Sicherheit bei Waldarbeiten

Oberwart, 27. 3. 2017 –

Die Waldarbeit – eine der gefährlichsten Tätigkeiten im land- und forstwirtschaftlichen Bereich

Sicherheit und Unfallprävention als wichtigste Säulen

Der verantwortungsvolle Umgang mit dem eigenen Waldbesitz fordert von den Forstbewirtschaftern egal ob im professionellen oder Hobbybereich die Einhaltung umfassender Sicherheitsvorkehrungen. Gemeinsam mit Forstdirektor wHR DI Hubert Iby und Forstexperte DI Andreas Kummer (SVB) wurde anhand eines Praxisbeispiels erläutert, wie das richtige und sichere Fällen eines Baumes vor sich zu gehen hat. Des Weiteren wurde über alles Wissenswerte rund um die Forstwirtschaft im Burgenland informiert.

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Landesrätin Verena Dunst, DI Andreas Kummer (SVB), Forstdirektor wHR DI Hubert Iby

„Die burgenländische Waldfläche von mehr als 120.000 ha verteilt sich auf rund 26.000 Waldeigentümer. Viele von ihnen sind nur gelegentlich mit Waldarbeiten beschäftigt, es fehlt oft an Know How und auch an entsprechender Arbeitskleidung und maschineller Ausstattung“, so Forstlandesrätin Verena Dunst einleitend.

Waldarbeit – eine der gefährlichsten Tätigkeiten

Die Waldarbeit gehört zu den gefährlichsten Tätigkeiten im Land- und Forstwirtschaftlichen Bereich. Die Unfälle sind schwer und verursachen oft lange Ausfallzeiten. 60% der Unfälle passieren während der Holzernte. „Dabei sind die häufigsten Auslöser Stämme, Stammteile und Äste, aber auch Stolpern oder Stürzen ist ein häufiger Unfallgrund“, meinte LRin Verena Dunst. Der richtige Umgang mit der Motorsäge sollte unbedingt in einem Kurs erlernt werden. Besonders wichtig ist gute Schutzausrüstung: Helm mit Augen- und Gehörschutz, Handschuhe, Schnittschutzhose, Schnittschutzstiefel und eine Forstjacke in Signalfarben“, meint der Fachexperte der SVB DI Andreas Kummer.

Unfallstatistik Österreich

Der Höchststand der Forstunfälle (Forstarbeiter und Bauern) war 1990 mit 5.580 Unfällen (43 davon tödlich). Mitverantwortlich war die Sturmkatastrophe „Wiebke“ mit mehr als 100 Mio fm Schadholz in Mitteleuropa. Seit den 1990er Jahren gehen die Forstunfälle kontinuierlich zurück und haben sich mittlerweile zwischen 1.500 und 1.800 Unfällen/Jahr eingependelt. Zum Vergleich:

Im Jahr 1977 gab es noch 5.167 Unfälle mit 42 tödlich Verunglückten. Diese Zahl sank im Jahr 2015 auf 1.563 Unfälle mit 28 Todesfällen.

Burgenland-Statistik ab dem Jahr 2000

Der Höchststand der Forstunfälle (nur SVB-Versicherte) war von 2000 bis 2004 mit bis zu 40 Unfällen und 4 tödlich Verunglückten pro Jahr (Sturmkatastrophe „Uschi“ 2002). Mittlerweile haben sich die Forstunfälle auf 12-20 Unfälle mit 1-2 tödlich Verunglückten pro Jahr eingependelt. Besonders erfreulich – es gab keine tödlichen Unfälle (SVB-Versicherte) in den Jahren 2008, 2011,2014, 2015 und 2016. Von der Altersstruktur her gibt es einen markanten Anstieg der Unfalltoten ab 45-54 Jahren und ab 65 Jahren.

Motorsägenkurse

In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer bietet die SVB im Burgenland Motorsägenkurse (max. 32 Teilnehmer) und Forstpraxistage (max. 16 Teilnehmer) an. „Die Nachfrage ist so groß, dass die Kurse für 2017 bereits ausgebucht sind. Jährlich werden bis zu 15 Kurse in den Urbarialgemeinden und in Privatwäldern der Versicherten veranstaltet. Jeder Kursteilnehmer hat die Möglichkeit mehrere Bäume unter Anleitung fachgerecht zu schlägern, aufzuarbeiten und mit einer Forstseilwinde aus dem Bestand zu ziehen. Hauptaugenmerk wird auf die Baumbeurteilung und die damit verbundenen Schnitt-Techniken gelegt“, so Kummer.

Waldzustandsbericht – Borkenkäferschäden und weitere Themen

Seit Mitte der 1990er Jahre – ausgelöst durch mehrere Windwurf- und Schneebruchereignisse – hat sich im Südlichen Burgenland eine schwere Borkenkäferkalamität entwickelt. „Der Schadholzanfall verläuft seither in einem Zyklus von etwa 10 Jahren, mit den Spitzenjahren 1994, 2005 und 2015. Betroffen sind hauptsächlich Waldgebiete in den Bezirken Oberwart und Güssing, in denen die Fichte nicht standortsangepasst ist und die von Natur aus mit Eichenwäldern bestockt wären. Die Fichte ist hier aufgrund geringer Niederschläge an ihrer Verbreitungsgrenze, dadurch leidet ihre Vitalität und sie ist anfällig gegenüber Käferbefall“, gibt Forstdirektor wHR DI Hubert Iby zu Bedenken. Während der letzten drei Jahre kam es aufgrund mangelnder Niederschläge wiederum zu einem Ansteigen der Borkenkäferpopulationen in den burgenländischen Fichtengebieten. Dies ist in vielen Fällen mit hohen Wertverlusten für die Waldbesitzer verbunden. Im Jahr 2016 wurden daher seitens der Burgenländischen Landesregierung Konzepte entwickelt, um diese Entwicklung zu stoppen oder abzubremsen. “ Mit der Aufnahme von zwei Förstern im Referat Landesforstinpektion mit Sitz in Oberwart, die speziell für die Forstaufsicht verantwortlich sind, haben wir einen wichtigen Schritt in der Borkenkäferbekämpfung gesetzt“, so LRin Verena Dunst.

