KUZ Mattersburg: Initiative Denkmalschutz fordert Komplett-Erhaltung!

Mattersburg, 28. 5. 2019

Landeshauptmann Doskozil ist aufgefordert den geplanten Abriss zu stoppen!

Geht es nach den Plänen des Landes Burgenland soll in wenigen Tagen das hochbedeutende, in den 1970er Jahren erbaute Kulturzentrum Mattersburg großflächig abgebrochen werden. Einzig teilweise denkmalgeschützte Fassadenreste sollen erhalten werden, dies jedoch auf Grundlage eines nicht rechtmäßigen Bescheids des Bundesdenkmalamtes.

KUZ Mattersburg
KUZ Mattersburg

Dieses einzigartige überkommene Zeugnis des „Brutalismus“ in Österreich, der weltweit immer mehr geschätzten und anerkannten Sichtbeton-Architektur verdient es vollständig erhalten zu werden. Architekt Herwig Udo Graf entwarf den 1973-76 erbauten, qualitätvollen Sichtbetonbau.

Die Volksanwältin Gertrude Brinek beanstandete 2017 den Unterschutzstellungsbescheid des Bundesdenkmalamtes (vgl. OTS https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170912_OTS0088): „Der Bescheid ist widersprüchlich und für niemanden nachvollziehbar. Das Vorgehen der Behörde ist daher nicht rechtmäßig.“

Der Verein Initiative Denkmalschutz setzt sich für den Erhalt gefährdeter Kulturgüter in Österreich ein. Deswegen ergeht die eindringliche Bitte an die verantwortlichen Politiker, hier aktiv zu werden, um ein rares und bedeutendes Dokument der sozialpolitischen Leistungen der jungen Geschichte des Landes Burgenland zu würdigen, indem es erhalten wird. Mehrere Alternativvorschläge haben die Machbarkeit der Erhaltung des Kulturzentrums als Gesamtes klar aufgezeigt!

Das Bundesdenkmalamt selbst bezeichnet das Bauwerk in seinem Amtssachverständigengutachten (Teil des Unterschutzstellungsbescheides) als „eines der seltenen Beispiele des Brutalismus in Österreich (…), wo der charakteristische Sichtbeton (…) zur Gänze[!] original erhalten ist“, es sei „ein zeittypischer qualitätvoller Bau, dessen Gestaltung einen bemerkenswerten skulpturalen Eindruck hinterlässt“, weiters stelle es „einen der wichtigsten Vertreter des österreichischen Brutalismus“ dar, das Denkmalamt attestiert dem Bau somit eine „künstlerische Bedeutung“ (S.6).

 

D i v e r s e   F a c h s t e l l u n g n a h m e n:

Oliver Elser, Kurator Deutsches Architekturmuseum (20.6.2016): wichtiger und innovativer Beitrag zum Betonbrutalismus in Österreich. Besonders hervorzuheben ist, dass bei dem Kulturzentrum Mattersburg der charakteristische Sichtbeton im Originalzustand erhalten ist und nicht – wie bei vielen anderen Bauten jener Zeit – mittlerweile überstrichen wurde. (…) Der Betonbrutalismus ist vielerorts in Gefahr. Daher sollten die verbliebenen Beispiele besonders gepflegt werden. Gegenwärtig werden viele schützenswerte Bauten dieser Epoche abgerissen (…). Lediglich den Mehrzwecksaal zu erhalten erscheint jedoch zu wenig. Es ist, als würde man eine Kirche abreißen und ließe anstandshalber den Kirchturm stehen. Das Verbliebene wird musealisiert, ein Torso ohne Gliedmaßen.“

Docomomo Austria, Fachorganisation für die Erhaltung moderner Architektur (23.8.2016): „ist zweifellos ein unverzichtbares Dokument der Kulturpolitik sowie der Kultur- und Architekturgeschichte des Burgenlandes. Als richtungsweisender, im wahrsten Sinn des Wortes kulturtragender Bau sollte die Erhaltung wohl im öffentlichen Interesse liegen.“

Dietmar Steiner, Architekturzentrum Wien (26.8.2016): „Brutalismus (…) Diese epochenprägende Architektursprache befindet sich weltweit aus unterschiedlichen Gründen in Bedrängnis. (…) Innerhalb Österreichs ist hier das Burgenland in seiner Breite und Dichte an Bauten dieser Epoche besonders bedeutend (…) haben die politischen Umstände im Burgenland den Architekten dieser Zeit – Herwig Udo Graf, Matthias Szauer, u.a. – ein breites, fast flächendeckendes Engagement ermöglicht, das eine besondere Würdigung und Wertschätzung erfordert (…) Ein Hauptwerk dieser Epoche ist das Kulturzentrum Mattersburg (…). Das Architekturzentrum Wien fordert die Verantwortlichen dieses Wettbewerbs auf, (…) durch entsprechende ExpertInnen auf seine architekturhistorische Verträglichkeit überprüfen zu lassen.“

Otto Kapfinger, Architekturwissenschafter und -publizist, Autor des Architekturführers „Neue Architektur in Burgenland und Westungarn“ (Hg. 2004) in Reaktion auf den Bescheid des Bundesdenkmalamtes vom 14.11. (8.12.2016): „Das (…) Kulturzentrum Mattersburg hat als erstes Kulturzentrum dieser Art in Burgenland und Österreich einerseits eine eminente überregionale kulturhistorische Bedeutung (…). Die (…) lediglich kulissenartig vorgesehene, völlig isolierte Erhaltung der Außenwand dieses Bauteils als Begrenzung eines mit Bäumen bepflanzten, künftigen Innenhofes, verbunden simultan mit dem Totalabbruch aller übrigen originalen Baumassen und Raumteile – ist sowohl im Hinblick auf Kriterien der Denkmalpflege als auch im Hinblick auf die zeitgemäße Qualität von Architektur-Koneztpten völlig fragwürdig und aus meiner fachlichen Sicht kategorisch abzulehnen.“

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