16 Tage gegen Gewalt

Eisenstadt, 28. 11. 2016 –

 

Seit 1991 machen weltweit Fraueneinrichtungen mit der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ auf die Bedrohung von Frauen durch männliche Gewalt aufmerksam. Der Tag begann für Frauenlandesrätin Verena Dunst mit dem hissen der Fahne der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ vor dem Landhaus in Eisenstadt. 25 Paar rote Schuhe, ein Paar für jede im Vorjahr durch Gewalt ums Leben gekommene Frau in Österreich, rückten das Thema eindrücklich ins Blickfeld. Zu Mittag ging es dann in der Fußgängerzone in Eisenstadt mit einer Straßenaktion weiter. Lautstark ging es mit Trillerpfeifen durch die Fußgängerzone. Dabei wurden auch Gespräche geführt und Broschüren verteilt. Landesrätin Verena Dunst erklärt uns jetzt, wozu die Pfeifen gut waren.

 


 

Gewalt gegen Frauen entgegentreten

Fahnenhissen vor dem Landhaus in Eisenstadt im Rahmen der Internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“

Seit 1991 machen weltweit vom 25. November bis 10. Dezember Fraueneinrichtungen mit der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ in Form verschiedenster Aktivitäten auf die Bedrohung von Frauen durch männliche Gewalt aufmerksam. Seit 1992 nimmt auch Österreich daran teil. Am Montag, 28. November, erfolgte im Burgenland der Auftakt mit dem Hissen der Fahne der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ vor dem Landhaus in Eisenstadt. Mit auf der Stiege zum Landhaus platzierten 25 Paar roten Schuhen für jede im Vorjahr in Österreich durch Gewalt ums Leben gekommene Frau rückt die Aktion „Rot, die Farbe der Liebe!?“ von MonA-Net das Thema eindrücklich ins Blickfeld. Über die aktuelle Situation im Burgenland und Maßnahmen gegen Gewalt gegen Frauen berichteten Mag.a Karin Gölly, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums, und Landespolizeidirektor Mag. Martin Huber beim anschließenden Pressegespräch.

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LPD Mag. Martin Huber, LAbg. Edith Sack, Mag.a Karin Gölly, GFin Gewaltschutzzentrum, LRin Verena Dunst, LRin Mag.a Astrid Eisenkopf, LAbg. Doris Prohaska, LSBin Irmgard Hillinger

„Gewalt gegen Frauen ist weltweit in allen Schichten und Gesellschaften erschütternde Realität. Sie passiert heute und zu jeder Stunde, sehr oft leider in der eigenen Familie. Gewaltausübung durch einen nahestehenden Menschen ist sogar die häufigste Menschenrechtsverletzung an Frauen. Diese darf, wo und in welcher Form auch immer sie passiert, niemals tabuisiert werden. Mit der Kampagne ‚16 Tage gegen Gewalt‘ möchten wir ein Zeichen setzen und auf ein gewaltfreies Leben aufmerksam machen“, erklärte Frauenlandesrätin Verena Dunst beim Auftakt der Kampagne, die bis zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember läuft.

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V.l. Mag.a Karin Gölly, GFin Gewaltschutzzentrum, LRin Verena Dunst und LPD Mag. Martin Huber

Keine letzte Aussprache gewähren
„Im Fall von Gewalt geht es immer um die Ausübung von Macht und Kontrolle über die Frau“, betonte Dunst. Deshalb sei Aufklärungs- und Präventionsarbeit so wichtig. „Es gilt, Frauen zu stärken, dass sie als Opfer Mut fassen, sich zur Wehr zu setzen“. Dunst appelliert an Betroffene, sich unbedingt an Opferschutzeinrichtungen zu wenden. Eindringlich warnt sie jedoch vor einer „letzten Aussprache“. „Der Versuch einer gütlichen Einigung oder eines ‚letzten klärenden‘ Gesprächs mit dem Täter lässt die Situation meist nur eskalieren“.

