Endlich Bewegung im KUZ Mattersburg

Mattersburg, 5. 7. 2019

Eine politische, keine fachliche Entscheidung – Land Burgenland beginnt mit der Zerstörung des Kulturzentrums Mattersburg

Nach den Entfrachtungsarbeiten im Mai und Juni begann das Land Burgenland heute am Freitag, den 5. Juli mit dem Abbruch des Gebäudes und dessen in Österreich einzigartiger Freiraumgestaltung. Entgegen sämtlicher unabhängiger Expertenmeinungen lässt Landeshauptmann Doskozil eines der bedeutendsten Gebäude, das nach 1945 im Burgenland entstanden ist und mittlerweile internationales Ansehen genießt, zerstören. 

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Waren es bisher noch reversible Maßnahmen wie das Aushängen der Fenster oder der Abtrag der Flachdachkonstruktion bis auf die Stahlbetondecke, begann das Land Burgenland heute mit nicht mehr rückführbaren Baumaßnahmen. Den Auftakt zum Abbruch bildete die heute vollzogene Zerstörung der für das Gebäude essentiellen, in Österreich einzigartigen Außenraumgestaltung der Freiluftarena. Es scheint als wüsste das Land Burgenland sehr wohl um den Wert jenes Bereiches für die topologische und architektonische Einbettung des Kulturzentrums, anders ist es nicht zu erklären, dass genau jener architektonisch essentielle Bereich des Komplexes als erstes zerstört wird und damit nicht mehr reversible Tatsachen geschaffen wurden. Besonders brisant ist jene Tatsache weiters, da Landeshauptmann Doskozil bei seiner Präsentation der Pläne im Mai 2018 zusicherte, dass die Arena erhalten werden soll. Nicht einmal jenes Versprechen hat Landeshauptmann Doskozil, wie man an den heute begonnen Baumaßnahmen sieht, eingehalten.

 

Klima der Ignoranz – Landeshauptmann ließ Expertenschreiben unbeantwortet 

Zahlreiche Experten, Organisationen und auch Privatpersonen haben sich im Laufe der Zeit bei der Plattform gemeldet und ihren Unmut ausgedrückt, dass der Landeshauptmann auf Schreiben in keinster Weise reagierte. Auch die Schreiben der Plattform und selbst ein Schreiben des Architekten des Kulturzentrums Mattersburg, in welchem er die Möglichkeiten und Potentiale des Bestandes nochmals detailliert skizzierte, blieben folgenlos. „Das ist ein Klima der Ignoranz abseits jeglicher demokratischer bzw. sachlicher und fachlicher Auseinandersetzung. In den 1970er Jahren gab es auch Diskussionen rund um die Errichtung einer Brücke über den Neusiedlersee. Damals wurde das Urteil internationaler Experten vom damaligen Landeshauptmann Kery nicht einfach ignoriert – man änderte die bereits getroffene Entscheidung aufgrund dieser berechtigten Einsprüche. Heute hat man sich offenbar von einer Vorgangsweise, die auf nachweislichen Argumenten beruht, verabschiedet und findet es nicht einmal Wert, zu sachlicher Kritik wenigstens Stellung zu nehmen,“ so der ehemalige Mattersburger SPÖ Bürgermeister und Plattformgründungsmitglied Eduard Sieber.

 

Debakel für das Land Burgenland und die SPÖ in mehrfacher Hinsicht 

Mit dem Abbruch des Kulturzentrums Mattersburg zerstört die SPÖ Burgenland nicht nur ein in seinen Funktionen und seiner Architektur erstklassiges Veranstaltungszentrum des ostösterreichischen Raumes, sondern auch eine Ikone sozialdemokratischer Kulturpolitik, in welcher sich – in wie keiner anderen – die kulturpolitischen Ideen von Fred Sinowatz und Gerald Mader baulich manifestierten, durchaus vergleichbar mit anderen Ikonen sozialdemokratischer Baukultur wie dem Karl Marx Hof von Karl Ehn oder dem Arbeiterheim Favoriten von Hubert Gessner. Es ist schade, dass die SPÖ Burgenland und der zuständige Kulturreferent Landeshauptmann Hans Peter Doskozil es nicht im Geringsten verstanden haben, ihr einzigartiges Erbe zu bewahren und für zukünftige Generationen nach international erprobten Standards aus Architektur und Denkmalpflege weiterzuentwickeln. Lediglich einige Fassaden des Kulturzentrums Mattersburg erhalten zu wollen, ist symptomatisch für die seit Jahren zu beobachtende kulturelle und baukulturelle Selbstaufgabe der SPÖ Burgenland. Vom Schaden, der mit der Realisierung dieses Projektes imagemäßig, ökonomisch und veranstaltungstechnisch angerichtet wird, ganz zu schweigen.

 

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