Sicher durch die Silvesternacht

Eisenstadt, 29. 12. 2015 –

2015-08-24-2-Verena Dunst

Konsumentenschutzlandesrätin Verena Dunst warnt vor sorglosem Umgang mit Feuerwerkskörpern zu Silvester

Geschätzte 10 Millionen Euro werden jeden Silvester in Österreich „verpulvert“. Neben Hörschäden für Mensch und Tier verursachen Feuerwerkskörper Jahr für Jahr schwere, auch lebensgefährliche Verletzungen und erhebliche Schäden an Objekten. „Rund tausend Personen tragen jedes Jahr mitunter schwere Hörschäden davon, unzählige Personen müssen wegen Verbrennungen und anderer schwerer Explosionsverletzungen im Spital behandelt werden. Leider sind immer wieder auch Kinder betroffen. Ebenso leiden unsere Haustiere massiv unter den Folgen des Lärms“, erklärt die für Konsumentenschutz und Produktsicherheit zuständige Landesrätin Verena Dunst. Vor allem im Ausland oder aus Auto-Kofferräumen billig eingekaufte Ware entspricht oft nicht den in Österreich gültigen Bestimmungen. Die Beachtung einiger Grundregeln kann vor Verletzungen schützen.

Noch immer werde der Umgang mit Feuerwerkskörpern stark unterschätzt. „Vor allem acht- bis fünfzehnjährige Buben stellen dabei eine besondere Risikogruppe dar. Auf sie üben Raketen eine besondere Faszination aus“, so Dunst. Hände und Gesicht sind bei Unfällen am häufigsten betroffen. „Jedes zehnte Kind, das mit solchen Verletzungen in die Ambulanz kommt, muss sogar stationär aufgenommen werden“. Detail am Rande: 80 % der Verletzungen sind bei der männlichen Bevölkerung zu verzeichnen, zu 80 % handelt es sich um Brandverletzungen.

Schweizer Kracher seit 2013 verboten

Die größte Gefahr geht von Raketen aus, weiß LRin Dunst: „Diese sind in ihrer Flugbahn unberechenbar, fliegen mit bis zu 200 km/h und dürfen keinesfalls im Ortsgebiet gezündet werden“. Gänzlich verboten sind seit 2013 „Schweizer Kracher“. „Ein Schweizer Kracher, der in der Hand explodiert, reißt die Finger weg“, warnt Dunst eindringlich. 600 Rettungseinsätze wegen Verletzungen durch Pyrotechnik würden im Schnitt zu Silvester durchgeführt. Vermieden werden sollten grundsätzlich alle Artikel, die nur enormen Lärm verursachen.

Keine Billigkäufe aus Auto-Kofferräumen

Nicht nur die Verwendung, schon die Lagerung birgt Gefahr: Verpackungen nehmen meist Feuchtigkeit auf, und explodieren deshalb auch unkontrolliert. Vorsicht ist aber schon beim Erwerb von pyrotechnischen Artikeln geboten: „Ich kann von Feuerwerk – Billigkäufen aus Auto-Kofferräumen nur abraten und den Kauf zertifizierter Produkte bei seriösen Unternehmen empfehlen“, betont Dunst, und weiter “Dass noch immer viel zu sorglos umgegangen wird, zeige der Umstand, dass jedes Jahr zu Silvester rund 600 Rettungseinsätze wegen pyrotechnischer Unfälle gefahren würden.“

Pyrotechnische Artikel müssen „CE“-Zeichen tragen

Aufschluss über die Gefahrenklasse und weitere Informationen wie z.B. zum Hersteller oder zur enthaltenen Sprengstoffmenge gibt das „CE“-Zeichen, das alle in Österreich verkauften Feuerwerkskörper tragen müssen. „Ich rate dringend, pyrotechnische Artikel nur im Inland und im Fachhandel zu kaufen. In Österreich funktioniert die Marktüberwachung, und das garantiert Ware, die allen Vorschriften entspricht“, erklärt Dunst. Wichtig sei auch zu wissen, dass Feuerwerkskörper und Raketen Sprengstoff sind und deshalb nicht an Jugendliche unter 18 Jahren abgegeben werden dürfen. Das Pyrotechnikgesetz 2010 enthält alle einschlägigen Bestimmungen.

