Zu tun haben die Rückgänge vor allem mit der modernen Landwirtschaft, dem Verschwinden von Wiesen und damit auch der Bodenversiegelung gerade in Ortsnähe, was wiederum auch den Rückgang der Insekten verursacht. Störche brauchen nämlich, wenn die Jungtiere noch eher klein sind, vor allem Insekten und Regenwürmer als Futter, erst später können die Jungstörche auch größerer Futtertiere fressen.

Landtagsabgeordneter Wolfgang Spitzmüller dazu: “Zwar sind die Rückgänge bei zahlreichen anderen Vögeln dramatischer, wie zB. bei Feldlerche, Rebhuhn, Kiebitz, allerdings ist der Storch das geheime Wappentier des Burgenlandes und für uns Menschen sichtbarer, da er vor allem auf unseren Dächern brütet.“

Daher braucht es eine Agrarwende, weg vom Einsatz von Agrargiften, hin zur Biolandwirtschaft. Dieses Ziel wurde im Burgenland zwar angegangen, allerdings greift es erst langsam. Zudem werden immer mehr Wiesen nur gehäckselt und damit auch die Futtertiere der Vögel. Der Einsatz von Insektiziden trägt ebenso zum Verschwinden der Insekten und damit der Vögel bei. Auch die immense Bodenversiegelung gehört gestoppt. „Alles Maßnahmen die wir GRÜNEN seit langem fordern, leider nur teilweise auch mit Erfolg“, so die Nationalratskandidatin Irmi Salzer, selbst Biobäuerin. „Die Landwirtschaft kann sowohl bei der Klimakrise als auch in Bezug auf die Artenvielfalt Teil der Lösung sein – leider ist sie aber immer noch Teil des Problems. Deshalb wollen wir die Bäuerinnen und Bauern dabei unterstützen, auf nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden umzusteigen. Dazu müssen wir die Gemeinsame Agrarpolitik der EU reformieren, es braucht aber auch Förderungen und Angebote auf Landesebene.“

Deshalb sind auch Forderungen des Tierschutzvolksbegehrens wichtig. So heißt der Punkt 1 des Tierschutzvolksbegehrens – Für eine tiergerechte und zukunftsfähige Landwirtschaft. Und weiter – die artgemäße Fütterung mit gentechnikfreien und ökologisch nachhaltig produzierten Futtermitteln regionaler Herkunft nützt Mensch, Tier & Umwelt.

Sebastian Bohrn Mena vom Tierschutzvolksbegehren dazu: “Das Burgenland ohne Störche ist für mich unvorstellbar. Sie sollten genauso als Symbol des Artensterben gesehen werden wie der dokumentierte Niedergang der Schmetterlings-, Bienen- & Vogel-Arten in ganz Österreich. Wenn wir die Agrarwende jetzt nicht einläuten, dann werden unsere Kinder und Enkelkinder die Störche nur noch im Bilderbuch bewundern können. Das Artensterben macht nicht an der burgenländischen Grenze halt. Im Burgenland wurden wichtige Akzente gesetzt, die aber auch bundespolitischen Niederschlag finden müssen. Mit unserem Programm weisen wir die Richtung und wir hoffen, dass wir dabei von allen Parteien im Burgenland die gleiche Unterstützung erfahren werden wie von den GRÜNEN Burgenland.“

Das Tierschutzvolksbegehren forciert mit seinem Programm die Umstellung auf eine tier-, umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft. Dies soll durch die Einführung einer verpflichtenden Lebensmittelkennzeichnung, auch in Gastronomie und öffentlichen Küchen, durch die Umschichtung von Fördermitteln sowie eine Koppelung der öffentlichen Beschaffung an Tierwohlkriterien erfolgen.

„Im Burgenland wurde bislang in 92% aller Gemeinden eine Unterstützungserklärung für das Tierschutzvolksbegehren abgegeben, das ist absoluter Spitzenwert in Österreich. Wir hoffen die Landespolitik sieht das auch als Auftrag, sich für die Anliegen der Bevölkerung entsprechend einzusetzen“ so Sebastian Bohrn Mena.

„Wir rufen daher dazu auf, jetzt auf die Gemeindeämter zu gehen um das Tierschutzvolksbegehren zu unterstützen und möglichst viele Freunde, Verwandte, Bekannte auch dazu zu animieren. Damit die nächste Bundesregierung nicht am Tier- und Artenschutz vorbei kommt,“ so Salzer, Bohrn Mena und Spitzmüller einhellig.

 

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