Initiative Denkmalschutz fordert die komplette Erhaltung des Betonklotzes Kulturzentrum Mattersburg

Mattersburg, 19. 12. 2016 –

Initiative Denkmalschutz fordert die komplette Erhaltung des Kulturzentrums Mattersburg „eines der wichtigsten Bauwerke des österreichischen Brutalismus“! Bürgermeisterin Salamon, Landesrat Bieler und Landeshauptmann Niessl sind aufgefordert zu handeln!

kuz ma

Nach Rechtskraft des Teilunterschutzstellungsbescheides des Bundesdenkmalamtes letzte Woche, fordert der Verein Initiative Denkmalschutz, der sich für die Erhaltung gefährdeter Kulturgüter in Österreich einsetzt, Bürgermeisterin Ingrid Salamon, den Kulturlandesrat Helmut Bieler sowie Landeshauptmann Hans Niessl auf, alles zu unternehmen, um „freiwillig“ diesen seltenen, gut erhaltenen Vertreter der „Brutalismus“-Architektur in Österreich zu erhalten. Die vielen überzeugenden Stellungnahmen aus der Fachwelt von Architektur, Denkmalpflege und der örtlichen Bürgerinitiative, aber auch das fundierte Amtsgutachten des Bundesdenkmalamtes sollten die Wichtigkeit dieses Anliegens im Sinne des „öffentlichen Interesses“ vor Augen führen, das dadurch schon zusätzlich dokumentiert ist.

Bundesdenkmalamt: „Eines der wichtigsten Vertreter des österreichischen Brutalismus“

Dieses einzigartige überkommene Zeugnis in Österreich der weltweit immer mehr geschätzten und anerkannten Brutalistischen Architektur (www.sosbrutalism.org) verdient es vollständig erhalten zu werden (Eintrag Kulturzentrum Mattersburg: www.sosbrutalism.org/cms/15802395#16129925). Die Teilunterschutzstellung des 1973-76 von Architekt Herwig Udo Graf geplanten qualitätvollen Sichtbetonbaus durch das Bundesdenkmalamt kann zwar aus pragmatischen Überlegungen nachvollziehbar und zum Teil verständlich sein, da das Bundesdenkmalamt seit langem personell wie finanziell ausgehungert ist, sodass es zumeist sehr spät – wie in diesem Fall – aktiv werden kann, aber nicht aus fachlicher Sicht! Selbst das Bundesdenkmalamt bezeichnet das Bauwerk in seinem Amtssachverständigengutachten als „eines der seltenen Beispiele des Brutalismus in Österreich (…), wo der charakteristische Sichtbeton (…) zur Gänze[!] original erhalten ist“, es sei „ein zeittypischer qualitätvoller Bau, dessen Gestaltung einen bemerkenswerten skulpturalen Eindruck hinterlässt“, weiters stelle es „einen der wichtigsten Vertreter des österreichischen Brutalismus“ dar, das Denkmalamt attestiert dem Bau somit eine „künstlerische Bedeutung“ (S.6).

Über 2.000 Unterschriften und Fachexperten für die Erhaltung

Die Bürgerinitiative „Rettet das Kulturzentrum Mattersburg“, die seit Mai 2014 aktiv ist und über 2.000 Unterschriften für die Erhaltung gesammelt hat, hat in ihrer 4seitigen Stellungnahme zum Unterschutzstellungsbescheid des Bundesdenkmalamtes, die den Verantwortlichen sicher bekannt ist, alle Fakten überzeugend dargelegt.

Deswegen ergeht auch seitens unseres Vereins Initiative Denkmalschutz die eindringliche Bitte an die verantwortlichen Politiker, hier aktiv zu werden, um ein rares und bedeutendes Dokument der sozialpolitischen Leistungen der jungen Geschichte des Landes Burgenland zu würdigen, indem es erhalten wird.

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F a c h s t e l l u n g n a h m e n:

Oliver Elser, Kurator Deutsches Architekturmuseum (20.6.2016; www.sosbrutalism.org): wichtiger und innovativer Beitrag zum Betonbrutalismus in Österreich. Besonders hervorzuheben ist, dass bei dem Kulturzentrum Mattersburg der charakteristische Sichtbeton im Originalzustand erhalten ist und nicht – wie bei vielen anderen Bauten jener Zeit – mittlerweile überstrichen wurde. (…) Der Betonbrutalismus ist vielerorts in Gefahr. Daher sollten die verbliebenen Beispiele besonders gepflegt werden. Gegenwärtig werden viele schützenswerte Bauten dieser Epoche abgerissen (…). Lediglich den Mehrzwecksaal zu erhalten erscheint jedoch zu wenig. Es ist, als würde man eine Kirche abreißen und ließe anstandshalber den Kirchturm stehen. Das Verbliebene wird musealisiert, ein Torso ohne Gliedmaßen.“