Beachtung von Grundregeln schützt vor Verletzungen
Durch die Beachtung einiger Grundregeln lassen sich Gefahren minimieren:
-Im Nahbereich der Abschusszone der Feuerwerkskörper – nur im Freien! – dürfen sich keine unbefugten Personen und vor allem keine Kinder befinden.
-Gebrauchsanweisung vor allem auch bei Raketen unbedingt sorgfältig beachten
-Niemals auf Menschen oder Tiere richten
-Feuerwerkskörper nicht in oder auf Häuser, insbesondere nicht durch Fenster, und nicht unter oder auf stehende oder fahrende Fahrzeuge werfen
-Feuerwerkskörper so aufbewahren, dass keine Selbstentzündung möglich ist
-Kracher nie in geschlossenen Behältern zünden – Splittergefahr
-Raketen nur aus einer „Abschussrampe“ abfeuern (zB. fest verankerte leere Flaschen oder Röhren)
-Nie über startende Raketen beugen und Sicherheitsabstand einhalten
-Knallkörper keinesfalls in der Hand zünden!
-Niemals mehrere Feuerwerkskörper bündeln
-Auf „Blindgänger“ besonders achten – Blindgänger erst nach längerer Zeit unbrauchbar machen (zB. mit Schnee) und dann sicher entsorgen. Niemals nochmals zünden
-Im alkoholisierten Zustand kein Feuerwerk zünden
-Kinder nie unbeaufsichtigt Feuerwerkskörper abbrennen lassen
-Nicht gezündete Feuerwerkskörper niemals nachzünden

Alle Jahre wieder erleben unsere Haustiere zum Jahreswechsel Lärm und Knallerei
Für viele Haustiere aber auch Wildtiere ist die Silvesternacht die schlimmste Nacht des Jahres, denn die Tiere reagieren besonders sensibel auf Geräusche. Der Lärm von Feuerwerkskörpern stellt sich nicht allmählich ein, sondern kommt überfallsartig und die Tiere haben nicht die Möglichkeit sich darauf vorzubereiten. Die Geräusche des Feuerwerks treten aus Sicht der Tiere unberechenbar auf und sind nicht nur extrem laut, sondern gehen auch mit das Tier eventuell zusätzlich ängstigendem Brandgeruch und Lichtblitzen einher. Zudem wird nicht nur direkt zum Jahreswechsel geschossen, sondern oft schon vom Nachmittag bis weit in den Morgen hinein.
Auch Nutztiere sind davon schwer betroffen. Sie haben nicht die Möglichkeit in ihren Ställen oder Koppeln dem Lärm auszuweichen. Durch die Herdenhaltung kommt es, vor allem bei Geflügel, häufig zum Zusammenlaufen der Tiere durch extremen Stress und dadurch zu Erdrückungsverlusten.

Was kann jeder Einzelne tun?
-Verlegen sie das Abbrennen von Feuerwerkskörpern an den Ortsrand oder zumindest weg von Nutztierstallungen.
-Das Silvesterfeuerwerk stellt in vieler Hinsicht eine besondere Herausforderung für das Nervenkostüm der Tiere da: Schon das Knallen im Vorfeld des eigentlichen
Silvesterfeuerwerks erhöht das Erregungsniveau immer mehr, so dass bis zum eigentlichen
Silvesterfeuerwerk „die Nerven schon blank liegen“. Konzentrieren sie daher den Lärm auf eine kurze Zeit rund um den Jahreswechsel.

Treffen sie Vorkehrungen für ihre Tiere
-Fernseh- oder Radiogerät einschalten
-Spaziergang schon am Nachmittag nur an der Leine
-Jalousien und Vorhänge schließen
-wenn möglich feiern sie mit ihren Tieren gemeinsamVögel, Meerschweinchen, Kaninchen usw. vom Fenster wegstellen und eventuell abdecken.
-Sie kennen ihre Tiere – wenn sie wissen, dass es immer besonders arg ist, wenden sie sich an ihren Tierarzt!
-Räumen sie die Reste des Feuerwerks wieder weg; häufig gelangen Kunststoff- oder Metallteile in das Viehfutter und können noch Monate nach der Silvesternacht schwere gesundheitliche Störungen auslösen.

„Ein Feuerwerk kann wunderschön sein, viel Freude bereiten und den Jahreswechsel zu etwas Besonderem machen. Das neue Jahr soll aber nicht wegen Unwissenheit oder Sorglosigkeit im Spital beginnen. Genießen sie eine wunderschöne Silvesternacht, denken sie aber auch daran, dass nicht für alle Lebewesen Lärm Freude bedeutet“, betont Dunst abschließend.

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