Neues VOR Tarifsystem: Top oder Flop?

Mattersburg, 5. 7. 2016 –

Start des neuen VOR-Tarifsystems: Ostregion wächst noch enger zusammen

Mit 6. Juli tritt die neue Tarifregelung des Verkehrsverbundes Ost-Region (VOR) in Kraft. Damit erhalten die drei Bundesländer Wien, Niederösterreich und Burgenland mit insgesamt mehr als einer Milliarde jährlicher Fahrgäste ein einheitliches System, das im Vergleich zu den bisherigen Regelungen einfacher, umfassender und fairer ist. Die Zonen wurden abgeschafft, der neue Tarif errechnet sich durch die Eingabe von Start und Ziel. Weitere Vorteile: Erstmals gelten gleiche Preise für Bus und Bahn. Stadtverkehre sind im Ticketpreis ab 6. Juli inkludiert. Stichstrecken, Überlappungsbereiche und andere Ausnahmeregelungen (von denen manche Fahrgastgruppen profitieren konnten) fallen weg. Insgesamt ist die Umstellung für den Verkehrsverbund einkommensneutral – das Preisniveau bleibt also unterm Strich gleich.

„Natürlich hat eine Systemumstellung in diesem Ausmaß Auswirkungen auf alle unsere Fahrgäste. Während mehr als 90 Prozent vom neuen Tarifsystem profitieren, gibt es auch Fahrgäste, bei denen eine Verteuerung der Ticketpreise zu verzeichnen ist. Zumeist ist dies der Fall, wenn von den aktuellen Ausnahmeregelungen wie z.B. den Überlappungsbereichen in der Vergangenheit überproportional profitiert wurde“, so VOR-Geschäftsführer Mag. Wolfgang Schroll, der auch ein oft kommuniziertes Missverständnis aufklärt: „Freilich kann es bei ähnlichen Streckenlängen zu unterschiedlichen Tarifen kommen – denn diese berechnen sich nicht nach der Kilometeranzahl, sondern nach der Verkehrsüblichkeit, das heißt je nachdem welcher Weg aus zeittechnischer sowie ökonomischer Sicht am logischsten und einfachsten ist. Als zweiten Faktor orientiert sich das System an den Gemeindegrenzen.“ VOR-Geschäftsführer Thomas Bohrn, MBA, zur Kritik am neuen System: „Es ist uns und unseren Partnern bewusst, dass eine Systemumstellung in diesem Ausmaß – immerhin geht es um fast 900 Linien, mehr als 18.000 km Netzlänge, 23.500 km2 Fläche und fast 3,8 Millionen EinwohnerInnen – nicht hundertprozentige Zustimmung erfahren kann. Natürlich treten in der Anfangsphase viele Fragen auf, daher haben wir auch unsere Kommunikationsaktivitäten verstärkt, um den Übergang für unsere KundInnen so reibungslos wie möglich zu gestalten. Wir nehmen alle Rückmeldungen sehr ernst – das System wird vor allem in der Anfangsphase genauestens beobachtet und evaluiert; für besondere Härtefälle wurden zudem in Abstimmung mit den Bundesländern Abfederungsmaßnahmen vorgesehen“.

Über das neue Tarifsystem des VOR

Am 6. Juli 2016 tritt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ein neues Tarifsystem in Kraft: Ein einfacher Streckentarif ersetzt die bisherigen Zonen im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) bzw. die Tarifgruppen im umliegenden System des Verkehrsverbundes NÖ-BGLD. Damit gilt erstmals im gesamten Mobilitätsraum Wien, Niederösterreich und Burgenland ein einheitlicher Öffi-Tarif. Nicht betroffen von den Änderungen sind Fahrten, die ausschließlich in der Kernzone Wien stattfinden. Bestehende Zeitkarten (Wochen-, Monats- und Jahreskarten) bleiben bis zu ihrem Ablaufdatum gültig. Geltungsbereiche und Preise für den neuen VOR-Tarif sind in der neuen Online-Preisauskunft auf www.vor.at ersichtlich.


AK zu VOR-Tarifen: Härtefallregelung, Nachbesserungen, mehr Transparenz

AK Präsidenten von Wien, Niederösterreich und Burgenland fordern Kunden-freundlichere Umstellung

„Die Tarif-Reform im Verkehrsverbund Ostregion (VOR) muss nachgebessert werden“, fordern die Präsidenten der Arbeiterkammern von Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Die neue Tarif-Berechnung, die außerhalb der Kernzone Wiens nicht mehr nach Tarifzonen sondern entsprechend der Fahrtstrecke den Preis berechnet, ist zwar ein Schritt in Richtung mehr Transparenz. „Es kann aber nicht sein, dass die Pendlerinnen und Pendler von einem Tag auf den anderen 100 Euro und mehr zusätzlich für die Jahreskarte zahlen müssen. Hier braucht es Härtefallregelungen“, so die AK Präsidenten Rudi Kaske (Wien), Markus Wieser (Niederösterreich) und Alfred Schreiner (Burgenland). Es gibt bei dieser Tarif-Reform PendlerInnen, die weniger zahlen als zuvor, aber auch viele, die mehr zahlen müs-sen. Dabei gibt es Preissprünge, die für die Betroffenen nicht nachvollziehbar sind. „Es kann nicht sein, dass die Menschen für vergleichbare Strecken sehr unter-schiedliche Preise zahlen müssen. Eine Tarifreform darf die Stammkundinnen und Stammkunden im öffentlichen Bahn- und Busverkehr nicht vor den Kopf stoßen“, so die AK Präsidenten. Erst im März 2016 wurden die Jahreskartenpreise im VOR um 4 bis 8 Prozent erhöht. Die neuerliche enorme Preiserhöhung durch die Tarifreform für einige PendlerInnen bringt für diese keine nennenswerten Angebotsverbesserungen und muss deshalb stärker reduziert werden“, so die AK Präsidenten. Unterm Strich hat der Verkehrsverbund Ostregion eine „aufkommensneutrale“ Tarifreform versprochen. „Wir fordern den VOR auf, in einer Bilanz der Tarifreform nach einem Jahr nachzuweisen, dass die Kundinnen und Kunden des VOR nicht doch insgesamt draufzahlen“, so die AK Präsidenten.

Es braucht Härtefallregelungen, die nicht nur zeitlich begrenzt sind: Einige PendlerInnen zahlen über 100 Euro mehr für die Jahreskarte. Die Strecke Wiener Neustadt – Baden verteuert sich um 218 Euro, die Strecke Münchendorf – Wien bis Südtiroler Platz um 262 Euro, die Strecke Greifenstein – Tullnerfeld Bahnhof sogar um 473 Euro. Pamhagen – Eisenstadt Verteuerung von 120 Euro Deutschkreutz – Eisenstadt ebenfalls um 120 Euro teurer.

Bisher bietet der VOR eine Deckelung der Preiserhöhung bei 120 Euro nur im ersten Jahr an. „Das ist bei weitem nicht ausreichend“, so die AK Präsidenten.

Es gibt Preissteigerungen, die nicht erklärbar sind: Das System soll mehr Transparenz und Gerechtigkeit bringen. Aber es gibt PendlerInnen, die für vergleichbare Strecken sehr unterschiedliche Preise zahlen müssen. So etwa die Strecken Schützen – Müllendorf oder Draßburg – Müllendorf: Schützen – Müllendorf bisher 673 Euro, neu 418 Euro; Ersparnis 255 Euro Draßburg – Müllendorf bisher 418 Euro, neu 673 Euro; Verlust 255 Euro

 

 

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