Kulturzentrum Mattersburg – 20% sind zu wenig!

Die Ergebnisse des Wettbewerbes zur „Umgestaltung“ des Kulturzentrums Mattersburg wurden vor einigen Tagen bekanntgegeben. Das Siegerprojekt würde nur ca. 20% des Bestandsobjektes erhalten. Andere eingereichte Projekte zeigen aber: eine größtmögliche Erhaltung des Bestandsgebäudes ist möglich.

 

Die Saalattika, ein Lüftungsschacht und zwei Fassaden wären alles, was vom bestehenden Kulturzentrum Mattersburg übrig bleiben würde, geht es nach dem Siegerprojekt eines Wiener Architekturbüros. Jenes ist eines der eingereichten Projekte, welches am wenigsten von der Substanz des Gründungsbaus aus dem Jahre 1976 erhalten würde. „Dieses Projekt ist für uns das „worst case“ Szenario.  Das ist absolut keine gute Lösung und gleicht einem Totalabriss. Auch die im Positionspapier zugesichert Erhaltung der für das Gebäude essentiellen Freiluftarena ist nicht gegeben – damit entspricht das Siegerprojekt nicht den Ausschreibungsvorgaben!“ so der Sprecher der Plattform Johann Gallis.

 

Größtmögliche Erhaltung wäre möglich

Insgesamt gaben im Rahmen des Wettbewerbes 7 Architekturbüros ihre Projekte und Ideen für die bauliche Weiterentwicklung des ersten burgenländischen Kulturzentrums ab. Trotz der widrigen Ausschreibungsvorgaben gelang es aber einigen Planern durchaus eine größtmögliche Erhaltung dieses brutalistischen Gebäudes zu projektieren bzw.  Entwürfe zu liefern, die sehr respektvoll mit dem Bestand umgehen und ihn weiterentwickeln.

Es ist sehr verwunderlich, dass die Jury daher genau jenen Entwurf wählte, der das Bestandsobjekt fast gänzlich zum Abriss freigibt, während einige Projekte einen großflächigen Erhalt des Bestandsobjekts und eine sanfte bauliche Weiterentwicklung vorschlugen. Zu betonen ist auch, dass kein einziger Denkmalpfleger, der Erfahrung im Umgang mit solchen Bauten hat, in der Jury war. Das Bundesdenkmalamt war bei der Kommissionsitzung – entgegen der schriftlichen Zusicherung von LR Bieler – nicht einmal beratend vertreten.

 

Alle Wettbewerbsbeiträge öffentlich ausstellen

Wie bei den bisherigen Diskussionen rund um das Kulturzentrum Mattersburg dominerte auch in dieser finalen Phase Intransparenz und Ausschluss der Bevölkerung durch Verhinderung einer aufkommenden Diskussion. Bei der Präsentation wurde nur das Siegerprojekt  präsentiert, eine Ausstellung mit allen Projekten – wie das bei derartigen Wettbewerben sonst eine Selbstverständlichkeit ist – fand nicht statt. „Das Siegerprojekt wurde dem Publikum einfach hingeknallt. Vergleiche mit anderen Wettbewerbsarbeiten konnten nicht stattfinden. Daher appellieren wir an alle Verantwortlichen eine solche Ausstellung doch noch zu organisieren, um alle eingereichten Projekte der Bevölkerung vorzustellen und Transparenz zu gewährleisten“, so Gallis.

 

Entscheidung überdenken –  renommierte Experten einbinden

Aufgrund der Tatsache, dass einige Projekte eine größtmögliche Erhaltung vorschlugen, sprechen wir uns dringend dafür aus, alle eingereichten Projekte öffentlich zu präsentieren, zu diskutieren und die Entscheidung für das Siegerprojekt – unter Beteiligung von international renommierten Fachleuten für Architektur- und Denkmalpflege – zu prüfen und zu überdenken. „Wir appellieren nun keine voreiligen unumkehrbaren Beschlüsse zu fassen. Eine Diskussions- und Nachdenkphase steht sicherlich dafür, wenn man bedenkt, dass diese Entscheidung eine für Jahrzehnte sein wird – wie soll das erste Kulturzentrum des Burgenlandes, ein international anerkanntes Objekt des Brutalismus und Symbol sozialistischer Kulturpolitik für zukünftige Generationen erhalten, bzw. für eine künftige Nutzung sanft weiterentwickelt werden?“, so Gallis abschließend.

kuz

 

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Ein Gedanke zu “Kulturzentrum Mattersburg – 20% sind zu wenig!

  1. Schade das überhaupt 20% übrigbleiben. Der Name des Baustiles, Brutalismus sagt doch schon genug. Offene Betonplatten sind nicht jedermanns Sache und ich persönlich empfinde das alte KUZ Mattersburg als absolut häßlich. Weg mit dem ganzen und eiun neues schönes KUZ bauen wäre angebracht.

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