Skandal in sozialpädagogischem Wohnheim im Bezirk Neusiedl am See

Neusiedl, 30. 11. 2017 –

ÖVP

Volle Aufklärung und Konsequenzen für die Verantwortlichen

Volksanwalt Günther Kräuter hat gestern schwere Vorwürfe wegen „inakzeptabler Zustände“ in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft in Neusiedl erhoben. Nun wurde bekannt, dass die Bezirksverwaltungsbehörde und die Landesregierung seit eineinhalb Jahren Bescheid wussten und einfach tatenlos zugeschaut haben. „Das ist grausam und verabscheuenswürdig. Wir fordern eine rasche und vollständige Aufklärung und Konsequenzen für die Verantwortlichen“, sagen Klubobmann Christian Sagartz und Neusiedls Bezirksparteiobmann Rudolf Strommer.

övp grüne

Christian Sagartz und Rudolf Strommer

Die Volksanwaltschaft hat gestern schwere Vorwürfe gegen eine sozialpädagogische Wohngemeinschaft im Bezirk Neusiedl erhoben. Der Volksanwalt hat von Misshandlungen und sexuellen Übergriffen von älteren auf jüngere Kinder berichtet. „Das ist verabscheuenswürdig und grausam. Wenn bekannt war, dass ältere Kinder jüngere Kinder misshandeln und sexuell belästigen, müssen alle, die davon gewusst haben, zur Verantwortung gezogen werden. Nach diesem Bericht kann nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden“, bekräftigt Strommer.

Die Sitzgemeinde und das Land Burgenland finanzieren diese sozialpädagogische Einrichtung. Laut Volksanwalt Kräuter war seit eineinhalb Jahren bekannt, dass es Probleme in dieser Wohngemeinschaft gab. „Die Landesregierung und die Bezirkshauptmannschaft wurden durch mehrere Gefährdungsmeldungen und Berichten der Volksanwaltschaft von diesen Missständen in Kenntnis gesetzt. Da frage ich mich schon: Wie können der zuständige SPÖ-Landesrat Norbert Darabos und SPÖ-Landeshauptmann Hans Nießl einfach dabei zuschauen?“, bemängelt Strommer und stellt fest: „Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft ermitteln bereits in dieser Causa.“

Zu betonen ist, dass die Volksanwaltschaft dieselben Funktionen wie der Rechnungshof hat. „Die Volksanwaltschaft ist als Hilfsorgan des Landtages für die Kontrolle der Behörden zuständig. Warum wurden dann die Berichte über Missstände seitens der Behörden nicht untersucht? Haben die Behörden versagt?“, fragt sich Strommer.

Schon traurig, dass Darabos seit gestern für ein Statement nicht erreichbar ist. Stattdessen schickt er eine Beamtin vor. „Er stellt sich damit nicht der Verantwortung und schaut weiterhin tatenlos zu“, kritisiert Strommer auf das Schärfste. Volksanwalt Günther Kräuter wirft dem Land Behördenversagen vor. „Wenn sich diese Vorwürfe bewahrheiten und der Missbrauch von Kindern wegen Behördenversagen nicht unterbunden wurde, dann muss man sich fragen, ob die Zuständigen in ihrer Funktion bleiben dürfen“, so Strommer.

Sagartz: Aktionsplan für Kinderbetreuungseinrichtungen

Es geht jetzt nicht darum, alleinig Schuldige zu finden, sondern den Verantwortlichen, der für diese Missstände die Verantwortung übernimmt, rasch reagiert und die Konsequenzen trägt“; betont Klubobmann Sagartz und fordert in Richtung des zuständigen SPÖ-Landesrates Darabos: „Die Behörden und zuständigen Abteilungen müssen nun rasch und gewissenvoll nachforschen, was schief gegangen ist. Hier darf nichts totgeschwiegen werden. Die Fakten gehören auf den Tisch.“

Dass die verantwortlichen Behörden sich betroffen zeigen, hilft nicht. Gerade bei Kindern, die große Schutzbedürftigkeit haben, darf das nicht passieren. Oft kommen Kinder in Wohngemeinschaften aus zerrütteten Familien und brauchen umso mehr Schutz und Geborgenheit. „Für die Zukunft muss auf diese Kinder ein besonderes Augenmerk gelegt und Präventionsmaßnahmen geschaffen werden. Wir müssen uns auch die Frage stellen, wie solche Fälle verhindert werden können?“, sagt Sagartz und fordert einen Aktionsplan: „Es kann nicht sein, dass Kinder in sozialpädagogischen Einrichtungen misshandelt werden und das Land darüber Kenntnis hat. Es braucht dringend einen Aktionsplan vom zuständigen SPÖ-Landesrat Darabos, um alles aufzuklären und derartige Fälle in Zukunft zu verhindern. Das darf sich nicht wiederholen.“

„Um diese Missstände lückenlos aufzuklären, stellen wir eine schriftliche Anfrage an den zuständigen SPÖ-Landesrat Darabos. Volle Aufklärung und Transparenz ist gefragt. Der Landtag muss aktiv werden“, fordert Sagartz abschließend.


Grüne

Missstände in Jugendwohnheim: Nur Betreuungsqualität schützt vor Misshandlung

GRÜNE fordern klare Qualitätskriterien für Leitungs- und Betreuungspersonal
„Betroffenheit ist gut, Kontrolle ist nötig, wirksam ist nur langfristige Qualitätssicherheit“, meint Regina Petrik, Landessprecherin der GRÜNEN Burgenland zu den durch die Volksanwaltschaft öffentlich gewordenen Vorfällen in einer Jugendbetreuungseinrichtung im Bezirk Neusiedl am See. „Ich bin schockiert und tief betroffen, dass es in einer Betreuungseinrichtung zu derartig schwerwiegenden Misshandlungen und sexueller Gewalt gegenüber Kindern durch einen Jugendlichen kommen konnte. Nun gilt es, dafür zu sorgen, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen unverzüglich eine Therapiemöglichkeit bekommen und in für sie emotional sicheren Wohnverältnissen betreut werden. Es muss aber auch strukturelle Änderungen geben und die Qualitätskriterien bei Vergabe von Betreuungsaufträgen überarbeitet werden. Es kann nicht sein, dass Betreuungspersonen keine hochwertige pädagogische oder psychologische Ausbildung haben. Die Anforderungen an das Personal in einem Wohnheim für Kinder und Jugendliche aus bereits schwer belasteten Verhältnissen und mit traumatisierenden Beziehungserfahrungen sind größer als in anderen pädagogischen und sozialen Berufen. Auch das Leitungspersonal muss eine fundierte Ausbildung und Erfahrung aufweisen können. Dafür muss umgehend auf politischer Ebene gesorgt werden. So etwas wie in diesem Wohnheim darf nie wieder vorkommen. Diese Sicherheit müssen wir den Kindern und Jugendlichen geben.“
Share Button

Schreibe einen Kommentar