Grüne: Schulpaket ist konservative Ideologiekeule ohne Lösungskompetenz

Eisenstadt, 2. 10. 2018

Scharfe Kritik am Schulpaket der Bundesregierung üben die GRÜNEN. Regina Petrik, Landtagsabgeordnete und Bildungssprecherin, sieht darin eine konservative Ideologiekeule ohne bildungswissenschaftliche Grundlage. „Hier werden auf dem Rücken der Kinder alte Stressfaktoren wieder eingeführt, ohne den geringsten Hinweis darauf, dass das die schulischen Leistungen auch nur um einen Grad verbessern würde“, zeigt sich Petrik verärgert. „Die Regierung sollte die vielen ambitionierten Lehrerinnen und Lehrer arbeiten lassen und sie nicht zwingen, das über Board zu werfen, womit sie gute Erfahrungen gemacht haben. Es wäre schon wichtig, politische Entscheidungen aufgrund von Fakten und wissenschaftlichen Befunden zu treffen.“

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Die Regierung verstärkt mit ihren Maßnahmen ein bereits alarmierendes Faktum im österreichischen Schulwesen, nämlich dass Bildung vererbt wird. Das schwarz-blaue Schulsystem trachtet nicht danach, allen Kindern die gleichen Chancen zu geben, sondern befördert die Dynamik, dass Kinder besser gebildeter Eltern einen intensiveren Bildungsweg einlegen als Kinder von Eltern mit niedrigerem Bildungsniveau.

„Die Einteilung der Kinder in Leistungsgruppen wie in der früheren Hauptschule ist ein Lernansatz des letzten Jahrhunderts und wurde aus guten Gründen abgeschafft“, so Petrik, die selbst Bildungswissenschaftlerin und Pädagogin ist. „Für schwächere Schülerinnen und Schüler war es früher schwer möglich, von einer niedrigeren Leistungsstufe dauerhaft in eine höhere zu wechseln. Leistungsschwächere Kinder werden dadurch in eine Bildungssackgasse geschickt, aber – das zeigten damals die Erfahrungen – nicht zu höheren Leistungen angespornt. Mit der Wiedereinführung der Leistungsgruppen gesteht die Bundesregierung ein, dass sie sich nur um jene Kinder kümmern will, die vom Elternhaus eine größere Unterstützung mitbringen oder mit großer Begabung gesegnet sind. Die schwächeren Kinder werden abgeschrieben und einfach zurückgelassen“, kritisiert Petrik. „Das ist ein Schlag gegen das Anliegen der Bildungsgerechtigkeit und führt zu einer Vertiefung von gesellschaftlichen Gräben.“

Die Führung von temporären Lerngruppen wäre schon jetzt möglich, erinnern die GRÜNEN und weisen darauf hin, dass durch die erst jüngst eingeführte Schulautonomie SchulleiterInnen die Möglichkeit haben, SchülerInnen nach selbst gewählten Kriterien einzuteilen. Das sogenannte Pädagogikpaket ändere daran zwar nichts, führe aber etliche Aspekte der Schulautonomie ad absurdum.

Regierung setzt nicht um, was sie vorgibt zu tun

Die GRÜNEN kritisieren, dass die meisten der von der Regierung genannten Maßnahmen kaum oder gar keine Auswirkungen auf die Leistung der SchülerInnen haben. Im Schulpaket der Regierung fehlten sowohl konkrete Ziele als auch echte pädagogische Verbesserungen. Das gelte auch für die Vorschrift, Ziffernnoten in der Volksschule zu vergeben. „Mein eigenes Studium der Bildungswissenschaft liegt 30 Jahre zurück. Schon damals war es klar, dass Ziffernnoten keine differenzierte Aussage über die tatsächliche Leistung von Kindern liefern. Sie sind eher Orientierung für Eltern, ob ihr Kind besser oder schlechter als andere ist. Welche Defizite ausgebessert oder welche Stärken gefördert gehören, kann eine einzelne Ziffer nicht ausdrücken. Individuelle Fördermaßnahmen können nur gesetzt werden, wenn es eine differenzierte Leistungsbeurteilung gibt. Die Regierung trampelt nun alles nieder, was dazu in mühsamer praktischer und Forschungsarbeit in den letzten 30 Jahren entwickelt wurde, um ein völlig unsinniges Wahlversprechen einzulösen. Längst weiß man, dass die Form der Leistungsbeurteilung keinen Effekt auf das Leistungsniveau der Kinder hat. Leistungsfördernd sind aber die Maßnahmen, die man aus der Leistungsbeurteilung ableiten kann. Solche pädagogischen Maßnahmen vermisse ich im Schulpaket.“

Auch für den Bereich Mittelschule gibt es eine klare Einschätzung: Keine der genannten Maßnahmen ist geeignet, die Leistung von SchülerInnen zu steigern. „Das sind lauter leere Hülsen, Überschriften, neue Namen aber keine neue Pädagogik“, kritisiert Petrik. Lediglich das freiwillige 10. Schuljahr an einer Polytechnischen Schule für SchülerInnen, die im 9. Schuljahr an einer mittleren oder höheren Schule gescheitert sind, wird seitens der GRÜNEN als sinnvolle und begrüßenswerte Maßnahme gewertet. Diese wurde schon vor acht Jahren von den Grünen selbst gefordert.

 

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