Burgenland: dichtes Netzwerk an Gewaltschutzeinrichtungen
Im Burgenland können sich Betroffene an das Frauen- und Sozialhaus, das Gewaltschutzzentrum Burgenland, an eine der sieben Frauenberatungsstellen des Landes oder die bundesweite 24-Stunden-Frauenhelpline 0800/222 555 wenden. Im Vorjahr wurden im Gewaltschutzzentrum Burgenland 556 Opfer betreut, heuer sind es bis dato 516. 75 % der Opfer sind weiblich, berichtete Gölly. „Die Dunkelziffer ist allerdings viel höher, wir schätzen, dass rund 6.000 Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind, und in rund der Hälfte der Fälle leben auch minderjährige Kinder im Haushalt“. Aus Scham trauten sich allerdings viele Frauen vor allem am Land nicht, sich an eine Beratungsstelle zu wenden oder eine Beziehung zu beenden. Unter den im Vorjahr 25 von ihren Partnern ermordeten Frauen sei auch eine aus dem Burgenland. Die 25 Paar roter Schuhe, die am Montag vom Netzwerk MonA-Net im Rahmen der Aktion „Rot, die Farbe der Liebe!?“ auf der Landhausstiege platziert wurden, stehen für diese Opfer von Gewalt.

156 Betretungsverbote im heurigen Jahr ausgesprochen
„Leider passiert Gewalt meist dort, wo man sich sicher fühlen sollte, nämlich in den eigenen vier Wänden. Opfer sind in den meisten Fällen Frauen und Kinder. Gewalt wird nicht nur körperlich ausgeübt, sondern auch psychisch“, erklärt Landespolizeidirektor Huber. Als polizeiliche Maßnahmen kommen Streitschlichtung, am häufigsten Betretungsverbot und Wegweisung, und, im Fall von kriminellen Handlungen, die Anzeige und Festnahme von Tätern zur Anwendung. Bis dato seien im heurigen Jahr bis dato 156 Wegweisungen ausgesprochen worden. Der Weggewiesene darf für zwei Wochen die Wohnung nicht betreten. Sind auch Kinder involviert, kann das Betretungsverbot auch auf den Kindergarten oder die Schule ausgeweitet werden; in jedem Fall wird auch das Gewaltschuttzentrum davon informiert. Wichtig sei auch Präventionsarbeit. Heuer hätten bis Mitte November bereits 14 Vorträge zum Thema Gewalt stattgefunden. Eines der erfolgreichsten Projekte sei  das sicherheitsorientierte Verhaltenstraining für Frauen; in diesem Jahr seien bereits 2.000 Frauen geschult worden, seit Beginn des Trainings im Jahr 2000 waren es 14.000.

Frauenrechte sind Menschenrechte
Die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ hat sich der Anerkennung von Frauenrechten als Menschenrechte verschrieben. Jährlich machen weltweit vom 25. November bis 10. Dezember Fraueneinrichtungen in Form verschiedenster Aktivitäten auf die Bedrohung von Frauen durch männliche Gewalt aufmerksam. Der 25. November markiert den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, der 1981 am ersten lateinamerikanischen Frauenkongress in Bogota, Kolumbien, in Gedenken an die drei Schwestern Patria, Minerva und Maria Teresa Mirabal proklamiert wurde. Diese wurden am 25. November 1960 vom dominikanischen Geheimdienst im Auftrag des Diktators Rafael Leonidas Trujillo in einem Hinterhalt brutal ermordet.

Der 10. Dezember ist seit 1948 der „Internationale Tag der Menschenrechte“ und bildet den Abschluss der Kampagne. Österreich nimmt seit 1992 (koordiniert vom Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser) an der Kampagne teil, die erstmals im Jahr 1991 (ausgehend vom Center for Women`s Global Leadership, USA) stattgefunden hat.

 

 

 

 

 

 

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