Forstförderung

Mithilfe von Fördermitteln aus dem Programm zur ländlichen Entwicklung wurden drei große Förderprojekte initiiert. Projektträger sind der Bgld. Waldverband, die Forstverwaltung der Waldwirtschaftsgemeinschaften und der Verein Uferholz. Projektziele waren die Beratung der betroffenen Waldeigentümer, die Organisation von Bekämpfungsmaßnahmen sowie die aktive Unterstützung bei der Schadholzaufarbeitung und –vermarktung. Diese Projekte wurden erfolgreich umgesetzt. Folgende Aktivitäten wurden gesetzt:

o Vorlage von ca. 500 Fangbäumen bei verschiedenen Waldeigentümern
o Aufstellen von 302 Stück Käferfallen, überwiegend Trinet (insektizidbehandelte Netzfalle)
o Mehr als 1000 Beratungsgespräche mit Kleinwaldbesitzern bezügl. Bekämpfungserfordernis
o Käferholzentnahme und Vermarktung von mehr als 46.000 fm Schadholz

Damit konnte der Hauptanteil des Schadholzes in den Kleinwaldgebieten im Rahmen der Projekte erfasst und vermarktet werden.
Für diese Projekte wurden in Summe Fördermittel von EUR 129.000 bewilligt und großteils ausbezahlt. Im Jahr 2017 sollen diese Projekte fortgesetzt werden. Es stünden EUR 150.000 an Fördermitteln aus dem Programm der Ländlichen Entwicklung zur Verfügung – so Dunst.

„Ab in den Wald“

Aufgrund des hohen Käferdruckes ist zu befürchten, dass sich die Situation in den nächsten Jahren nur langsam verbessern wird.
Die Waldbesitzer werden aufgefordert, in den nächsten Wochen ihre Wälder zu begehen und befallene Stämme möglichst rasch aus dem Wald zu entfernen. „Ich fordere hiermit nachdrücklich alle Waldbesitzer auf, in ihren Wäldern nach dem Rechten zu sehen. Ist der Waldbesitz auch noch so klein, die Verantwortung dafür, was in diesem Waldstück passiert, trägt immer und ausschließlich der Eigentümer“, mahnt Forstlandesrätin Verena Dunst zu einem verantwortungsvollen Umgang mit dem Eigenwald.

Hagel- und Frostschäden

So wie landwirtschaftliche Kulturen wurden auch einige Waldgebiete im Sommer 2016 durch Hagel schwer geschädigt. Das größte Schadensgebiet betrifft die Gemeinden Großpetersdorf/Welgersdorf. Es wurden vor allem Kiefernbestände schwer geschädigt, ein großer Teil davon wird voraussichtlich geschlägert werden müssen. Lokal wurden Aufforstungen aus dem Frühjahr durch Frost geschädigt, wobei die Laubholzpflanzen in der Regel großes Regenerationsvermögen zeigen. Die Schäden waren daher weniger gravierend.

Eschensterben

Seit rund 10 Jahren ist Österreich und auch das Burgenland vom Eschentriebsterben betroffen. Diese Infektionskrankheit wird von einem aus Asien eingeschleppten Pilz verursacht. Die Symptome sind Absterben von Zweigen und Ästen, letztlich des ganzen Baumes. „Im Wald gibt es derzeit leider keine wirksame Bekämpfungsmaßnahme, daher wird von der Neuaufforstung von Eschen abgeraten“, so LRin Dunst. Im Zuge der Waldpflege sollte der Wechsel zu anderen Baumarten angestrebt werden. Im Burgenland ist die Esche im gesamten Land weit verbreitet. Laut Waldinventur beträgt der Vorrat mehr als 500.000 fm Eschen, das sind ca. 2% des Holzvorrats. Im Sommer 2015 hat die Universität für Bodenkultur ein vierjähriges Projekt gestartet, um resistente Eschen in ganz Österreich aufzuspüren. Das Ziel ist die Anlage von Samenplantagen mit gegen diese Krankheit resistenten Individuen, um in Zukunft wiederum gesundes Eschensaatgut bereitstellen zu können. Das Land Burgenland habe sich auch finanziell an diesem Eschenerhaltungsprojekt beteiligt – so Dunst.

Förderung 2017

Im Rahmen des ELER Förderprogramms stehen für das Jahr 2017 EUR 1,9 Mio für die Förderung forstlicher Maßnahmen zur Verfügung.

Schwerpunkte sind

• Aufforstungen
o Bestandespflege
o Waldschutzmaßnahmen
o Erhaltung wertvoller Waldflächen
o Investitionen in Forsttechniken und Vermarktung

 

 

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