KUZ Mattersburg: Einen Schritt weiter!

Mattersburg, 12. 9. 2017 –

Förderungen für Mehrausgaben durch Teilunterschutzstellung zugesagt

Zu einem Lokalaugenschein empfing Mattersburgs SP-Bezirksvorsitzender, Landtagspräsident Christian Illedits, den Leiter der Sektion „Kunst und Kultur“ im Kulturministerium, Mag. Jürgen Meindl, heute Dienstag vor dem Mattersburger Kulturzentrum. Der Umbau des Gebäudes war infolge einer Teilunterschutzstellung durch das Bundesdenkmalamt verzögert worden, die hierdurch erforderlichen Adaptierungen verursachen Mehrkosten. Mit der heutigen Zusage zur Förderung dieser Kosten seitens des Kulturministeriums sei man einen bedeutenden Schritt weiter, freut sich Illedits. Angaben über die Förderhöhe liegen derzeit noch nicht vor. Die aktuelle Kritik der Volksanwaltschaft an der Teilunterschutzstellung habe keine Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Bauarbeiten. Man habe die Feststellungen der Volksanwaltschaft zur Kenntnis genommen, orientiere sich aber am bindenden Bescheid des Denkmalamtes. Start der Bauarbeiten ist für das Frühjahr 2018 geplant.

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Bezirskparteivrositzender der SPÖ Mattersbur LT-Präs. Chritsian Illedits, Sektionsleiter m Kulturministerium Mag. Jürgen Meindl und der projektveranstwortlche der BELIG Prok. Ing. Antom Grosinger mit den Umbauplänen

38 Betriebsjahre und 46.000 BesucherInnen im Jahresschnitt zählte das Kulturzentrum Mattersburg bis zur Schließung im Jahr 2014. Die Bedeutung des Kulturzentrums gehe damit über jene eines Kulturstandortes hinaus, sagt der SP-Mandatar in Anspielung auf die durch das Bundesdenkmalamt dokumentierte künstlerische, kulturelle und historische Relevanz des Baus. Als das authentisch erhaltene, erste Kulturzentrum Österreichs sei es nicht nur ein architekturgeschichtliches Relikt des Brutalismus, sondern ein Zeugnis österreichischer Kulturpolitik. „Erstmals wurde mit dem Kulturzentrum Mattersburg ein Kulturprogramm in Form eines Baus verwirklicht“, bezieht sich Illedits auf das Erkenntnis der Behörde. Dieses gelangt aktuell ins Fadenkreuz der Volksanwaltschaft, die aufgrund einer Beschwerde der Plattform „Rettet das Kulturzentrum“ nun auf eine Vollunterschutzstellung hinwirkt.

„Die Involvierung der Volksanwaltschaft war kein Geheimnis. Wir nehmen das Ergebnis zur Kenntnis, bindend ist für uns jedoch der rechtskräftige Bescheid des Bundesdenkmalamtes. Die Angelegenheit muss zwischen diesem und der Volksanwaltschaft ausgetragen werden. Wir stehen in Kontakt mit dem zuständigen Ministerium und werden schnellstmöglich eine Stellungnahme erhalten“, so Illedits.

Es liegen alle Bescheide vor um die Bauarbeiten im Frühjahr zu beginnen, aus behördlicher Sicht sind die Weichen gestellt. Um die Bauphase so kostengünstig und kurz wie möglich zu gestalten, werden die geplanten Abbrucharbeiten an den nicht geschützten Gebäudeteilen unmittelbar vor Aufnahme der Neubau-Arbeiten im Frühjahr beginnen. So sollen lange Stehzeiten vermieden werden.

„Das Kulturzentrum Mattersburg steht sinnbildlich für den Aufholprozess und Zukunftsoptimismus des jungen Bundeslandes! Wir müssen den Bestand und Geist dieses Hauses wahren und gleichzeitig in die Zukunft blicken“, sagt Illedits. Es sei gelungen ein Gebäude zu planen, dass die Substanz des Hauses wahrt und perfekt in neue, zeitgemäße und modern ausgestattete Räumlichkeiten integriert.


Kulturzentrum Mattersburg – Volksanwaltschaft übt massive Kritik an der Entscheidung des Bundesdenkmalamtes

Im Frühjahr dieses Jahres startete die Volksanwaltschaft ein Prüfverfahren hinsichtlich der Teilunterschutzstellung des Kulturzentrums Mattersburg durch das Bundesdenkmalamt (BDA). Das nun abgeschlossene Verfahren kommt zu einem vernichtenden Ergebnis. Die Vorgehensweise des Bundesdenkmalamtes, insbesondere der Bezug auf ein unschlüssiges  und unvollständiges Gutachtens, wird als Missstand gebrandmarkt.

