Erstes burgenländisches Primärversorgungszentrum entsteht in Hornstein

Hornstein, 11. 5. 2017 –

Innovatives, multiprofessionelles medizinisches Angebot in Hornstein

Attraktivere Arbeitsbedingungen für ÄrztInnen, kurze Wege und flexible Öffnungszeiten für PatientInnen – das soll in Hornstein schon bald Realität werden. Geplant ist die Errichtung eines Gesundheits- und Pflegekompetenzzentrum, das verschiedenste medizinische Angebote umfasst: Das Primärversorgungszentrum (Primary Health Care Unit, PHC,) wird in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde Hornstein, dem Arbeiter Samariterbund und der OSG verwirklicht. „Durch Primärversorgungszentren können die medizinische Versorgung der ländlichen Bevölkerung bestmöglich abgesichert, Ressourcen gebündelt und Synergieeffekte optimal genützt werden“, betont Gesundheitslandesrat Darabos, der gemeinsam mit Hornsteins Bürgermeisterin Judith Pratl und OSG-Geschäftsführer Dr. Alfred Kollar Details des Projektes heute, Donnerstag, in Hornstein präsentierte.

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OSG-Geschäftsführer Dr. Alfred Kollar, Gesundheitslandesrat Mag. Norbert Darabos, Bürgermeisterin Judith Pratl, Peter Schmitl, Konsulent, Apotheker Mag.pharm Johann Trimmal und Bernhard Breser, Planung

Gebündelt an einem Ort werden die Bürger von Hornstein und Umgebung nach Umsetzung des Projektes verschiedenste medizinische Angebote nutzen können und dies zu deutlich erweiterten Öffnungszeiten, die besonders für berufstätige Menschen eine Erleichterung bedeuten. „Ein weiterer wesentlicher Punkt im neuen Konzept für die Gesundheitsversorgung ist der Bau von – vorläufig – zehn betreuten Seniorenwohnungen“, so OSG-Geschäftsführer Alfred Kollar. Das neue Zentrum wird sich durch ein multiprofessionelles Leistungsangebot auszeichnen, es umfasst Angebote von der medizinischen Grundversorgung über pflegerische Leistungen bis zur Gesundheitsförderung und Prävention. Geplant ist außerdem die Unterbringung der bereits im Ort angesiedelten Apotheke.
 
Das österreichische Gesundheitssystem wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wesentlich verändern und steht vor dementsprechenden Herausforderungen: Die Menschen werden älter, die sozialen Verbände haben sich verändert, die medizinische Versorgung besonders in ländlichen Gegenden unterliegt anderen Prioritäten. Hier setzt der Kerngedanke der Primärversorgungszentren an: Regionale Einheiten und Netzwerke sollen eine bedarfsgenau abgestimmte medizinische Betreuung ermöglichen.

Generell gehe es darum, neue Einrichtungen zu etablieren, in denen praktische ÄrztInnen und MedizinerInnen verschiedener Fachrichtungen mit PhysiotherapeutInnen, PflegerInnen und ErnährungsberaterInnen zusammenarbeiten. Das soll die Versorgung für die Patientinnen und Patienten einfacher und praktikabler machen. „Das heißt: kurze Wege, Öffnungszeiten auch am Wochenende oder abends. Die Stellen für Ärztinnen und Ärzte und für alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, werden deutlich attraktiver, weil sie im Team arbeiten, sich austauschen und auch einfacher auf Urlaub gehen können, anstatt 24 Stunden täglich erreichbar zu sein. Dies gilt gerade für den ländlichen Raum“, so Darabos, der betont, dass gleichzeitig die Spitalsambulanzen entlastet werden. An der Umsetzung dieser Verbesserungen, von denen alle Seiten profitieren, arbeite man. Ein Bundesgesetz, das dafür die rechtliche Basis schaffen soll, ist derzeit in Begutachtung. Um die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum nachhaltig abzusichern, sei es wesentlich, den Beruf des Landarztes attraktiver zu machen, so Kollar. Wobei sich das geplante Primärversorgungszentrum in seiner Organisationsstruktur wesentlich von bereits bestehenden Ärztezentren, wie zum Beispiel dem in Eisenstadt, unterscheidet. „Im Primärversorgungszentrum sind die Ärzte Angestellte einer Gesellschaft in einer gemeinsamen Ordination“, erläutert Kollar. Der Vorteil liegt auf der Hand: geht ein Arzt in Pension, kann ein neuer Arzt an diesem Standort dessen Platz einnehmen und die Versorgung ist weiter gesichert. „Viele Landärzte haben die Ordination in ihrem Privathaus untergebracht. Deshalb können die Ordinationen kaum von anderen Ärzten übernommen werden. Primärversorgungszentren können zur Lösung dieses Problems beitragen“, erläutert der OSG-Geschäftsführer. Das Projekt in Hornstein sei ein im Burgenland erstmaliges, sinnvolles in die Zukunft gerichtetes Projekt, für das es nun Überzeugungsarbeit zu leisten gelte. Rund ein Jahr will man sich für Gespräche mit Ärzten und im Gesundheitsbereich Tätigen Zeit nehmen, dann soll es in die Planung und Umsetzung gehen.

Diesen Weg will man in Hornstein gehen, um zeitgerecht die Versorgung der Bevölkerung langfristig abzusichern. „In einem ersten Schritt ist die Errichtung des Primärversorgungszentrums geplant. In einem zweiten Schritt sollen weitere Angebote, wie mobile Pflege, dazu kommen“, sagt Bürgermeisterin Judith Pratl. Die Fertigstellung des 1. Bauabschnitts sei mit 2020 realistisch, so Kollar.

 

 

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