Zahl der Privatkonkurse gestiegen

Eisenstadt, 1. 2. 2019

LRin Dunst präsentierte Bilanz 2018 der Schuldenberatung Burgenland

Seit Ende 2017 gilt in Österreich ein neues Privatkonkursrecht, das den Zugang zum Privatkonkurs erleichtert und die Stellung der Betroffenen verbessert hat.  Die Änderung hat große Auswirkungen auf die Arbeit der Schuldenberatung, erklärt Konsumentenschutz Landesrätin Verena Dunst: „Mit einem Plus von 150 Prozent verzeichnen wir den größten Zuwachs im Bundesländervergleich. Wir haben darauf reagiert und sofort personell aufgestockt. Viele Betroffene haben zugewartet, bis das neue Gesetz in Kraft getreten ist.“ Im Vorjahr wurden 728 neue KlientInnen gezählt (2016: 570 Erstkontakte, 2017: 673). Die durchschnittliche Verschuldungssumme stieg auf 129.300 Euro. Die Zahl der Konkursanträge stieg von 92 im Jahr 2017 auf 148 im Jahr 2018, die der Konkurseröffnungen von 80 auf 170. Nach Verhandlungen mit den Gläubigerschutzverbänden KSV und AKV Graz und Wien ist es dem Burgenland gelungen, den Anspruch der Gläubigerschutzverbände für die Teilnahme an der Tagsatzung Insolvenzordnung zu vereinheitlichen. Seit Dezember des Vorjahres gilt landesweit ein einheitlicher Tarif. Mit der Forcierung der Präventionsarbeit in den Schulen wird der Schuldenfalle insbesondere für Jugendliche weiter der Kampf ansagt. Dies gilt auch für die Erwachsenenprävention.

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Dr.in Michaela Puhr, Schuldenberatung Burgenland, Präventionsbeauftrage Barbara Horvath-Piroska, LRin Verena Dunst, Mag.a Gabriela Perusich, Leiterin der Schuldenberatung Burgenland, und Elisabeth Kleinl-Hofer, Leiterin Referat Konsumentenschutz und Schuldenberatung

Schuldenberatung direkt im Amt angesiedelt
Als einziges Bundesland hat das Burgenland seine Schuldenberatung nicht als Verein organisiert, sondern direkt im Amt der Landesregierung. „Natürlich macht es beim Umgang mit Behörden einen Unterschied, ob eine Kollegin von einem privaten Verein oder vom Amt der Landesregierung anruft. Die Schuldenberatung Burgenland ist staatlich anerkannt und kann Klienten direkt bei Konkursverfahren vor Gericht vertreten“, so Dunst.

Ursachen für Schulden seit Jahren unverändert
Ehemalige Selbständigkeit, Einkommensverschlechterung, Hausbau oder Wohnungskauf, Scheidung und falsches Konsumverhalten seien seit Jahren die Hauptgründe für Schulden. „Die Schuldner kommen aus allen Schichten, es kann jeden treffen“, weiß Mag.a Gabriela Perusich, Leiterin der Schuldenberatung Burgenland, die 1998 als kostenlose Serviceeinrichtung des Landes gegründet wurde. 2558 Telefonate wurden 2018 geführt (2016: 1784; 2017: 1965). Die Hilfe durch die Schuldenberatung ist auf den jeweiligen Fall abgestimmt, es werden individuelle Sanierungskonzepte erarbeitet.
Mit der Neuregelung des Privatkonkurses wird die Entschuldung beim Privatkonkurs deutlich vereinfacht, so die Expertin: „Die Mindestquote von 10 Prozent für die Restschuldbefreiung wurde ersatzlos gestrichen. Und auch die Dauer der Abschöpfung wurde von sieben auf fünf Jahren reduziert.“ Die Abschöpfungsdauer ist die Zeit, in der Privatschuldner Einkommen über dem Existenzminimum zur Schuldenreduktion abzuliefern haben. Neu ist auch: Das Bemühen um einen Arbeitsplatz müsse nun nachgewiesen werden, und zwar verpflichtend.

Steigende Schulden, mehr Männer als Frauen verschuldet
Insgesamt verzeichnete man von 1998 bis 2018 11.598 neue KlientInnen. Deren durchschnittliche Verschuldung betrug zuletzt 129.300 Euro, 2015 waren es 80.800 Euro. Detail am Rande: Mit 56,81 % sind die Männer bei den KlientInnen im Überhang. Das Durchschnittsalter der SchuldnerInnen beträgt 44 Jahre, wobei Jugendliche ebenso betroffen sind wie die ältere Generation.

Präventionsarbeit an Schulen
Gearbeitet wird aber auch präventiv: Eine eigens ausgebildete Beraterin berät an Schulen. Die Präventionsarbeit ist auf das Alter der Kinder und Jugendlichen zugeschnnitten.
So richtet sich das Musiktheater „James Raffer & Tante Riskante‘ an Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen Volksschulen. Rund 500 SchülerInnen besuchten 2018 die kostenlosen Aufführungen. 300 SchülerInnen der 3. und 4. Klasse Neue Mittelschule wurden Abschlusszertifikate zum Finanzpass übergeben. „Mit Präventionsarbeit schulen wir Jugendliche im vernünftigen Umgang mit Geld um sie vor der Schuldenfalle zu bewahren“, so die Präventionsbeauftrage Barbara Horvath-Piroska. Zum Repertoire der Präventionsarbeit gehören auch Workshops unter dem Titel „Über Geld spricht man“. Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler der burgenländischen Berufsschulen sowie in den Polytechnischen Schulen Eisenstadt und Oberwart. 2018 wurde auf diesem Weg rund 400 BerufsschülerInnen und 150 SchülerInnen der PTS erreicht.

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