„Hilfe, wer passt auf die schulpflichtigen Kinder auf?“

Mattersburg, 22. 7. 2016 –

Ferienzeit, lang ersehnte Ferienzeit! Doch mit dem Beginn der Ferien werden junge Familien jedes Jahr aufs Neue mit einem altbekannten Problem konfrontiert: Wer passt auf die schulpflichtigen Kinder auf, wenn Mama und Papa arbeiten müssen? So kann das Burgenland nach wie vor keine lückenlose Kinderbetreuung für Schulkinder in Ferienzeiten (das sind Sommer-, Herbst-, Weihnachts-, Semester- und Osterferien) gewährleisten. Es gibt zwar vereinzelt Alternativen und Angebote, wie z.B. Tagesmütter oder die Ferienbetreuung der Kinderfreunde, welche in einigen Ortschaften des Burgenlandes erfolgreich umgesetzt wird. Auch das in Eisenstadt angebotene Ferienspiel ist hier als Unterhaltungs- und Beschäftigungsangebot für Kinder und Jugendliche zu erwähnen. Doch gerade die ländlichen Regionen fallen bezüglich Kinderbetreuung für Schulkinder in Ferienzeiten schnell durch den Rost. So sind entsprechende Betreuungsangebote nicht nur rar gesät, sondern zudem oft schwer öffentlich erreichbar bzw. kaum leistbar. Zusatzbetreuungen sind immer mit einem zusätzlichen Kostenaufwand verbunden, der gerade von alleinerziehenden Elternteilen nur schwer aufzubringen ist.

Das Problem der Betreuung von schulpflichtigen Kindern in Ferienzeiten stellt sich damit nicht nur verheirateten Paaren, wo beide Elternteile berufstätig sind und großelterliche Unterstützung ausbleibt. Besonders betroffen sind Alleinerzieher und Alleinerzieherinnen. Frauen, die sich aufgrund von häuslicher Gewalt dazu gezwungen sehen, ihr Zuhause mit ihren Kindern zu verlassen und im Frauenhaus Burgenland Unterschlupf finden, sind somit in besonderer Weise auf ein flächendeckendes, durchgängiges, zugängliches und leistbares Kinderbetreuungsangebot in Ferienzeiten angewiesen. Der Entschluss ins Frauenhaus zu ziehen, ist meist nicht nur mit einer räumlichen Veränderung, sondern auch immer mit erheblichen finanziellen Einschränkungen verbunden. Das bedeutet, dass auch existenzielle Ressourcen, wie eine neue Wohnung und Arbeitsstelle, erst wieder neu geschaffen werden müssen.

Da es im Burgenland jedoch längst nicht genügend Arbeitsplätze für alle BürgerInnen gibt, ist es umso wichtiger das neu gefundene Arbeitsverhältnis auch aufrecht zu erhalten. Ein einfacher und leistbarer Zugang zu Kinderbetreuung in Ferienzeiten würde das Risiko eines Arbeitsplatzverlustes erheblich reduzieren und die Existenz der Familie sichern. Alleinerziehende Frauen, oftmals schlecht entlohnte Teilzeitarbeitskräfte, müssten somit das hart verdiente Geld nicht gleich wieder in die Kinderbetreuung investieren, die sie aber brauchen, um wiederum arbeiten gehen zu können. Sprichwörtlich beißt sich hier die Katze in den Schwanz! Und wieder einmal wird das Problem auf den Rücken der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft ausgetragen – den alleinerziehenden Müttern und stillen Heldinnen unserer Zeit.

Um jenen Frauen den Schritt in ein selbstbestimmtes und autonomes Leben zu erleichtern, möchte das Frauenhaus Burgenland auf die dringende Notwendigkeit einer flächendeckenden, regionalen Kinderbetreuung für schulpflichtige Kinder zu fairen und leistbaren Preisen – auch und gerade in den Sommermonaten – aufmerksam machen! Unsere heutige Zeit verlangt, dass Eltern und vor allem alleinerziehende Mütter und Väter arbeiten müssen, um sich das Notwendigste leisten zu können. Wenn wir eine Verjüngung unserer Gesellschaft wollen, dann muss die Kinderbetreuung gerade für die Zeit der Schulpflicht weiter und vor allem kostengünstig ausgebaut werden. Kinder dürfen nicht als Last, sondern als Zukunft unserer Gesellschaft gesehen werden. Investition lohnt also immer!

 

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