40 Jahre Weißer Ring

Eisenstadt, 10. 10. 2018

40 Jahre im Dienste der Opfer von Straftaten

Am 10.10.2018 feiert der WEISSE RING seinen 40. Geburtstag. Er ist Österreichs erste und einzige allgemeine Opferunterstützungs-Organisation, die Opfern von Straftaten hilft und steht seit seiner Gründung im Jahr 1978 für ein Eintreten für die Würde der Menschen, den Schutz von Opfern und die Begleitung Betroffener. Der WEISSE RING wurde in Wien gegründet und ist mittlerweile in jedem Bundesland vertreten. Zum 40-Jahr-Jubiläum finden in ganz Österreich 40 Stunden lang verschiedene Veranstaltungen statt.

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Udo Jesionek, einer der Gründerväter und seit 1992 Präsident des WEISSEN RINGES Österreich, erinnert sich gerne an ein schicksalhaftes Telefonat im Jahr 1977. Der spätere Wiener Bürgermeister Helmut Zilk, zu dieser Zeit Ombudsmann der Kronen Zeitung, schlug  vor, nach dem Vorbild des 1976 in Deutschland gegründeten WEISSEN RINGES einen Verein zur Unterstützung von Opfern von Straftaten ins Leben zu rufen. „Die Justiz konzentrierte sich in den frühen 70er Jahren des 20. Jahrhunderts auf die Verfolgung der Täter. Opfer kamen im Strafrecht ausschließlich als Zeugen und Zeuginnen vor“, schildert Jesionek die Ausgangslage. Einen wesentlichen Anstoß dazu hatte die Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ gegeben, in der aktuelle ungelöste Kriminalfälle präsentiert wurden und der Moderator die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Lösung einlud. Schon Eduard Zimmermann (ZDF) setzte ab 1967 einen Schwerpunkt bei den Opfern, was auch im ORF ab 1968 – zuerst von Teddy Podgorsky, dann von Peter Nidetzky – übernommen wurde.

 

Der WEISSE RING – Teil eines Perspektivenwechsels von Täter*in zu Opfer

Die 40jährige Geschichte des WEISSEN RINGES ist eng mit der gesetzlichen Entwicklung des Opferschutzes verknüpft.  Heute werden Opfer von Straftaten als Beteiligte am Strafverfahren mit eigenen Rechten anerkannt. Opfer von Gewaltdelikten und Hinterbliebene haben meist Anspruch auf juristische und psychosoziale Prozessbegleitung. Der WEISSE RING selbst wird im Verbrechensopfergesetz (VOG) als einzige allgemeine Opferunterstützungs-Organisation genannt.

Unbürokratische Hilfe und neue Herausforderungen

Im Zentrum der Arbeit des WEISSEN RINGES steht die kostenlose, unbürokratische und rasche Hilfe für Opfer von Straftaten. Im Notfall gibt es die Möglichkeit zu finanzieller Unterstützung, bei Bedarf werden auch Leistungen vorfinanziert.

„Wir finden uns immer wieder neuen Straftaten und Handlungsmustern gegenüber. So steigen die Zahlen bei Internetkriminalität und Hassverbrechen“, beschreibt Geschäftsführerin Dina Nachbaur die aktuellen Herausforderungen. „Doch eines ist in all den Jahren gleich geblieben: Opfer einer Straftat zu werden kann tiefe psychische Verletzungen hinterlassen. Es ist mit Unterstützung leichter, aus so einem Trauma wieder herauszukommen.“

Entwicklung und Vielfalt wollen und sollen bewältigt werden: Themenschwerpunkte wie „Gewalt am Arbeitsplatz“, „Hate Crime“ und „Cybercrime“ werden in Zusammenarbeit mit Partner*innen aus Wirtschaft und Forschung auf nationaler und internationaler Ebene bearbeitet. Dabei entstehen wissenschaftliche Studien und Trainings ebenso wie Forderungen an Politik und Gesetzgebung. So hat der WEISSE RING wesentlich zum Ausbau der Opferrechte und zu deren Verankerung in Verbrechensopfergesetz und Strafprozessordnung beigetragen und arbeitet tagtäglich daran, diese Normen in Zusammenarbeit mit Partner*innen wie der Polizei und dem Sozialministeriumsservice mit Leben zu erfüllen.

Einmal jährlich stellen das Bundesministerium für Inneres und der WEISSE RING gemeinsam ein aktuelles Thema ins Zentrum einer Enquette zum „Tag der Kriminalitätsopfer“. Diese fachlich hochkarätig besetzte Veranstaltung ist auch immer wieder Ausgangspunkt neuer Projekte und Vernetzungen zwischen Expert*innen unterschiedlicher Ausrichtung.

 

Opfer-Notruf 0800 112 112: täglich rund um die Uhr am Telefon verfügbar

Seit 2007 betreibt der WEISSE RING im Auftrag des Bundesministeriums für Verfassung, Reformen, Deregulierung und Justiz (BMVRDJ) den aus ganz Österreich gebührenfrei und rund um die Uhr erreichbaren Opfer-Notruf 0800 112 112 als erste, zentrale Anlaufstelle für alle Opfer krimineller Handlungen. Der Opfer-Notruf dient auch als Drehscheibe der Information und Vermittlung hin zu anderen Opferhilfe-Einrichtungen.

 

Schwerpunkt Heimkinder

Seit 2010 hat der WEISSE RING im Rahmen von Aufträgen der Stadt Wien, der Diakonie und zweier Ministerien in Projektform Menschen betreut, die in ihrer Kindheit in Heimen oder bei Pflegefamilien Opfer von Gewalt geworden waren. Während sich die meisten dieser Projekte in der Abschlussphase befinden, ist 2018 ein Auftrag des Wiener Krankenanstaltenverbundes zur  Abwicklung von finanziellen Entschädigungsleistungen an Personen, die ehemals im Otto Wagner Spital–Pavillon 15 untergebracht waren, dazu gekommen.

 

Mitarbeit, Sponsoring und Finanzen

Der WEISSE RING wurde als Freiwilligen-Organisation von ehrenamtlich Tätigen aufgebaut. Als Mitglieder des Vorstandes und in den Landesstellen tragen sie nach wie vor Verantwortung, gestalten den Verein, stellen die regionalen Netzwerke her und bringen ihre Kontakte sowie ihre Expertise in die Arbeit ein. An die 300 ehrenamtlich Tätige stellen ein wichtiges Standbein des WEISSEN RINGES dar.

Neben der aktiven Mitarbeit gab es von Anfang an die Möglichkeit, um einen geringen Jahresbeitrag Mitglied zu werden. 20 Schilling waren es 1978, heute sind es 24 EURO. Außerdem finanziert sich der WEISSE RING mittels Spenden und wird auch immer wieder in Testamenten berücksichtigt.

Zahlreiche Unternehmen sponsern die Tätigkeit mit kleinen und größeren Beträgen. Der WEISSE RING wird darüber hinaus von öffentlichen Stellen wie dem Sozialministerium (BMASGK), der Stadt Wien, den Ländern Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich unterstützt. Projektbezogen gibt es auch Förderungen anderer öffentlicher Stellen. Opfer-Notruf und Prozessbegleitung werden vom BMVRDJ finanziert. Eine allgemeine Basisförderung erhält der Verein nicht.

 

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