Weihnachten und das Frauenhaus Burgenland

Es weihnachtet.

Ein paar Tage vor dem Heiligen Abend kehrt die Weihnachtszeit mit Frost und Schnee
schließlich auch bei uns im Burgenland ein. Lichter funkeln, Punschstände laden zum
Aufwärmen ein und der Duft von Weihnachtsbäckerei liegt in der Luft. Jetzt noch schnell die
letzten Geschenke einpacken, den Christbaum aufputzen und schon kann Weihnachten
kommen! Man freut sich auf Geschenke und gutes Essen; und hofft auf ein paar friedliche
Stunden im Kreis seiner Familie!

Die Weihnachtszeit verkündet demnach nicht nur den Heiland, Friede, Freude und Liebe,
sondern allem voran eine nicht enden wollende To-do-list und Stress, Stress, Stress. Diesem
Stress, sowie all den Erwartungen an ein friedliches, wunderschönes, gelungenes
Weihnachtsfest – ohne Zank und Streit, ohne gegenseitige Vorwürfe und Schuldzuweisungen –
ist es geschuldet, dass sich das Konfliktpotential in Beziehungen zusätzlich erhöht. Erwartungen
werden enttäuscht und die Weihnachtszeit wird für viele Familien zu einer der
krisenbehaftetsten Zeit des Jahres. Langwährende, unterschwellige Sticheleien und
Streitigkeiten eskalieren, verletzende Worte fallen, Männerhände werden zum Schlag erhoben,
Kinder weinen und dahin ist der Traum vom idyllischen Weihnachtsfest im Kreise der Familie.
Dies sind übliche Szenen wie sie sich in einer Gewaltbeziehung um den Christbaum ereignen.
Nicht selten stehen Frauen daher mitten in der Weihnachtszeit hilfesuchend vor den Türen des
Frauenhauses Burgenland, wo sie um Schutz und Unterkunft für sich und ihre Kinder bitten.
Dank einer 24 Stunden Rufbereitschaft ist eine Aufnahme im Frauenhaus auch rund um die Uhr
an 7 Tagen der Woche möglich. 2015 beherbergte und versorgte das Frauenhaus Burgenland
insgesamt 34 Frauen mit ihren 39 Kindern, welche von häuslicher Gewalt betroffen waren oder
noch immer sind.

Und genau hierin wird die Kehrseite der Weihnachtszeit und ihrer Appelle an Frieden, Liebe
und Familie benannt. So entschließen sich viele Frauen gerade in der Weihnachtszeit zum
Gewalttäter zurückzugehen – manchmal aus Angst es nicht alleine zu schaffen, manchmal der
Kinder zu liebe, manchmal aber auch, um dem misshandelnden Partner die hundertste Chance
auf Wiedergutmachung zu geben.

Das Frauenhaus Burgenland verweist diesbezüglich auf die Istanbul Konvention, wonach
miterlebte Gewalt innerhalb der Familie eine der häufigsten Ursachen für Traumatisierungen
im Kindes- und Jugendalter ist. In diesem Sinne sind Kinder immer mitbetroffen, selbst wenn
sich die direkte Gewalt ausschließlich gegen die Mutter wendet. Das Frauenhaus Burgenland
spricht sich diesbezüglich klar aus: Ein Gewalttäter, der weder Einsicht noch
Veränderungsmotivation zeigt, wird immer ein Gewalttäter bleiben. Honey-Moon-Phasen und
Liebesversprechungen sind wichtige Täterstrategien, um sein Opfer abhängig und gefügig zu
halten, aber nie mit echter Liebe und Zuneigung zu verwechseln. Dennoch möchten viele der
Frauen, welche im Frauenhaus Burgenland Unterschlupf suchen, diesen Versprechungen
Glauben schenken und kehren zum Täter zurück – nur um nach kurzer Zeit festzustellen, dass
doch alles beim Alten geblieben ist. Dem Frauenhaus Burgenland ist es daher ein ganz
besonderes Anliegen, diese „Rückfälle“ als „mögliche und normale“ Bestandteile eines
Ablösungsprozesses auszuweisen und betroffene Frauen zu ermutigen, sich jederzeit wieder
an das Frauenhaus zu wenden, wenn das Zusammenleben mit dem schlagenden, abwertenden
Partner unerträglich werden sollte. Denn jeder Mensch, und somit auch jede Frau, hat ein Recht
auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit! Und auf dieses Recht wollen wir alle betroffenen
Frauen im Burgenland aufmerksam machen. Es gibt immer einen Ausweg aus
Gewaltbeziehungen! Gerne vereinbaren wir mit Ihnen ein Beratungsgespräch, um Sie über Ihre
Rechte und Möglichkeiten aufzuklären und gemeinsam einen Weg aus der Gewaltbeziehung zu
erarbeiten! In Notfällen steht Ihnen auch eine Mitarbeiterin des Frauenhauses Burgenland
telefonisch unter der Notrufnummer 02682 / 61280 rund um die Uhr zur Verfügung.

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