Docomomo Austria, Fachorganisation für die Erhaltung moderner Architektur (23.8.2016; www.docomomo.at): „ist zweifellos ein unverzichtbares Dokument der Kulturpolitik sowie der Kultur- und Architekturgeschichte des Burgenlandes. Als richtungsweisender, im wahrsten Sinn des Wortes kulturtragender Bau sollte die Erhaltung wohl im öffentlichen Interesse liegen.“

Dietmar Steiner, Architekturzentrum Wien (26.8.2016, www.azw.at): „Brutalismus (…) Diese epochenprägende Architektursprache befindet sich weltweit aus unterschiedlichen Gründen in Bedrängnis. (…) Innerhalb Österreichs ist hier das Burgenland in seiner Breite und Dichte an Bauten dieser Epoche besonders bedeutend (…) haben die politischen Umstände im Burgenland den Architekten dieser Zeit – Herwig Udo Graf, Matthias Szauer, u.a. – ein breites, fast flächendeckendes Engagement ermöglicht, das eine besondere Würdigung und Wertschätzung erfordert (…) Ein Hauptwerk dieser Epoche ist das Kulturzentrum Mattersburg (…). Das Architekturzentrum Wien fordert die Verantwortlichen dieses Wettbewerbs auf, (…) durch entsprechende ExpertInnen auf seine architekturhistorische Verträglichkeit überprüfen zu lassen.“

Otto Kapfinger, Architekturwissenschafter und -publizist, Autor des Architekturführers „Neue Architektur in Burgenland und Westungarn“ (Hg. 2004) in Reaktion auf den Bescheid des Bundesdenkmalamtes vom 14.11. (8.12.2016): „Das (…) Kulturzentrum Mattersburg hat als erstes Kulturzentrum dieser Art in Burgenland und Österreich einerseits eine eminente überregionale kulturhistorische Bedeutung (…). Die (…) lediglich kulissenartig vorgesehene, völlig isolierte Erhaltung der Außenwand dieses Bauteils als Begrenzung eines mit Bäumen bepflanzten, künftigen Innenhofes, verbunden simultan mit dem Totalabbruch aller übrigen originalen Baumassen und Raumteile – ist sowohl im Hinblick auf Kriterien der Denkmalpflege als auch im Hinblick auf die zeitgemäße Qualität von Architektur-Koneztpten völlig fragwürdig und aus meiner fachlichen Sicht kategorisch abzulehnen.“


Kulturzentrum Mattersburg

Kein Einspruch gegen Denkmalschutz-Bescheid

Trotz vielfacher Aufforderung der Grünen, von Fachleuten und der Plattform zur Erhaltung des KUZ Mattersburg, hat Bürgermeisterin Ingrid Salomon den Bescheid des Bundesdenkmalamtes nicht beeinsprucht. Die Plattform hatte sogar einen Entwurf eines Einspruches erarbeiten lassen und der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Der massiven ExpertInnen-Kritik hat sich nun auch die Initiative Denkmalschutz angeschlossen. In einer Aussendung betonen sie die Wichtigkeit, das Gebäude in seiner Gesamtheit zu erhalten, sie wenden sich direkt an LH Niessl, LR Bieler und Bgm. Salomon.

Die Grünen haben inzwischen über ihren Kultursprecher Wolfgang Zinggl eine Anfrage an den zuständigen Bundesminister Drozda gerichtet (https://www.parlament.gv.at/). “Wir versuchen nun über den Bund hier etwas zu erreichen, nachdem im Burgenland offenbar keine Chance auf eine vernünftige Lösung besteht. Denn, egal wie man zum Neubau stehen mag, vernünftig ist die jetzige Vorgehensweise sicher nicht,“ so LAbg. Spitzmüller von den GRÜNEN.

Die Grünen befürchten wesentliche Mehrkosten und somit einen weiteren unverantwortlichen Umgang mit Steuergeldern.

Eigentlich müsste der Architektur-Wettweberwerb jetzt komplett neu ausgeschrieben werden, da sich die Grundvoraussetzung für den Neubau gänzlich geändert haben, findet Spitzmüller.

Das „Geheim“-Gutachten bleibt weiter unter Verschluss, wozu es überhaupt in Auftrag gegeben wurde ist völlig unklar. Alles in allem rechnet Spitzmüller in einigen Jahren mit einem, Zitat: “Rechungshofbericht über den ganzen Ablauf, der sich gewaschen hat.“

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