AKW-Mochovce und Blackout

Eisenstadt, 24. 5. 2019

AKW-Mochovce und Blackout

 sind nach wie vor große Gefahren, sagt BZSV-Präsident Preiner. Gemeinsam mit Peter Sinowatz, GF Netz Burgenland und Jürgen Neuwirth, Bildungsdirektion Burgenland wurden diese Themen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz erörtert.

bzsv
Mag. Jürgen Neuwirth, Erwin Preiner, Ing. Peter Sinowatz

NR Bgm. Erwin Preiner: „Das sicherste AKW ist das, welches nicht gebaut wird oder in Betrieb ist. Daher die Forderung meinerseits: STOPP AKW-Strom und STOPP AKW Mochovce. Im AKW Mochovce gibt es gravierende Sicherheitsmängel, wie diversen Medienberichten  zu entnehmen ist. Die Super-GAU’s von Tschernobyl und Fukushima zeigten, wie schnell sich umfangreiche Katastrophen, die nie passieren hätten dürfen, negativ auf Menschen, Tiere und Umwelt auswirken, und dies auf Jahrzehnte!“

Preiner konkret zu AKW Mochovce: „Das heißt, sollte dort ein GAU mit Explosion stattfinden und radioaktive Stoffe  freigesetzt werden, ist die ganze Misere bei entsprechender Windrichtung rasch bei uns. Schon bei einer schwachen Brise mit 20 km/h hätten wir erhöhte radioaktive Belastung nach bereits fünf Stunden. Dieser Zeitraum ist knapp und wir haben kaum Vorwarnzeit. Die Betreiber von Atomreaktoren haften heute meist nur bis zu einer vernachlässigbaren Höhe für Schäden, die bei einem SuperGAU verursacht werden.“

Die jeweiligen Haftungen der Betreiber für Schäden aus einem SuperGAU divergieren enorm: in Großbritannien beispielsweise nur bis zu 165 Millionen Euro, in Frankreich bis zu 700 Millionen Euro, hingegen in Belgien bis zu 1.200 Millionen Euro und in Deutschland für alle Atomreaktoren gemeinsam mit maximal 2.500 Millionen Euro. Die Unterschiede ergeben sich aus den verschiedenen Konventionen zur Regelung von Atomhaftungen (Wiener Konvention, Pariser Konvention, diverse Zusatzprotokolle).

 

Utl: Ing. Peter Sinowatz, Geschäftsführer Netz Burgenland: Infrastrukturen extrem verletzbar

Sinowatz:  „In hochtechnisierten Gesellschaften versorgt ein Netzwerk „Kritischer Infrastrukturen“ die Bevölkerung mit (lebens)notwendigen Gütern und Dienstleistungen. Dazu zählen Informations- und Kommunikationstechnik, Transport und Verkehr sowie das Gesundheitswesen und vor allem die Energieversorgung. Diese Infrastrukturen sind aufgrund ihrer Komplexität sowie der großen Abhängigkeit voneinander extrem verletzbar.“

Wegen der starken Durchdringung der Lebens- und Arbeitswelt mit elektrisch betriebenen Geraten würden sich die Folgen eines Blackouts  – also eines plötzlichen, überregionalen und länger andauernden Stromausfalls – zu einer Schadenslage von besonderer Qualität summieren.

Sinowatz weiter: „Klassisches Krisenmanagement ist bei einem Blackout aufgrund eingeschränkter Kommunikations­möglichkeiten nur mehr bedingt möglich. Daher ist die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung gefragt, die nur funktioniert, wenn man auf so ein Szenario vorbereitet ist. Nur wenn die Selbsthilfefähigkeit im privaten Umfeld sichergestellt ist, werden auch Ressourcen für andere Bereiche wie Einsatzorganisation und Unternehmen zur Verfügung stehen. Wir begrüßen daher die Informations-Initiativen des Burgenländischen Zivilschutzverbandes!“

Utl. Krisenmanagement in den Schulen

HR Mag. Jürgen Neuwirth: „Im Krisenmanagement unterscheiden wir, ob die Ereignisse während oder außerhalb der Unterrichtszeiten auftreten. Wichtig ist, nach einem Ereignis die Sicherheit wieder herzustellen und die Aktivierung des schulinternen Krisenteams. Vom burgenländischen Zivilschutzverband werden in verschiedenen Vorträgen an Schulen Themen wie Blackout oder Schutz vor Strahlen thematisiert und altersadäquat dargebracht. Hier wird natürlich gezielt Bewusstseinsbildung bezüglich Atomenergie gemacht und neben den physikalischen Grundlagen auch das Risiko der Kernenergie besprochen. Ich kann aus eigener Erfahrung als Physiklehrer sagen, dass diese Thematik die Kinder und Jugendlichen brennend interessiert.“

BZSV-Präsident Preiner abschließend: „Bei Generalsanierungen und Neubauten von AKW-Reaktoren müssen die Nachbarstaaten Parteienstellung erhalten. Das Primärrecht für Energie darf nicht länger in nationaler Hand bleiben, sondern muss Gemeinschaftsrecht der EU werden. Eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung ist eine Grundforderung. Bei einem AKW-Unfall in Grenznähe zu Österreich sind Lebensmittelsicherheit und nationale Lebensmittelversorgung in Gefahr. Aus meiner Sicht geht Deutschland mit gutem Vorbild voran, da ab 2025 die AKW’s vom Netz genommen werden. Alternative Energiegewinnung aus Wind- und Wasserkraftanlagen sowie Photovoltaikanlagen sind daher umso wichtiger!“

 

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