Diesel aus Holz

Güssing, 22. 11. 2016 –

Saubere Energie vom Wald in den Tank

Diesel aus Holz: 1 Barrel/Tag-Anlage in Güssing fertiggestellt

Vor einem Jahr erfolgte der Start des COMET (Competent Centers for Excellent Technologies)-Projekts „1 Barrel/Tag“ in Güssing, das die Herstellung von Diesel aus Holz zum Ziel hat. Am Dienstag, 22. November 2016, stellten die Vertreter von BIOENERGY 2020+ bei einem Pressetermin mit Umweltlandesrätin Mag.a Astrid Eisenkopf und Güssings Bürgermeister Vinzenz Knor die vor kurzem fertiggestellte Anlage vor. Die nun folgende Testphase soll Daten für den weiteren Ausbau auf Industriegröße liefern.

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DI Dr. Walter Haslinger, CEO BIOENERGY 2020+ GmbH, LRin Mag.a Astrid Eisenkopf , DI Dr. Reinhard Rauch, Projektleiter und Areamanager von BIOENERGY 2020+ GmbH, Bgm. Vinzenz Knor

Die weltweit einzigartige Anlage, mit Investitionskosten von knapp 500.000 Euro in 8.500 Personenstunden ausnahmslos von den Mitarbeitern von BIOENERGY 2020+ am Standort Güssing geplant, konstruiert und ausgeführt, produziert täglich rund 1 Barrel (159 Liter) sauberen Treibstoff aus Holz, der zu Diesel oder Kerosin weiterverarbeitet werden kann. Angewendet wird dabei die sogenannte „Fischer Tropsch-Synthese“ mit einem „Slurry Raktor“, eine Methode, die bei BIOENERGY 2020+ bereits seit 2004 zum Einsatz kommt.

Aus drei Kilogramm Rohstoff kann durch Vergasung rund ein Liter sauberer Treibstoff gewonnen werden, erklärt DI Dr. Reinhard Rauch, Projektleiter und Areamanager von BIOENERGY 2020+ GmbH. „Gegenüber normalem Diesel ergibt sich damit eine 90 %-ige CO2-Reduktion. Wesentlich ist, dass es dabei zu keinem Wettbewerb mit der Nahrungsmittelproduktion kommt“, betont Rauch. Zu 7 % herkömmlichem fossilem Diesel beigemischt, ergibt sich Treibstoff in Premium-Qualität. Dieser verbrennt mit geringeren Schadstoffemissionen und kann so zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen. Rauch nennt als künftige Verbraucher vorwiegend Schwerverkehr und Flugverkehr, Bereiche, in denen auch weiterhin Diesel und Kerosin gebraucht würden.

Die Anlage soll nun wichtige Erkenntnisse zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit der Produktion von Biotreibstoffen der zweiten Generation liefern. In der nächsten Phase wird die Anlage evaluiert, um Daten für eine weitere Ausbaustufe  auf Industriegröße gewinnen. Ziel ist es auch, den produzierten Treibstoff im Echtbetrieb in modernen Dieselfahrzeugen zu testen.

Umweltlandesrätin Eisenkopf sieht im Projekt „einen wichtigen Beitrag für einen nachhaltigen Klima- und Umweltschutz und ein wichtiges Forschungsprojekt für das Burgenland. Wir wollen die Forschungsquote, die von 0,55 % im Jahr 2002 schrittweise auf 0,9 % gesteigert werden konnte, weiter erhöhen.  BIOENERGY 2020+ ist dabei ein kompetenter Forschungspartner im Energiebereich. Und schließlich wollen wir auf der Basis der Energiestrategie des Landes bis 2050 den Gesamtenergieverbrauch aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen. Güssing ist über die Ländergrenzen hinweg ein Musterbeispiel für diesen Weg“.

Es sei „großartig, was sich hier in einem Jahr entwickelt hat“, sagt Bgm. Knor. „Diese Anlage ist ein sichtbares Zeichen, dass der Forschungsstandort Güssing lebt. Hier haben junge, gut ausgebildete Menschen auch aus der Region die Chance auf hochwertige Arbeitsplätze.“ Für DI Dr. Walter Haslinger, CEO BIOENERGY 2020+ GmbH, ist „die Fischer-Tropsch-Demonstrationsanlage ein weiterer Meilenstein für die langfristige Etablierung des Standortes Güssing als weltweit sichtbare Forschungsplattform für Synthesegasanwendungen“.

BIOENERGY 2020+ ist ein Zusammenschluss von fünf wissenschaftlichen Standorten zur anwendungsorientierten Forschung im Bereich der Bioenergie. Der Firmensitz befindet sich in Graz, weitere Standorte sind in Güssing und Wieselburg, Forschungsstätten in Pinkafeld und Tulln. Am Standort Güssing arbeitet BIOENERGY 2020+ schwerpunktmäßig an thermischer Biomasse-Vergasung und innovativen Biotreibstoffen.

Die Projektlaufzeit ist auf vier Jahre anberaumt, die Kosten belaufen sich auf 2,5 Mio. Euro, wovon 45 % gefördert werden. Fördergeber sind die Österreichische Forschungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des COMET Programms (hier durch Republik Österreich sowie die Bundesländer Burgenland, Niederösterreich und Steiermark finanziert). Die Fachhochschulstudiengänge Burgenland Ges.m.b.H ist 13,5 %-Eigentümer der BIOENERGY 2020+ GmbH.

 

 

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