Vollversammlung der Burgenländischen Landwirtschaftskammer

Eisenstadt, 12. 12. 2016 –

Präsident Hautzinger zieht in der Vollversammlung der Burgenländischen Landwirtschaftskammer Bilanz über das zu Ende gehende Jahr 2016.

„Die Vollversammlung der Burgenländischen Landwirtschaftskammer Mitte Dezember bietet Gelegenheit einen Rückblick auf das ablaufende Jahr 2016 zu machen und uns die Frage zu stellen, was wird uns von 2016 in Erinnerung bleiben. Leider werden uns zu diesem Jahr in erster Linie dramatische Ereignisse zur Landwirtschaft in den Sinn kommen. Witterungsbedingte Katastrophen wie der Spätfrost Ende April, der unseren Obst- und Weinbauern schwer zusetzte, sowie eine katastrophale Marktlage am Getreide-, Milch- und Schweinesektor prägten 2016. Es ist zu befürchten, dass die heimische Landwirtschaft auch 2016 ein großes Einkommensminus – wie schon die Jahre zuvor – aufweisen wird“ sagte der Präsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, Franz Stefan Hautzinger, anlässlich der heutigen Vollversammlung der Landwirtschaftskammer in Eisenstadt.

lwk

Umfassende Risikovorsorge für heimische Landwirte

„Die Hilfsmaßnahmen für frostgeschädigte Betriebe, die von Bund und Land mit Geldern aus dem Katastrophenfonds gesetzt wurden, sind ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Liquidität vieler Betriebe, um die laufend anfallenden Kosten zu decken und auch betriebswirtschaftlich den Betrieb zu führen.

Die letzten Jahre waren von immer wiederkehrenden und immer weitreichenderen Folgen des Klimawandels gekennzeichnet. Dürre, Frost, Überschwemmungen usw. machen unseren Landwirten schwer zu schaffen. Diese Risikofaktoren möglichst umfassend abzudecken, muss Ziel einer leistbaren Risikovorsorge für die heimischen Bauern sein. Durch die Abänderung des Hagelversicherungs- und Katastrophenfondsgesetzes im Bund und in weiterer Folge durch den entsprechenden Beschluss im Landtag sind nun auch Dürre, Sturm, starke oder anhaltende Regenfälle sowie Frost bezuschusst abdeckbar. Dieser wichtige Schritt in Richtung einer umfassenden Risikovorsorge, die durch Mitteln von Bund und Land mitgetragen wird, ermöglicht den Bauern betriebswirtschaftlich und nachhaltig zu agieren“ stellte Präsident Hautzinger fest.

 

Rabatt bei der Sozialversicherung soll helfen Einkommenseinbußen abzufedern

„Der Beschluss des Ministerrates im Juli, den stetig sinkenden bäuerlichen Einkommen mit einen SVB-Rabatt durch Auflösung von Rücklagen entgegenzuwirken, war ein Schritt in die richtige Richtung. Durch die Koppelung an den Einheitswert wäre es aber zu einer massiven Ungleichbehandlung innerhalb der Bauernschaft gekommen, und einige Landwirte wären von der Aktion ausgeschlossen gewesen, obwohl die schwierigen Produktionsbedingungen für alle unabhängig vom Einheitswert existenziell gefährdend sind.

Es war daher ein wichtiger und notwendiger Schritt nochmals zurück an den Start zu gehen und neu zu verhandeln. Aufgrund der vom Sozialministerium geforderten Reduktion der Mittel sieht nun das vorliegende Ergebnis eine 53 %ige Reduktion des SVB Beitrages des vierten Quartals 2016 vor und gilt für alle SVB-versicherten Betriebe“ so Präsident Hautzinger zur aktuellen Diskussion.

 

Effektives Zusammenspiel der Partner gefragt

„Ziel muss es aber auch sein, den Anteil der heimischen Landwirtschaft an der Wertschöpfungskette zu verbessern. Es bedarf hier vor allem eines effektiveren Zusammenspiels zwischen Produzenten – Handel – Konsumenten. Hier bedarf es einer fairen Diskussion aller Beteiligten auf Augenhöhe.

