Gewaltiger Gender Income Gap bei Unternehmerinnen

Eisenstadt, 3. 8. 2016 –

Mangelhafte Strukturen in der Kinderbetreuung als Barriere für die Selbständigkeit von Frauen

Frauen haben im Vergleich zu Männern ein niedrigeres Einkommen, eine mangelhafte soziale Absicherung und kämpfen mit schlechten Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: »Ein Unterschied zwischen Frauen im Angestelltenverhältnis und jenen, die sich selbständig machen, ist dabei kaum noch zu bemerken«, stellt Verena Florian, Leiterin der Arbeitsgruppe Frauen in der Grünen Wirtschaft und Mitglied der burgenländischen Landesleitung, fest. Klassische Erwerbsarbeit und selbständiges Unternehmertum nähern sich einander in diesem Sinn an und sind nicht mehr einzeln zu betrachten. »Das gilt zwar ebenso für Männer – aber die verdienen wenigstens etwas mehr«, sagt Florian.

Konkret liegt das Median-Einkommen von ausschließlich selbständigen Frauen laut Statistik Austria (Allgemeiner Einkommensbericht 2014, letzte verfügbare Zahlen aus 2013) bei nur 8.023 Euro im Jahr (vor Steuern), während Männer auf immerhin 14.472 Euro kommen. Eine Differenz von über 40% zu Ungunsten der Frauen. Und das, obwohl selbständige Frauen oberflächlich betrachtet keine Einschränkungen in ihren Möglichkeiten hätten, insgesamt besser ausgebildet sind als Männer und nach und nach in technische Berufe einwandern.

Folgende Gründe sind ausschlaggebend für die soziale Schieflage:

  1. Erzwungenes Unternehmertum: Viele Frauen machen sich nicht freiwillig selbstständig, sondern tun das v.a., weil sie wegen ihrer Kinderbetreuungspflichten nicht in einem Angestelltenverhältnis unterkommen. »Das allein ist aber kein erfolgreiches Geschäftsmodell«, stellt Florian fest.
  2. Doppelbelastung: »Frauen sind den Männern rechtlich zwar gleichgestellt, haben aber in der Familie nach wie vor die gleichen Pflichten wie früher. Noch immer sind Kinder und Haushalt das Thema v.a. der Frauen«, so Florian.
  3. Schlechte Rahmenbedingungen: Es braucht flächendeckend mehr Krippenplätze für die 1-3 Jährigen mit flexible(re)n Öffnungszeiten.

Mit ein Grund dass sich wenig an den Rahmenbedingungen ändert, ist für Landessprecherin Anja Haider-Wallner die geringe Präsenz von Frauen in den Entscheidungsgremien der Wirtschaftskammer. „Bei einem Frauenanteil von 0% im Präsidium und 12% im Wirtschaftsparlament kann davon ausgegangen werden, dass Positionen aus weiblicher Sicht kaum Thema der wirtschaftspolitischen Debatte sind.“ Dieses Defizit kann aus ihrer Sicht durch die punktuell gute Arbeit von „Frau in der Wirtschaft“, über die Selbstständige z.B. nach der Geburt Betriebshilfen organisieren können, nicht ausgeglichen werden. Doch auch das Konzept der Betriebshilfe zeigt die konservative Sicht der Wirtschaftskammer auf die Aufgabenverteilung in der Familie: Scheinbar müssen selbstständige Väter sich nicht freinehmen, wenn ein Kind krank ist oder eine Behinderung hat. Die Betriebshilfe wird nur für Frauen angeboten.

Die Grüne Wirtschaft bietet im Burgenland Workshops und Vernetzungsveranstaltungen für UnternehmerInnen an – vor allem für EPUs. Dabei geht es nicht um Stylingfragen, sondern um Eigenmarketing, Selbstwert, unternehmerische Fähigkeiten, »female role models« und das Knüpfen von Netzwerken. Denn, so ist Verena Florian sicher: »Am besten unterstützen selbstständige Frauen einander, wenn sie Mut und Selbstvertrauen zeigen, ihr ganzes Potential ausschöpfen und es auch in ihrem Business umsetzen.«

 

 

Share Button

Schreibe einen Kommentar