Gründung des „Forum4Burgenland“ zu den burgenländischen Volksgruppensprachen

Eisenstadt, 12. 4. 2019

Am 11. April 2019 wurde an der Pädagogischen Hochschule Burgenland ein neues Forum zu den burgenländischen Volksgruppensprachen ins Leben gerufen. Das Bildungsforum ist das Ergebnis einer gemeinsamen Initiative der PH Burgenland, der Bildungsdirektion und der burgenländischen Volksgruppen der Ungarn, Roma sowie Burgenlandkroaten und ist darauf ausgerichtet, in Zukunft die bereits bestehende Zusammenarbeit zu intensivieren und zu institutionalisieren.

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Im Anschluss an die konstituierende Sitzung wurden die Ergebnisse sowie zukünftig geplanten Aktionen von den teilnehmenden Partnern präsentiert. So wurde, bezugnehmend auf die vier Sprachen des Burgenlandes, der Name „Forum4Burgenland“ für das Forum gewählt. Geplant sind zwei Arbeitssitzungen pro Jahr. Synergien müssen für die Erstellung von Schulbüchern, Unterrichtsbehelfen und gemeinsamen Publikationen sowie deren Evaluierungen in Forschungsprojekten genutzt werden. Ebenso wurden die Nutzung von Förderungen für gemeinsame Projekte sowie die Kooperation bei öffentlichen Veranstaltungen erörtert. Durch dieses Gremium erhoffen sich alle Volksgruppensprachen mehr Sichtbarkeit und öffentliche Wahrnehmung.

Für die PH Burgenland haben die Volksgruppensprachen schon seit ihrer Gründung im Jahr 2007 eine besondere Bedeutung. „Seit 2018 haben wir eine eigene Stabstelle Minderheitenschulwesen, in der sehr eng mit der Bildungsdirektion Burgenland zusammengearbeitet wird. Im Zuge dieser Kooperation ist uns bewusst geworden, dass wir die Zusammenarbeit auch mit den Volksgruppenbeiräten und den Volksgruppen intensivieren und institutionalisieren wollen“, so PH Burgenland Rektorin Sabine Weisz, die sich freut, dass alle Volksgruppen dieser Einladung gefolgt sind. „Wir alle stehen mit großem Engagement hinter diesem Projekt, getragen von der Überzeugung, dass die Volksgruppensprachen und das kulturelle Gut in unserem Land nicht nur erhalten bleiben, sondern auch gefördert werden müssen.“

Das Burgenland sei ein Beispiel der gelungenen Integration, so Karin Vukman-Artner, Leiterin der Abteilung Minderheitenschulwesen der Bildungsdirektion Burgenland. Die Sprachenvielfalt spiegle sich auch im burgenländischen Schulsystem wider. Durch das Minderheitenschulgesetz kann jede Schülerin, jeder Schüler seine Muttersprache in der Schule verbessern oder Volksgruppensprachen erlernen. Hier sei einerseits die PH Burgenland ein unersetzlicher Partner für die Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern und die Forschung, andererseits die burgenländischen Volksgruppenvereine für die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien und in beratenden Funktionen.

„Heute war für uns ein sehr wichtiger Tag und ein vielversprechender Anfang“, so Stanko Horvath, Vorsitzender-Stellvertreter des Volksgruppenbeirats der Burgenlandkroaten. Bilateralen Austausch unter den Volksgruppenbeiräten habe es zwar schon gegeben, aber diese Art von Institutionalisierung und Zusammenarbeit sei neu.

 

„Es ist ein neuer Weg voll von Emotionen, den wir heute gemeinsam gehen“, betont Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma. Erstmals wurde ein Forum gegründet, wo auch die Roma mit dabei sind und ihre Wünsche äußern dürfen!“ Von diesem Forum und dieser Initiative erhofft man sich einiges, wie zum Beispiel die Möglichkeit einer Matura in Romanes.

„Ich freue mich sehr, dass wir heute mit diesem Forum starten konnten“, so Iris Zsótér, Vorsitzende-Stellvertreterin der Ungarn. Die Attraktivität dieser Volksgruppensprachen in der Öffentlichkeit zu steigern, sei ihr ein großes Anliegen.

Der 11.April 2019 als Startschuss wird wohl nicht nur den Akteuren dieses Bildungsforums in Erinnerung bleiben! Wir freuen uns auf die nächsten Schritte.

 

An der konstituierenden Sitzung haben teilgenommen:

  • Josef Hollós, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Ungarn und Iris Zsótér, Vorsitzende-Stellvertreterin
  • Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma und Andreas Sarközi, Mitglied des Volksgruppenbeirats der Roma
  • Martin Ivancsics, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Burgenlandkroaten und Stanko Horvath, Vorsitzender-Stellvertreter
  • Karin Vukman-Artner, Leiterin der Abteilung Minderheitenschulwesen in der Bildungsdirektion, Livia Pathy, Fachinspektorin (FI) für Ungarisch an AHS, BMHS und Andrea Hütler, FI für Ungarisch an APS
  • Sabine Weisz, Rektorin der PH Burgenland, Inge Strobl-Zuchtriegl, Vize-Rektorin der PH Burgenland und Eva Gröstenberger, Leiterin der Stabstelle Minderheitenschulwesen

 

Volksgruppensprachen an der PH Burgenland

Die sprachliche Vielfalt ist Ausdruck der burgenländischen Identität und seit jeher ein wichtiger Bestandteil der Aus-, Fort- und Weiterbildung an der Pädagogischen Hochschule Burgenland.

Mit dem Schwerpunkt Mehrsprachigkeit im Bachelorstudium Primarstufe sowie den Hochschullehrgängen für den zweisprachigen Unterricht an Volksschulen (Burgenlandkroatisch, Ungarisch) und neuen Mittelschulen (Ungarisch) trägt die Pädagogische Hochschule Burgenland dem zweisprachigen Bildungswesen Rechnung. Zudem können Studierende der PH Burgenland das Unterrichtsfach Burgenlandkroatisch/Kroatisch im Lehramt Sekundarstufe wählen und sich auch im Rahmen des Primarstufenlehramts im Masterstudium im Fach Kroatisch vertiefen.

Darüber hinaus ist die Pädagogische Hochschule Burgenland mit der „Sprachenwerkstätte“, die gemeinsam mit der Bildungsdirektion eingerichtet wurde, wichtiger Partner in einer Vielzahl von Projekten: Erstellung von Schulbüchern und Unterrichtsbehelfen sowie deren Evaluierung in Forschungsprojekten.

Ausfluss dieser strategischen Zielsetzungen ist ferner die an der Pädagogischen Hochschule neu etablierte Stabstelle Minderheitenschulwesen, deren Aufgabe vornehmlich darin besteht, diese Initiativen zu intensivieren bzw. zu institutionalisieren und die gemeinsamen Aktivitäten verstärkt sichtbar zu machen.

 

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