Drastische Einsparungen im Gewaltschutzbereich

Eisenstadt, 17. 1. 2019

Drastische Einsparungen im Gewaltschutzbereich trotz alarmierender Gewaltmordserie in Österreich

 Mit Entsetzen verfolgen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Burgenlands die Ereignisse der letzten Wochen. Innerhalb von Tagen wurden in Österreich vier Frauen getötet. Die Morde reihen sich in eine traurige Tendenz ein und verweisen auf eklatante Missstände unserer Gesellschaft und politischer Verantwortlichkeiten: die Zahl der Frauenmorde nimmt kontinuierlich zu und positioniert Österreich im traurigen Spitzenfeld der europaweiten Gewaltstatistik. Mit 41 getöteten Frauen im Jahr 2018 erreicht die Zahl der Frauenmorde den höchsten Anteil der vergangenen zehn Jahre.

In keinem anderen europäischen Land gibt es mehr weibliche Mordopfer. Zwei von drei Frauenmorden werden von männlichen Partnern, Ex-Partnern und Familienangehörigen verübt. Und nicht nur die steigende Zahl an Frauenmorden ist alarmierend. „Auch die Schwere der Gewalttaten hat zugenommen“, betont Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF).

Dienstagnachmittag kündigte Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) als Reaktion auf die jüngsten Femizide, die Einführung einer Screening-Gruppe an. Diese soll die Mordfälle, die seit Beginn dieses Jahres verübt wurden, analysieren. Hauptaugenmerk wird hier auf die Vorgeschichte und Profile der Täter und Opfer sowie deren Beziehung zueinander gelegt werden. Auch will man die Frage beantworten, ob es Bedarf nach einer besseren Vernetzung von Opferschutzeinrichtungen und Behörden, wie etwa den Haftanstalten, gibt.

Im Sommer 2018 erlitten österreichische Schutz- und Beratungseinrichtungen, Familien- und Frauenberatungsstellen selbst einen herben Schlag ins Gesicht. Familienministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) kürzte das Budget der österreichischen Familien- und Frauenberatungsstellen um eine Million Euro. Bereits im Jahr zuvor wurde drei Frauenberatungseinrichtungen in Oberösterreich die Finanzierung zu 100 Prozent entzogen. Im Juli 2018 stoppte das Innenministerium unter Kickl das Projekt Marac, das Konferenzen in Hochrisiko-Gewaltfällen gegen Frauen, gemeinsam mit Polizei, Justiz und Gewaltschutzeinrichtungen ermöglichte. Auch die Finanzierung für Polizei-Schulungen zu häuslicher Gewalt fiel den Einsparungen zum Opfer. Schlussendlich kürzte auch noch das Frauenministerium Förderungen für über 13 Frauenprojekte.

Vor diesem Hintergrund erscheint die neuerliche Prüfung von Tätermotiven und Prüfung des Bedarfs an Vernetzungsarbeit zwischen den Behörden, mehr als zynisch. Während sich der öffentliche Diskurs auf die Motive der einzelnen Gewalttäter konzentriert, bleibt die Frage nach den Hintergründen für den Anstieg an Frauenmorden unbeantwortet. Zahlreiche Projekte und Expert*innen auf dem Gebiet arbeiteten in den letzten Jahren engagiert und erfolgreich an Konzepten und Lösungen. Diese bereits bestandene Taskforce hätte die offenen Fragen des Innenministeriums womöglich beantworten können.

frauenhaus

 

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