Klimaszenarien für das 21. Jahrhundert im Burgenland

Eisenstadt, 7. 6. 2017 –

Studie „ÖKS 15“ untersucht konkrete Auswirkungen des Klimawandels auf das Burgenland

Eine von Umweltschutzlandesrätin Mag.a Astrid Eisenkopf mit in Auftrag gegebene Studie geht den konkreten Auswirkungen des globalen Klimawandels auf das Burgenland auf den Grund. Fazit: Die Veränderungen sind nicht mehr zu stoppen. Für das Burgenland bedeutet dies bis 2050 einen weiteren Temperaturanstieg bis zu 1,5 Grad Celsius, bis Ende des 21. Jahrhunderts gar um bis zu 3,8 Grad, mehr Hitze-, weniger Frosttage, mehr und stärkere Niederschläge und schließlich eine Zunahme der Trockenperioden. Wie stark die Auswirkungen sein werden, lässt sich indes durch wirksame Schutzmaßnahmen beeinflussen. Das Burgenland, seit Jahren europaweit Vorreiter punkto Energiepolitik, setzt dabei auf eine Mehrfach-Klima- und Energiestrategie.

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Umweltschutzlandesrätin Mag.a Astrid und Ing. Franz Bauer, Umwelt- und Klimaschutzexperte beim Amt der Burgenländischen Landesregierung

„Angesichts der Tatsache, dass Amerika aus dem Klimavertrag von Paris aussteigen möchte, ist das Thema Klimawandel aktueller denn je. Für viele ist der Klimawandel aber nicht greifbar, weil wir von den unmittelbaren Folgen noch nicht massiv betroffen sind oder sie nicht wahrhaben wollen“, sagte Eisenkopf bei der Präsentation der Ergebnisse. „Tatsache ist auch, dass wir das Ausmaß dieser Veränderungen durch Klimaschutzmaßnahmen wesentlich beeinflussen können. Damit entscheiden wir letztendlich über die Lebensqualität der nächsten Generation“.  

Zwei Szenarien: weitermachen wie bisher oder Klimaschutz forcieren
Zur Erhebung der konkret für das Burgenland zu erwartenden klimawandelinduzierten Veränderungen hat Eisenkopf im Vorjahr gemeinsam mit dem Bund und den Bundesländern das Projekt „ÖKS 15“ in Auftrag gegeben. Mithilfe modernster Klimamodelle und auf Basis neuester Erkenntnisse der Klimaforschung wurden darin Klimaszenarien für das Burgenland erstellt und ausgewertet. Zwei Szenarien wurden für die Berechnung der Entwicklung von Niederschlag, Temperatur und weiteren Klimaindizes bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zugrunde gelegt: Ein „Business as usual“-Modell („RCP 8.5“), das von der weiteren Verbrennung fossiler Energieträger ohne jegliche Klimaschutzmaßnahmen ausgeht, und ein Schutzszenario („RCP 4.5“)mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen.

Ohne Schutzmaßnahmen 3,8 Grad Temperaturanstieg bis zum Ende des 21. Jh.s
Die nun vorliegenden Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Die mittlere Lufttemperatur (30-jähriges Mittel 1971 bis 2000 10 Grad Celsius) wird ohne Gegenmaßnahmen bis Ende des 21. Jahrhunderts im Burgenland um 3,8, bis 2050 um 1,5 Grad ansteigen. Im Schutzszenario beträgt der Anstieg bis zum Jahr 2100 2,2, bis 2050 1,3 Grad, im Winter und Sommer gleichermaßen. In jedem Fall sind Auswirkungen auf Heiz- und Kühlbedarf, Land- und Forstwirtschaft, Fauna und Flora und kleinräumige Unwetterschäden die Folge.  

