Erwachsenenbildung im Burgenland

Eisenstadt, 24. 11. 2017 –

Erwachsenenbildung als elementarer Teil der Daseinsvorsorge

2. „Tag der Weiterbildung“ in Eisenstadt / Bedeutung der Erwachsenenbildung für die kommunale und regionale Entwicklung im Fokus

Die Erwachsenenbildung stand im  Mittelpunkt einer Veranstaltung gestern Abend im Kultur- und Kongresszentrum Eisenstadt. Renommierte ExpertInnen aus dem Bereich Erwachsenenbildung, Bildungsreferent Landeshauptmann Hans Niessl sowie VertreterInnen der Städte und Gemeindeverbände diskutierten die Zukunft der Erwachsenenbildung im Burgenland. Im Fokus stand die Bedeutung der Erwachsenenbildung für die kommunale und regionale Entwicklung. Als Vortragender konnte Prof. Dr. Ulrich Klemm von der Universität Augsburg – er ist Vorsitzender am Institut für angewandte Weiterbildungsforschung – gewonnen werden. Eingeladen zum „Tag der Weiterbildung“ haben  die Burgenländische Konferenz der Erwachsenenbildung (BuKEB) und das Land Burgenland. Die BuKEB ist der Zusammenschluss von zwölf gemeinnützigen Erwachsenenbildungsanbietern im Burgenland. Gemeinsam arbeiten diese Institutionen daran, der burgenländischen Bevölkerung ein flächendeckendes Angebot an Weiterbildungsmöglichkeiten aus dem allgemeinbildenden, berufsbildenden und konfessionellen Bereich bereitzustellen. 2016 hielt die BuKEB 5.601 Kurse und Veranstaltungen mit insgesamt 91.780 TeilnehmerInnen ab.

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Landeshauptmann Hans Niessl, BUKEP-Vorsitzende Dr.in Christine Teuschler, Bgm.in Ingrid Salamon, Vorsitzende des Österr. Städtebundes – Landesgruppe Burgenland, Bgm. Erich Trummer, Präsident Gemeindevertreterverband Burgenland, Bgm. Leo Radakovits, Präsident Gemeindebund Burgenland und Prof. Dr. Ulrich Klemm mit Moderator Walter Reiss

„Die Anforderungen an die Menschen werden nicht geringer. Globalisierung,  Digitalisierung und Flexibilisierung stellen uns vor große Herausforderungen. In Zukunft werden nur jene Länder eine Chance haben, die gute Rahmenbedingungen von der Elementarpädagogik bis zur Erwachsenenbildung schaffen“, so Niessl. So brauche man auch bei der Erwachsenenbildung wohnortnahe Einrichtungen, das sei gerade in ländlichen Regionen eine große Herausforderung der man sich stellen müsse. Wobei Bildung mehr sei als die Vermittlung von Wissen, betonte der Landeshauptmann: „Es geht auch um die Vermittlung von Werten. Lebenslanges Lernen ist kein Schlagwort, sondern eine unabdingbare Notwendigkeit, um für die heutige Berufswelt gewappnet zu sein, aber auch um an gesellschaftlichen Prozessen partizipieren zu können.“

Lange Anfahrtswege, eine geringere Angebotsdichte als im städtischen Raum und eine Ausdünnung der Infrastruktur seien strukturelle Hindernisse für den Weiterbildungsbereich im ländlichen Raum, so BuKEB-Vorsitzende Dr.in Christine Teuschler. Grundsätzlich, egal ob urbaner oder ländlicher Raum, sieht die Expertin zwei große Herausforderungen: einerseits die Problemstellung der sozialen Selektivität, d. h. Bildung hängt in Österreich nach wie vor stark vom sozialen/sozialökonomischen Status und der Herkunft/Bildungsniveau der Eltern ab, anderseits Problemstellungen aufgrund der neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen.
Die „regionale Benachteiligung“ als eine Bildungsbarriere aufgrund einer ländlichen Struktur mache sich in mehrerlei Hinsicht bemerkbar, so Teuschler. So wirke sich neben den sozioökonomischen und kulturellen Faktoren auch der Wohnort nach wie vor deutlich auf die individuellen Bildungschancen aus. Das zeige sich darin, dass die Bevölkerung mit höchstens einer Pflichtschulausbildung überdurchschnittlich häufig im ländlichen Raum konzentriert sei. Eine individuelle Benachteiligung aufgrund der regionalen Gegebenheiten entstehe auch dadurch, dass für die Teilnahme an bestimmten (Weiter)-Bildungsangeboten auch geografische Distanzen überwunden werden müssen. Das bedeute, für viele, vor allem für manche Frauen, „eine fast unüberwindbare Bildungsbarriere“, sagte Teuschler.

In allen Teilregionen brauche es Zugang zu Qualifizierung für die Beschäftigung durch berufsbildende Bildungsangebote, eine Stärkung der regionalen Identität durch allgemeine Bildungsangebote und die Möglichkeiten für die persönliche Weiterbildung für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen brauche es Bildungsangebote der Erwachsenenbildung, so der Tenor der Veranstaltung. Dies sei „der gesellschaftliche Mehrwert“ der Erwachsenenbildung, deshalb brauche es Bildungsangebote in den Regionen und für die Kommunen. Um das zu gewährleisten, müssten die Erwachsenenbildungs-Anbieter unterstützt werden, so Teuschler: „Grundsätzlich ist eine finanzielle Absicherung durch ein nachhaltiges und gesichertes Finanzierungsmodell von Bund und Land, basierend auf ausgewogenen Fördermix, nötig.“ Unterstützung bei der Infrastruktur und Räumlichkeiten sowie verstärkte Kooperationen zwischen Erwachsenenbildungseinrichtungen und öffentlichen Bildungseinrichtungen bzw. Schulen wären ebenso wichtig.
Man dürfe, so die einhellige Meinung der Diskussionsteilnehmer, die Weiterbildung nicht den massiv in den Markt drängenden privaten Anbietern überlassen. Denn es gehe auch darum, „die Qualität der angebotenen Bildungsmaßnahmen sicherzustellen“, sagte Niessl. Bildung und Weiterbildung müsse eine staatliche Aufgabe bleiben. Die Chancen der klassischen Erwachsenenbildungseinrichtungen lägen darin, „dass sie sich noch mehr zu einem öffentlichen Daseinsvorsorger entwickeln, der einen hohen Gemeinnutzen für Kommunen und Regionen generiert“, so Klemm.

 

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