10 Jahre Kinder- und Jugendpsychiatrie und – psychotherapie im Burgenland

Eisenstadt, 20. 10. 2017 –

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10 Jahre Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie (KJPP) feierte der Psychosoziale Dienst (PSD) im Burgenland im Rahmen einer Festveranstaltung am Freitag, 20. Oktober, im Kultur- und Kongresszentrum Eisenstadt im Beisein von Landeshauptmann Hans Niessl, Gesundheitslandesrat Mag. Norbert Darabos, PSD-Geschäftsführer Ing. Mag. Karl Helm, MAS, den ärztlichen LeiterInnen, VertreterInnen der KRAGES, der BGKK, aus dem Gesundheitsbereich und zahlreichen Festgästen. In den zwei Zentren Eisenstadt und Oberwart bietet der PSD mit einem multiprofessionellen Team ein ambulantes Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche, die in seelische Not geraten sind. Das Betreuungsmodell habe sich als sehr erfolgreich erwiesen, die Zahl der PatientInnen und Interventionen ist seit den Anfangsjahren kontinuierlich angestiegen.

Störungen im Kindes- und Jugendalter rechtzeitig abfangen
„Durch die Schaffung der Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Eisenstadt und in Oberwart konnte ein eng vernetztes, ganzheitliches Betreuungskonzept etabliert werden. Im Sinne des internationalen Trends zur Erweiterung wohnortnaher, niederschwelliger ambulanter Versorgungsstrukturen hat das Burgenland die Zeichen der Zeit erkannt und gerade diesem Bereich ein besonderes Augenmerk geschenkt. Dadurch ist es gelungen, eine Vielzahl schwerer psychiatrischer Störungen im Kindes- und Jugendalter rechtzeitig abzufangen und die Aufnahmezahlen so gering wie möglich zu halten. Ich gratuliere herzlich zu zehn erfolgreichen Jahren und danke für die großartigen Leistungen“, betonte Niessl.

Zusammenarbeit sichert präventiven Zugang zu risikobelasteten Familien
„Menschen mit psychischen Erkrankungen genauso zu betreuen und zu versorgen wie Menschen mit körperlichen Erkrankungen ist ein wichtiges Ziel nicht nur der burgenländischen, sondern auch der gesamtösterreichischen Gesundheitspolitik. Es ist uns in den letzten Jahren gelungen, ein modernes ambulantes, sozialpsychiatrisches Angebot flächendeckend abzusichern. Die enge Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe, dem Schulsystem, den ‚Frühen Hilfen‘ und allen fachspezifischen Beratungsstellen sichert den präventiven Zugang zu risikobelasteten Familien und ihren Problemen“, so Darabos. Nicht zuletzt auch im Sinne der Gewaltprävention und den Fragen des Kinderschutzes sei der familienorientierte Aspekt dabei ein unverzichtbares Element. „Ich darf für die ausgezeichnete Arbeit einen großen Dank aussprechen und wünsche alles Gute für die Zukunft“.

8.000 bis 10.000 psychisch kranke Kinder im Burgenland
Jeder vierte Österreicher leidet im Verlauf seines Lebens zumindest einmal vorübergehend an einer psychischen Erkrankung. Betroffen sind immer mehr Kinder und Jugendliche. Nach den Ergebnissen der ersten österreichweiten repräsentativen Erhebung der Medizinischen Universität Wien zum Thema „Psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen“ ist mit ca. 8.000 bis 10.000 psychisch kranken Kindern im Burgenland zu rechnen. Frühes Erkennen der Erkrankung kann ihre Lebenssituation entscheidend verbessern. „Kinder- und Jugendpsychiatrie beginnt schon mit der Geburt“, sagt Prof. Dr. Brigitte Hackenberg, Landeskoordinatorin KJPP Burgenland.

Grundsatz „Ambulant vor stationär“
Seit 2007 betreibt der Psychosoziale Dienst (PSD) ein Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Eisenstadt, 2013 wurde das Angebot um einen Standort in Oberwart erweitert. Von Beginn an war das Konzept von Univ. Prof. Dr. Karl Dantendorfer als Psychiatriekoordinator des Landes Burgenland, möglichst ambulant vor stationär und multiprofessionell zu arbeiten – ein Weg, der sich für das Burgenland aufgrund seiner geographischen Struktur als optimal erwiesen habe, und den seit 2014 Prof. Dr. Brigitte Hackenberg als Kinder- und Jugendpsychiatriekoordinatorin fortsetzt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig
Die Zentren bieten ein ambulantes Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche, die in seelische Not geraten sind. Die Leistungen umfassen multiprofessionelle Abklärung, fachärztliche Diagnostik, Beratung und Betreuung, psychologische Diagnostik und Beratung sowie Krisenintervention. Darüber hinaus bietet das heilpädagogische Zentrum Rust 12 stationäre Diagnostik- und „subakute“ Behandlungsplätze für Jugendliche bis zum 15. Lebensjahr. Eine wichtige Rolle spielen die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Vernetzung mit allen involvierten Institutionen und Berufsgruppen wie z.B. Schule, Kindergarten, Jugendamt, Schulpsychologie, Kinderdörfer, externe Behandlungs- und Therapieeinrichtungen. Das Angebot ist kostenlos, die Zentren stehen auch Eltern, Schulen und Behörden für Beratung, Information und Aufklärung über Krankheiten oder alterstypische Entwicklungsphasen zur Seite.

Verdreifachung der Fälle seit 2007
Im Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Eisenstadt gab es im Jahr 2016 840 PatientInnen und 4.854 Interventionen, Oberwart verzeichnete 588 PatientInnen und 2.829 Interventionen. Zuweisungen kommen von Fachärzten, niedergelassenen Ärzten, Jugendämtern, PsychotherapeutInnen, Schulen und Beratungseinrichtungen sowie über direkten Kontakt. In Eisenstadt hat sich die Inanspruchnahme der Leistungen seit den Anfangsjahren beinahe verdreifacht, stark gestiegen ist sie auch in Oberwart.

Entwicklungsplan: Vollversorgung als Ziel
„Die Entwicklung der KJPP hat in ihren ersten 10 Lebensjahren einen sehr guten Weg  eingeschlagen, zur Vollversorgung steht aber noch der Schritt ins ‚Erwachsenenleben‘ an“, verweist Dr. Brigitte Hackenberg, Landeskoordinatorin KJPP Burgenland, auf künftigen Bedarf. Die weiteren Schritte seien nun der Ausbau der ambulanten Versorgung, „Tagesklinische Behandlungsplätze“, „Subakute stationäre Versorgung der Jugendlichen älter 15 Jahre“, Verbesserung der Nahtstellen zu Jugendhilfe und (Aus-)bildungssystem sowie Etablierung von „Home-Treatment“.

 

 

 

 

 

 

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