Frauenhaus Burgenland – Ein Jahr voller Höhen und Tiefen

Eisenstadt, 27. 12. 2018

Frauenhaus Burgenland – solidarisch gegen den Strom der Zeit

2018 war ein turbulentes Jahr. Ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Tränen flossen einige im Frauenhaus Burgenland. Tränen des Kummers sowie der Freude. Nicht nur der Einzug ins Frauenhaus ist tränenbehaftet. Ist damit doch auch immer ein Auszug, also Abschied von der erträumten Zukunft, der gewohnten Umgebung, Freunden, Familie und Heim verbunden. Auch die Zeit im Frauenhaus ist für viele Frauen und Kinder hart. Es erfordert viel Arrangement, Flexibilität und Anpassung von den Betroffenen, müssen sie sich doch an ganz neue Lebensumstände gewöhnen. Mit der Zeit finden unsere kleinen und großen BewohnerInnen zur Ruhe, tanken Kraft und schöpfen neuen Mut, sich letztlich selbstbewusst in ein ebenso selbstgewähltes wie selbstbestimmtes Leben zu wagen. Auch der Auszug aus dem Frauenhaus wird von vielen Tränen begleitet, doch diesmal sind es Tränen des Glücks, der Erleichterung und Zuversicht auf eine gewaltfreie Zukunft.

frauenhaus

Das Frauenhaus Burgenland erfuhr 2018 eine 75% Auslastung – ähnlich wie in den Jahren zuvor. Diese Zahl zeigt, dass die repräsentative FRA-Studie der europäischen Grundrechtsagentur aus dem Jahr 2014 auch vier Jahre später nicht überholt ist. Nach wie vor ist jede dritte erwachsene Frau in Europa von körperlicher und / oder sexueller Gewalt betroffen. Plätze in Frauenhäusern sind ebenso notwendig wie eh und je. Daran hat sich auch 2018 nichts geändert und daran – beobachtet man die Umsetzungen und Pläne der aktuellen österreichischen Regierung – wird sich leider auch in Zukunft nicht viel ändern: Notstandshilfe streichen, Mindestsicherung kürzen, Bildung privilegieren, Arbeitsplätze straffen, Arbeitsbedingungen verschärfen! So schallt es durch die Medien. So droht es von sämtlichen Plakatwänden. Angst, Ausgrenzung und Armut sind Werkzeug und Folge zugleich. Und betroffen sind nicht nur die ohnehin schon Marginalisierten, die ohnehin schon an den Rand der Gesellschaft Gedrängten – vornehmlich Frauen, Alleinerzieherinnen und Migrantinnen, Kranke und Alte – sondern jeder und jede Einzelne von uns. Wenn Rationalisierung und Wirtschaftlichkeit die Politik bestimmen, leiden die Menschen. Der Mensch wird zur Maschine „Mensch“, die funktionieren muss – und die, wenn sie das nicht mehr tut, ausgetauscht wird. Für Menschlichkeit ist in dieser Politik kein Platz! Das veranschaulichen sämtliche finanzielle Kürzungen im sozialen Bereich. Aus diesem Grund kehrt auch das Frauenhaus Burgenland und seine Mitarbeiterinnen zu dem feministischen Selbstkonzept als „Betroffene“ zurück. „Solange in einer Regierung jede einzelne Mitarbeiterin des sozialen Bereichs von Kürzung, Auflagen und Arbeitsplatzverlust bedroht ist, solange bezeichnen auch wir uns als Betroffene von Gewalt – von struktureller Gewalt – ausgeübt durch den Staat“, sagt Gabriele Arenberger, Vorsitzende des Vereins „Die Treppe“. Im Gegensatz zu Robin Hood scheint unser Kanzler – von der Bevölkerung resigniert auch „Schweigekanzler“ genannt – von den Armen zu nehmen, um es den Reichen zu geben. Die österreichische Politik ignoriert Wissenschaft und Statistik, ignoriert Armut als eine der größten Risikofaktoren für die menschliche Gesundheit, ignoriert damit das Menschenrecht, in Freiheit, Sicherheit und Gesundheit zu leben. Denn Armut und Ausgrenzung verschärfen ohnehin schon schwierige soziale Situationen, beschränken Bildung und fördern Gewalt in der Familie und Großfamilie.

Fürs neue Jahr 2019 wünschen sich die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses daher eines: „Wir wünschen uns Chancengleichheit! Für alle Frauen, die von ihren Ehemännern und Partnern geschlagen und gedemütigt werden. Für alle Kinder, die in einer Familie voller Gewalt, Angst und Geheimnisse leben. Für uns Mitarbeiterinnen, die wir jeden Tag unser Herzblut geben, um unseren Schutzbefohlenen zur Seite zu stehen!“

 

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