Burgenländischer Architekturpreis für Neugestaltung der Kirche in Neuhaus

Neuhaus, 30. 11. 2016 –

Die Jury des renommierten Architekturpreises des Landes Burgenland würdigt die herausragende, weit über die bauliche Instandsetzung und Erhaltung hinausgehende Sanierung der Kirche, die als Ort der Andacht und Begegnung das Erleben der Natur in den Farben der Jahreszeiten“ akzentuiere und räumlich gestalte.

kirche

Christine Horner (Jurymitglied), Herbert Plank (Pfarrgemeinderatsmitglied und Initiator, Architektin Doris Dockner, Markus Zechner (Leiter Bauamt Diözese Eisenstadt) und Kulturlandesrat Helmut Bieler

Hohe Auszeichnung für die Neugestaltung der Kirche Neuhaus in der Wart: Die eindrucksvolle Erneuerung des Gotteshauses in der Katastralgemeinde von Mischendorf im Südburgenland (Bezirk Oberwart) erhielt den alle zwei Jahre verliehenen Architekturpreis des Landes Burgenland. Die fünfköpfige Expertenjury, bestehend aus den renommierten Architekten und Architekturlehrenden Anrás Pálffy, Andreas Cukrowicz, Christine Horner, Albert Kirchengast und Wolfgang Wallner, entschied, drei Projekte in gleichrangiger Wertigkeit die bedeutendste Architekturauszeichnung des Landes zuzuerkennen: Gemeinsam mit der Revitalisierung eines alten Bauernhauses in Klingenbach und dem Bau des Hauses G in Buchschachen wurde die von der Grazer Architektin Doris Dockner neu gestaltete Kirche Neuhaus prämiert.

Gläserne Altarwand: Radikal neuer Raumeindruck
Besonders beeindruckt zeigte sich die Jury von einer die Altarwand ersetzende Verglasung, die einen radikal neuen Raumeindruck entstehen lässt, so die Würdigung. Die vormals intime, in sich gekehrte Atmosphäre der Kirche wird geöffnet, die Altarwand in ihrer Bedeutung gänzlich neu interpretiert. Anstatt den Raum abzuschließen leitet sie über in die Natur, setzt die Begründung der Jury zu dem in der Vorwoche verliehenen Architekturpreis des Landes Burgenland fort. Ein Kreuz teilt als einziges Gestaltungselement die Verglasung in vier gleich große Felder: Die goldfarben eloxierte Oberfläche wandelt das einfache Fensterkreuz zum Kreuzsymbol, so die Jury.

Perfektes Anschmiegen an die Natur
Bereits beim Betreten des Gotteshauses offenbare sich ein unvergleichlicher Blick: Längs durch das gesamte Kirchenschiff erstreckt sich der Ausblick bis in die umliegende Hügellandschaft des Südburgenlandes, würdigt Jurymitglied Christine Horner die architektonisch herausragende und nun preisgekrönte Arbeit von Doris Dockner. Durch die Neugestaltung werde somit ein Grundmotiv der 1958 errichteten und dem hl. Antonius von Padua, also einem Franziskaner geweihten Kirche räumlich ausgefaltet und erfahrbar: die Erfahrbarkeit Gottes in der Natur, das Lob Gottes durch die Vielfalt der Schöpfung komme in der architektonischen Arbeit an dem Sakralbau zum Ausdruck. Die Kirche schmiege sich nicht nur perfekt an das Pittoreske der sie umgebenden und einbettenden Hügellandschaft an, sie werde selbst zum Prisma, das die Schönheit der Schöpfung durchschimmern lasse und spiegle.

Altar und Ambo aus Glas
Besonders hervorgehoben wurde zudem die architektonische Gestaltung von Altar und Ambo, die nun aus vertikalen Weißglasscheiben mit einer aufliegenden, ebenfalls gläsernen Platte bestehen: Durch das hochtransparente Glas lösen sich die beiden Gegenstände förmlich im Raum auf. Sie fangen den Blick nicht ein, sondern lassen ihn in die Landschaft gleiten, sodass Kirche als Ort der Transzendenzbegegnung und Natur als Schöpfungsgabe ein harmonisches Ganzes bilden.

Beleuchtung wie Wolke aus Kerzen
Dem entspricht auch das bewusste Zurücknehmen aller weiteren gestalterischen Eingriffe, um den Fokus auf die grundlegende architektonische Geste zu lenken. Als überaus gelungenes Gestaltungselement wurden von der Jury außerdem zwei über den Kirchenbänken schwebende Gruppen aus Hängelampen benannt, vergleichbar mit einer Wolke aus Kerzen mit jeweils 15 schlichten, zylindrischen Beleuchtungskörpern aus Glas.

Aufleuchten von Transzendenz im Raum
Der Architekturpreis des Landes Burgenland als wichtigste Architekturauszeichnung des Landes wurde im Jahr 2002 auf Initiative des Vereins Architektur Raumburgenland ins Leben gerufen. Die Bewertung der Arbeiten erfolgt durch eine unabhängige Expertenjury, die Verleihung durch den Landesrat für Kultur, Helmut Bieler. Das Bauamt der Diözese Eisenstadt, bei der Preisverleihung durch dessen Leiter Markus Zechner vertreten, setzt bei allen baulichen Projekten auf Nachhaltigkeit und die Verbindung von ebenso funktionaler wie ökologischer Zukunftsfähigkeit, ästhetischer Stimmigkeit und dem Bemühen um architektonische Ausfaltung von Transzendenzräumen: Schließlich diene, so Markus Zechner, die architektonische Gestaltung von Sakralbauten letztlich dem Durchschimmern und Aufleuchten von Transzendenz in der Raumgestaltung.

 

Share Button

Schreibe einen Kommentar