Im November 2016 wurden Teile des Kulturzentrum Mattersburg per Bescheid des BDA unter Denkmalschutz gestellt. Bereits kurz nach der Veröffentlichung des Bescheides durch Landesrat Helmut Bieler kritisierte die Plattform diesen aufgrund einer von der Plattform eingeholten Expertise einer Rechtsexpertin, die zum Schluss kam, dass der Bescheid formal rechtswidrig sei.

Prüfverfahren abgeschlossen – Ergebnisse vernichtend

Im Frühjahr dieses Jahres widmete auch die Volksanwaltschaft ihre Aufmerksamkeit dieser Causa und startete ein Prüfverfahren. Gegenstand des Prüfverfahrens war, weshalb das BDA trotz des Umstandes, dass der Amtssachverständige in seinem Befund die „starke Plastizität“ des (Gesamt-) Gebäudes und die „skulpturale Konstruktion des Mattersburger Kulturzentrums“ würdigte, dennoch (nur) eine Teilunterschutzstellung aussprach.

Nach dem Abschluss des Prüfverfahrens liegen nun die Ergebnisse vor und stellen der Teilunterschutzstellung, die auf einem von der Präsidentin des BDA unterzeichneten Bescheides beruht, ein vernichtendes Zeugnis aus. „Die Vorgehensweise des Bundesdenkmalamtes, insbesondere das Heranziehen eines unschlüssigen und unvollständigen Gutachtens, war als Missstand in der Verwaltung iSd Art. 148a Abs. 2 B-VG zu beanstanden“ so die Volksanwaltschaft in Ihrem Schreiben.

Schlüssigkeit und Vollständigkeit nicht zu erkennen

Besonders kritisiert die Volksanwaltschaft das dem Bescheid zugrunde liegende Amtssachverständigengutachten. Obwohl im gesamten Gutachten auf die Bedeutung des (Gesamt-) Baus in kultureller, künstlerischer und geschichtlicher Hinsicht eingegangen wird, wird schließlich – ohne nähere Begründung zum Schluss gekommen, dass lediglich Teilen des Baus Denkmalbedeutung zukomme – warum bleibt aber vollkommen unklar.

Auch der Einfluss von Veränderungen des Kulturzentrums, die Auswirkungen auf das äußere Erscheinungsbild des Gesamtbauwerkes hatten, welche dazu geführt haben sollen, dass lediglich der Außenerscheinung des Nordtraktes – nicht hingegen des Südtraktes – Denkmalbedeutung zukomme, geht aus dem Gutachten in keinster Weise hervor.

„Das Bundesdenkmalamt hätte als entscheidende Behörde näher begründen müssen, weshalb es einerseits feststellte, „der Verlust des gegenständlichen Objektes wäre eine Beeinträchtigung des österreichischen Kulturgutbestandes“, und das gegenständliche Kulturzentrum sei „insgesamt“ als „ein geschichtlich, künstlerisch und kulturell bedeutendes Denkmal mit Dokumentationsfunktion“ anzusehen, gleichzeitig jedoch lediglich drei Außenmauern des Nordtraktes unter Denkmalschutz stellte, den Rest des Gebäudes, hingegen letztlich nicht als schützenswert erachtete“ so die Volksanwaltschaft in ihrem Schreiben.

Beschränkter Denkmalschutz nach Wunsch?

Für die Plattform stellt sich natürlich nunmehr die Frage, wie ein derartiger Bescheid überhaupt ausgestellt werden konnte. Es wird leider immer deutlicher und offensichtlicher, dass bei diesem Verfahren architektonische und denkmalpflegerische Fachkenntnisse kaum eine Rolle spielten. „Es scheint, dass hier einzig den über politische Kanäle transportierten Wünschen des Eigentümers nach möglichst wenig Unterschutzstellungsumfang durch das BDA nachgekommen wurde. Auch die Tatsache, dass „nur“ jene Teile des bestehenden Gebäudes unter Schutz gestellt wurden, die das eigentliche Neubauprojekt nicht tangieren, unterstreichen diese Vermutung.“ so der Sprecher der Plattform Johann Gallis.

Abbruchvorbereitungen sofort stoppen

Das gesamte Verfahren stützt sich zwar auf einen Bescheid des BDA, über dessen Legitimität und Aussagekraft jedoch infolge der Feststellungen der Volksanwaltschaft massive Zweifel bestehen. Die Volksanwaltschaft diagnostiziert hier einen „Missstand“. Daher appelliert die Plattform nun an die Verantwortlichen, in letzter Sekunde die Notbremse zu ziehen, die Vorbereitungen zum Abriss sofort zu stoppen und eine denkmalpflegerisch adäquate Lösung anzustreben. An Experten- und Fachknowhow sollte es nicht mangeln. Das Kulturzentrum Mattersburg ist mittlerweile in der Fachwelt international bekannt und die Causa wird von zahlreichen Experten im In- und Ausland intensiv beobachtet.

 

 

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