TTIP geht uns alle an!

Donnerskirchen, 18. 3. 2016 –

spö

v.l.n.r. GF Global 2000 Leonore Gewessler, EU-Abgeordnete Karin Kadenbach, LK-Präsident Franz Stefan Hautzinger, Mag.a Cornelia Krajasits, GF VÖWG MMag.a Heidrun Maier-de Kruijff, Landesrätin Verena Dunst und AK Handelsexpertin Eva Dessewffy

Landesrätin Verena Dunst organisierte in Kooperation mit LK-Präsident Franz Stefan Hautzinger eine Informationsveranstaltung zum viel diskutierten und kontroversiellen Thema „TTIP – Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft“ zwischen der EU und den USA. Vier namhafte Expertinnen legten die harten Fakten von TTIP auf den Tisch. „Ich bin schockiert, was TTIP für Europa und auch das Burgenland bedeuten würde“, sagt LRin Dunst nach der Diskussion.

TTIP geht uns alle an! Die Auswirkungen sind noch nicht ausreichend bekannt. Allerdings die Dinge, die bereits an die Öffentlichkeit gedrungen sind, verheißen nichts Gutes, stellen LRin Dunst und LK-Präsident Hautzinger fest. Alle wichtigen Lebensbereiche sind vom Freihandelsabkommen betroffen. Über das Ausmaß können nur Spekulationen angestellt werden. Fakt ist, dass jahrzehntelang bestehende Standards und die hart erkämpfte Kennzeichnung von Lebensmitteln durch TTIP Gefahr laufen, abgeschafft zu werden, erläutert EU-Abgeordnete Karin Kadenbach. Eine sehr negative Entwicklung, auf welche auch die drei anderen Expertinnen in der Podiumsdiskussion zu sprechen kamen. „Wenn TTIP in dieser Form kommt, bedeutet das die Aushebelung der europäischen Demokratie und davor habe ich ehrlich gesagt Angst“, sagt Abgeordnete Kadenbach.

Den zahlreichen InteressentInnen wurden Fakten dargelegt, die sie teilweise erstarren ließen. In Europa wurden über Jahrzehnte Handelshürden aufgebaut, um die KonsumentInnen vor gentechnisch veränderten und nach unseren Standards gesundheitsgefährdenden Produkten zu schützen. Durch TTIP würden wir aber mit solchen Lebensmitteln und Billigstprodukten überschwemmt werden, was den EU-Binnenmarkt zerstören könnte. Ökonomische Erwartungen brauchen wir uns keine machen, denn diese werden sehr bescheiden sein. Um es mit konkreten Zahlen zu sagen: zehn Jahre nach Inkrafttreten von TTIP gäbe es nur 0,5 Prozent ökonomische Zuwächse. Auch der Arbeitsmarkt wäre betroffen, denn laut einer Studie soll es in der EU zu einem Rückgang der Beschäftigung um 600.000 Arbeitsplätze kommen. Das ist aber noch nicht alles: auch mit einem Einkommensverlust von 165 bis 5000 Euro pro Kopf pro Jahr ist zu rechnen. „Natürlich haben wir schon einiges gewusst über TTIP, doch das, was uns die Expertinnen heute alles präsentiert haben ist besorgniserregend“, zeigt sich LRin Dunst betroffen.

Die Gäste fragten vor allem nach den Auswirkungen für die landwirtschaftliche Vielfalt im Burgenland. „Der größte Verlierer des Abkommens zwischen den USA und der EU ist der landwirtschaftliche Markt“, betonten die vier Expertinnen. Man kann sich das so vorstellen, als würden zwei verschiedene Sportarten auf dem gleichen Spielfeld zur gleichen Zeit stattfinden. „Das kann nicht funktionieren“, sagt Agrarlandesrätin Dunst. „Unsere Landwirtschaft besticht durch Biodiversität, Qualität, biologischen Anbau und vor allem frei von Gentechnik, während die US-Landwirtschaft aus Monokulturen besteht, die noch dazu mit bei uns verbotenen Pestiziden behandelt sind“, so Dunst weiter.

„Die Informationsveranstaltung hat uns viel gebracht und uns vor allem Einblicke gegeben, die wir vorher noch nicht kannten“, resümierten die ZuhörerInnen am Ende des Abends. „Es ist wichtig, dass wir die Burgenländerinnen und Burgenländer über das Freihandelsabkommen informieren und ich freue mich über die hohe Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Diskussion mit den Expertinnen“, sagt LRin Dunst. Für das Südburgenland ist diese TTIP-Veranstaltung am 8.April 2016 in Güssing geplant.

 

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