Ein wichtiger Schritt in Richtung Bewusstseinsbildung war auch die im Parlament 2015 beschlossene Novelle zum Bundesbeschaffungsgesetz. Hier liegt es nun an den Beteiligten das Gesetz mit Leben zu erfüllen. Erste Schritte wurden bereits gemeinsam vom Land Burgenland, Landwirtschaftskammer und Wirtschaftskammer gesetzt. Hier ist es wichtig, weiter am Ball zu bleiben und das Bestbieterprinzip bei Lebensmittel in öffentlichen Küchen auch konsequent umzusetzen. Ich verweise hier auf die von der Landwirtschaftskammer Österreich gestartete Initiative „Gut zu wissen..“, bei der für den Konsumenten klar ausgewiesen ist, woher die Lebensmittel stammen“, so Hautzinger.

 

Kritik des Burgenländischen Landesrechnungshofes unverständlich!

„Der durch den Burgenländischen Landesrechnungshof veröffentlichte Bericht über die Prüfung der Agrarabteilung sorgte für einiges Aufsehen. Durch die Prüfung des BLRH entsteht der Eindruck, dass die Burgenländische Landwirtschaftskammer ungerechtfertigter Weise ohne Gegenleistung Geld vom Land Burgenland erhalten hätte. Der Leistungsnachweis wurde jährlich dem Land vertragsgemäß vorgelegt, von diesem geprüft und genehmigt.

Das Vertragsmodell sieht Planwerte vor, nach welchen die Landwirtschaftskammer ihre Personalkapazitäten ausrichtet. Diese Mitarbeiter erbringen ihre Leistung auch im Interesse und Auftrag des Landes und belegen diese in ihrer Leistungserfassung (ISO zertifiziert).

Auf Grund dieser Abrechnungen wurde dem Land jährlich nachgewiesen, dass im Zeitraum von 2010 bis 2015 um 30.000  Stunden mehr erbracht, als letztendlich vom Land ausbezahlt wurden. Letztendlich hat das Land selbst in den Jahren 2010 bis 2014 mit den Anerkennungsschreiben der Leistungsnachweise festgestellt, dass um 600.000 € weniger ausbezahlt als anerkannt wurden – dies kann sogar im Rechnungshofbericht nachgelesen werden. Ich hätte mir gewünscht, dass der BLRH vor Fertigstellung des Berichtes die Landwirtschaftskammer kontaktiert hätte“ so Präsident Hautzinger.

 

Wortmeldungen / Debattenredner

 

Neben Präsident Ök.-Rat Franz Stefan Hautzinger meldeten sich bei der Vollversammlung auch die Kammerräte Ök.-Rat Josef Rathmanner, Ing. Stefan Kast BA, Matthias Siess, und Bürgermeister Johann Weber sowie Mag. Eva Weinek und Bürgermeister Ök.-Rat Stefan Hauser von den SPÖ-Bauern als Debattenredner zu Wort.

 

Kammervoranschlag

Der vorgelegte Kammervoranschlag 2017 stellt Einnahmen in der Höhe von 8.975.000 € Ausgaben in der Höhe von 9.634.000 € gegenüber. Der budgetierte Abgang von 659.000 € begründet sich im Umbau und der Neuadaptierung des Bezirksreferates Neusiedl/See.

„Das Bezirksreferat Neusiedl/See entsprach in seiner alten baulichen Struktur nicht mehr einem kundenorientierten Informations- und Kompetenzzentrum für agrarische Belange und musste daher neu adaptiert werden. Durch diese behindertengerechte Neuadaptierung des Bezirksreferates konnte die Effizienz der Serviceleistung für die Landwirte im Bezirk gesteigert und verbessert werden“ erklärt Präsident Hautzinger.

 

Landwirtschaftskammer ist zuverlässiger Partner für die Landwirte

„Die heimische Landwirtschaft unterliegt einem ständigen und stetig voranschreitenden Strukturwandel. Die Aufgaben und die äußeren Einflüsse auf die Bauern werden immer vielfältiger und komplexer. Mit diesem Wandel muss auch der Landwirt selbst Schritt halten. Die Burgenländische Landwirtschaftskammer mit ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist hier bemüht, auch im kommenden Jahr den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Fachberatung sowie auf eine hochqualitative Aus- und Weiterbildung der Bäuerinnen und Bauern zu legen. Ziel muss sein, die bestmöglichen Voraussetzungen für eine wirtschaftlich gut aufgestellte und ökologisch ausgerichtete Land- und Forstwirtschaft sicher zu stellen, damit unsere Bäuerinnen und Bauern planbare Perspektiven haben“, so Präsident Hautzinger abschließend.

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