Offener Brief an den Bürgermeister von Rechnitz, Martin Kramelhofer

Eisenstadt, 9. 2. 2018

Grüne

Regina Petrik, Grüne

Anlässlich einer kritischen Formulierung im „Rechnitzkalender“, in dem von „Judenkindern“ die Rede ist, habe ich gestern dem Bürgermeister von Rechnitz, Herrn Martin Kramelhofer, einen offenen Brief geschrieben, den ich Ihnen hiermit zu Ihrer Information übermittle. Der Brief ergeht per Post an das Gemeindeamt, auf meine gestrige an BGM Kramelhofer adressierte Mail desselben Inhalts habe ich noch keine Antwort erhalten.

 

 

 

Maga Regina Petrik Landtagsabgeordnete

OFFENER BRIEF

An Herrn BGM Martin Kramelhofer
Hauptplatz 10 7471 Rechnitz
Eisenstadt, 8. Februar 2018

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Rechnitz durften sich in den letzten Wochen über ein Geschenk von Ihnen freuen: den Rechnitzkalender, der die Geschichte Ihrer Gemeinde in Wort und Bild bringt. Darin befindet sich auch ein Kapitel zur Entwicklung des Schulwesens. Der letzte Satz lautet hier: „Ab 1944 wurden auch Knaben in die Hauptschule (Bürgerschule) aufgenommen. Diese wurde auch von evangelischen und von Judenkindern besucht.“

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass die Bezeichnung „Judenkinder“ von den Nationalsozialisten des Dritten Reichs und von deren Anhängern als herabwürdigendes Schimpfwort verwendet wurde. Ich bin sicher, dass dieser ideologische Beigeschmack von Ihnen nicht beabsichtigt war, leider ist er aber nicht von der Hand zu weisen. Denn die Formulierung in diesem Satz macht bereits sprachlich einen Unterschied zwischen Kindern unterschiedlicher Religionszugehörigkeit. Nur mit der Formulierung „jüdische Kinder“ (ebenso wie evangelische Kinder) würden Sie die Gleichwertigkeit der Kinder ausdrücken.

Ich bitte Sie daher eindringlich, sich von diesem Sprachgebrauch zu distanzieren, sich bei der jüdischen Bevölkerung bzw. deren Nachkommen für den Fehltritt der Redaktion zu entschuldigen und umgehend eine Änderung des fraglichen Satzes zu erwirken. Sollte letzteres nicht möglich sein, fordere ich Sie auf, die digitale Variante des Kalenders unverzüglich von der Homepage der Gemeinde Rechnitz zu entfernen.

Gerade in der heutigen Zeit, in der sich Antisemitismus wieder an die Oberfläche des gesellschaftlichen Lebens schleicht und die Grenze zu Herabwürdigung bestimmter Bevölkerungsgruppen auch in der Politik nicht immer deutlich gezogen wird, sind wir Politiker und Politikerinnen besonders gefordert, jedem Aufflackern derartigen Gedankenguts entschieden entgegenzutreten.

In der Überzeugung, in Ihnen einen Bürgermeister mit Verständnis für Sensibilität beim Sprachgebrauch in solchen Publikationen gefunden zu haben, schicke ich herzliche Grüße!

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