Bis zu einem Drittel mehr Niederschläge im Winter
Auch bei den mittleren Niederschlagsmengen ist in beiden Szenarien mit einem leichten Anstieg zu rechnen. Die Niederschläge im Sommer werden sich bis Ende des 21. Jhdt. um 2,2 % reduzieren, während „Business as usual“-Szenario im Winter mit einer Zunahme von 33,2 % gerechnet werden kann; im Schutzszenario werden sich bis Ende des 21. Jhdt. im Winter 15,4 %, im Sommer 4,3 Prozent mehr Niederschlag ergeben.

Mehr Hitze-, weniger Frosttage
Den BurgenländerInnen stehen noch mehr Hitze- und Sommertage (mehr als 30 bzw. 25 Grad) bevor – bis 2050 sollen es in beiden Szenarien 4 bzw. 10 Tage sein, wobei die Änderungen unterhalb 1.000 m besonders deutlich ausfallen. Sind es im derzeitigen 30-jährigen Mittel 10,1 Hitzetage, wird es bis zum Jahr 2100 mit Klimaschutzmaßnahmen bis zu 15 Hitzetage, ohne Klimaschutzmaßnahmen bis zu 32,3 Hitzetage mehr geben.
Gleichzeitig ist mit einer Abnahme von Frosttagen – unter null Grad Celsius, im 30-jährigen Mittel aktuell 91,3 Frosttage – zu rechnen. Bis 2050 könnten es ohne Klimaschutzmaßnahmen um 20,5 bzw. mit Klimaschutzmaßnahmen um 16 Frosttage weniger sein, bis 2100 sogar bis zu 51,5 weniger Tage unter null Grad.

Mehr Trockenperioden
Die Anzahl an Trockenperioden, d.h. eine zumindest fünf Tage andauernde durchgängige Periode mit einer Tagesniederschlagssumme unter 1 mm (30-jähriges Mittel: 182,5 Tage), wird sich bis 2100 um 5,6 Tage erhöhen. Trockenstress von Pflanzen, Niederwasserstände im Sommer, Wald- und Flurbrandgefahr und Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung sind die Folge.

Mit Energie-Mix und voller Kraft für den Klimaschutz
Um den europaweit anerkannten Weg des Burgenlandes im Bereich der erneuerbaren Energie als Schlüssel zu nachhaltigem Klimaschutz fortzuführen, setzt Eisenkopf auf einen Energie-Mix. „Die vollständige Unabhängigkeit von fossiler und nuklearer Energie ist ein langer Prozess, der nur schrittweise erreicht werden kann. Wir streben einen Mix aus Energieeffizienzmaßnahmen und der Produktion von Erneuerbarer Energie an. Das nächste ganz große Ziel lautet, dass wir bis zum Jahr 2050 den gesamten Energieverbrauch aus Erneuerbarer Energie abdecken können“.  Die Umweltschutzlandesrätin nennt als wichtige Schwerpunkte auf dem Weg dorthin die Speicherung von Erneuerbarer Energie und die Förderung von Alternativenergieanlagen.

Dialogveranstaltungen in den Gemeinden als Hilfestellung
Daneben sei auch die Bewusstseinsbildung ein wesentlicher Faktor. Dialogveranstaltungen in den Gemeinden, vom Land in Zusammenarbeit mit dem Klima- und Energiefonds, dem Ministerium für ein lebenswertes Österreich  und dem Umweltbundesamt organisiert, sollen  die Gemeinden dabei Hilfestellungen bieten und zum Erfahrungsaustausch anregen.

„Clima map“
Ein Nachfolgeprojekt zu „ÖKS 15“ ist bereits auf Schiene: Die „Clima map“ soll Gemeinden und Regionen für das Thema sensibilisieren und sie bei der Vorbereitung auf die Folgen des Klimawandels unterstützen. In einem gemeinsam mit  VertreterInnen ausgewählter österreichischer Gemeinden entwickelten Kartenmaterial werden mögliche Auswirkungen von Klimaveränderungen auf geografische und soziale Aspekte in Regionen dargestellt.

 

Details zur Studie hier öffnen

 

 

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