Mit der Lehre zum FH-Studium

Eisenstadt, 28. 4. 2017 –

Umfrage bestätigt großes Interesse unter Berufsschülern

SPÖ-Klub, LSR und FH wollen Weg zum Studium für Lehrlinge erleichtern

Viele Wege führen zum Studium: einer davon – noch relativ wenig bekannt – auch direkt von der Lehre. Junge engagierte Menschen mit Lehrabschluss können an der FH Burgenland studieren, wenn sie die erforderlichen Zusatzqualifikationsprüfungen absolvieren. SPÖ-Klub und Vertreter burgenländischer Bildungsinstitutionen starten nun eine gemeinsame Initiative, um die Perspektive „Mit der Lehre zum FH-Studium“ ins Licht der Aufmerksamkeit zu rücken. „Gemeinsames Ziel ist, die Lehre weiter aufzuwerten, indem der Zugang zum fachspezifischen Studium besser bekannt gemacht und – in einer nächsten Etappe – erleichtert wird“, betonte Klubobmann Robert Hergovich beim „Kick off“ mit Landesschulratspräsident Mag. Heinz Josef Zitz, FH Burgenland-Geschäftsführer Mag. Georg Pehm und dem FH-Statistikexperten Mag. Christian Pfeiffer. In einem ersten Schritt wurde im Rahmen einer Umfrage unter burgenländischen BerufschülerInnen erhoben, wie hoch das Interesse an einem fachspezifischen Studium ist. Bemerkenswertes Ergebnis: Mehr als ein Drittel der teilnehmenden Lehrlinge können sich vorstellen, später ein FH-Studium zu absolvieren.

spö

Klubobmann Hergovich, LSR-Präsident Zitz und FH-Geschäftsführer Pehm mit zwei Mechatronik-Lehrlingen der Lehrwerkstätte Mattersburg, die an einem späteren FH-Studium interessiert sind

Das Burgenland habe bereits mit der Umsetzung von „Lehre mit Matura“ einen wichtigen Schritt zur Durchlässigkeit der Lehre gesetzt. „Grundgedanke war, die Lehre aufzuwerten und dem Facharbeiter-Beruf ein neues Image zu geben. Damit waren wir Vorreiter in Österreich“, so Klubobmann Hergovich. Bei der neuen Initiative „Mit der Lehre zum FH-Studium“ gehe es ebenfalls darum, die Lehre durchlässiger zu machen und ihr das Image einer „Ausbildungs-Sackgasse“ zu nehmen: „Ich kenne etliche Lehrlinge, die in ihrem Fachgebiet großes Know-How erworben haben. Sie sind in ihrem Beruf hochkarätige Experten mit hoher Leistungsbereitschaft. Und sie trauen sich am Ende ihrer Lehrausbildung zu, in ihrem Fachbereich sogar ein Hochschul-Studium anzugehen“, betonte Hergovich.

Der SPÖ-Klub, der Landesschulrat, die FH Burgenland werden gemeinsam ein Konzept erarbeiten, wie man diese jungen Menschen auf dem Weg zum FH-Studium noch besser unterstützen kann: „Da gibt es bereits interessante Ideen – z.B. die Implementierung eines Freifaches in den letzten beiden Berufsschuljahren, um interessierte Lehrlinge auf die Zusatzprüfungen gezielt vorzubereiten. Das Ziel ist jedenfalls klar: Wir wollen die Lehre weiter aufwerten, indem wir die Zugänge zu weiterführenden Bildungskarrieren – speziell zum FH-Studium – verbreitern“, kündigte Hergovich an.

>> FH Burgenland macht Lehrlinge fit für die Fachhochschule

„Es ist uns ein großes Anliegen, Menschen ohne herkömmliche Studienberechtigung die Möglichkeit zu bieten, sich akademisch höher zu qualifizieren“, erklärte Georg Pehm, Geschäftsführer der Fachhochschule Burgenland. Seit vielen Jahren bietet die Hochschule deshalb am Studienzentrum Pinkafeld im Zentrum für Vorbereitungslehrgänge denjenigen Bewerbern, die keine Matura, aber eine facheinschlägige Ausbildung vorweisen können, die Möglichkeit, sich in Lehrgängen auf Zusatzqualifikationsprüfungen vorbereiten zu können. „Lernwillige können sich mit diesem kostenlosen Kurs schnell und zielgerichtet vorbereiten und die erforderlichen Prüfungen ablegen.“ Eine Anmeldung für den nächsten Kurs ist bis 31. August möglich, Start ist Mitte September.

„Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt uns, dass 90% derjenigen, die den Vorbereitungslehrgang bei uns absolviert haben, auch bei uns weiter in einem Bachelorstudiengang studieren. Und das meist sehr erfolgreich“, so Pehm. Außerdem sei die Anzahl an Besuchern des Lehrgangs in den letzten Jahren deutlich gestiegen. „Die Zahl der Studierenden des Vorbereitungslehrgangs hat sich in den letzten vier Jahren beinahe verdoppelt. Das freut uns natürlich, denn es handelt sich dabei um zukünftige Studierende, die wir schon im Kurs an unsere Hochschule binden können.“ Der Zielgruppe der Nicht-Maturanten werde im Fachhochschulsektor großes Potenzial zugeschrieben.

>> Zitz: Zugang zum FH-Studium für Lehrlinge erleichtern!

Landesschulratspräsident Mag. Heinz Josef Zitz sieht den Zugang zum Studium ohne abgeschlossene Matura als Chance, sich im zweiten Bildungsweg für die persönliche und fachliche Weiterentwicklung zu entscheiden: „Wir benötigen hervorragend qualifizierte Menschen im Burgenland, um gerüstet für die Zukunft sein und die Wertschöpfung in unserer Region zu erhalten. Wenn sich ein junger Mensch zur Absolvierung einer Lehre entschließt, dann signalisiert er damit, dass er bereit für die komplexe Arbeitswelt ist. Im Studium wird vor allem theoretisches Wissen vermittelt. Es können alle Beteiligten nur davon profitieren, wenn ein junger Mensch aus der Praxis sein Know-How mit anderen Studentinnen und Studenten und den Lehrkräften teilt.“

Um das enorme Potenzial der jungen Burgenländerinnen und Burgenländer zu nutzen, müsse der Zugang zum FH-Studium für Lehrlinge noch attraktiver und einfacher gestaltet werden, so Zitz: „Wir befinden uns dazu mit den Bildungsorganisationen und der Politik bereits in einer Konzeptionsphase – ich bin guter Dinge, dass wir rasch zu gemeinsamen Ergebnissen kommen. Wir werden im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten alles tun, um das FH-Studium mit Lehrabschluss noch leichter zugänglich zu machen. “

>> Umfrage: 37 Prozent der befragten Lehrlinge interessiert

Das Interesse an einem FH-Studium unter burgenländischen Lehrlingen ist jedenfalls hoch. Die Forschung Burgenland führte im Jänner und Februar 2017 eine Befragung zum grundsätzlichen Interesse von Lehrlingen in burgenländischen Berufsschulen (Mattersburg, Oberwart, Eisenstadt und Pinkafeld) zum Thema Vorbereitungslehrgang und Studium durch. „Die Ergebnisse haben uns durchaus positiv überrascht“, sagte der FH-Statistiker Christian Pfeiffer.

„Wir haben zwei Dinge abgefragt: Wie stehen Lehrlinge der Abschlussjahrgänge, also dritte oder vierte Klasse Berufsschule, allgemein zum Thema Hochschulbildung – und wären sie am Besuch eines Vorbereitungslehrgangs interessiert, um selbst einmal studieren zu können?“ Nicht nur die hohe Rücklaufquote von 48% der befragen Schüler war für den Forscher überraschend, sondern auch das hohe Interesse daran, den Vorbereitungslehrgang zu absolvieren. „37% der Teilnehmer können sich sehr gut bzw. gut vorstellen, diesen Lehrgang zu besuchen, um später auch zu studieren. Wir sprechen hier von umgerechnet 200 potenziellen neuen Studierenden für die FH Burgenland“, zeigte sich FH-Geschäftsführer Pehm erfreut.

Besonderes Interesse bestehe an den technischen Studienangeboten der FH Burgenland. So seien 40% der besonders lernwilligen Lehrlinge am Bachelorstudiengang Gebäudetechnik und Gebäudeautomation interessiert, 32% am Bachelorstudiengang Energie- und Umweltmanagement und 23% am Bachelorstudiengang IT-Infrastruktur Management. „Die Botschaft, dass gut qualifizierte Techniker höchst gefragt sind, scheint sich in dieser Zielgruppe offensichtlich herumgesprochen zu haben“, so Pfeiffer.

 

 

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