Stiefkind Burgenland im öffentlichen Verkehr

Eisenstadt, 17. 12. 2015 –

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Seit Montag gilt der neue ÖBB-Fahrplan. Vielen burgenländischen Pendlern und Schülern erscheinen die Fahrplanänderungen als Schikane. Größere Ausbauten der Infrastruktur sind laut ÖBB-Rahmenplan 2016-2021 erst im nächsten Jahrzehnt geplant.

Der neue ÖBB-Fahrplan stellt viele Burgenländer, speziell Pendler und Schüler, vor große Herausforderungen. „Seit Inkrafttreten der neuen Fahrzeiten haben uns zahlreiche Mails und Anrufe verärgerter Bürger erreicht. Sie appellieren an uns als starke Alternative im Burgenland hier rasch aktiv zu werden, weil der Fahrplan eine Schikane für burgenländische Pendler ist“, erzählt Landesparteiobmann Thomas Steiner.

Konkrete Beispiele aus dem Bezirk Eisenstadt Umgebung

  • Ein verärgerter Vater: Einer von zwei Bussen um 13.40 Uhr vom Gymnasium Wolfgarten zum Domplatz wurde gestrichen. Geht das Kind zu Fuß, verpasst es den Anschlussbus. Quetschen sich die Kinder in den völlig überfüllten Bus, setzen sie ihre Sicherheit aufs Spiel.
  • Eine Mutter aus St. Margarethen: Ihre Tochter geht in Wr. Neustadt zur Schule. Der Zug von Eisenstadt nach Wr. Neustadt um 6.45 Uhr wurde mit der Fahrplanänderung komplett gestrichen, bleibt nur noch der Bus um 6.30 Uhr, um rechtzeitig in die Schule zu gelangen. Bis also der Unterricht um 8 Uhr beginnt, ist das Kind schon zwei Stunden unterwegs.

„Das Burgenland braucht eine zukunftsweisende Mobilitätstrategie“, ist sich Steiner sicher. Mit einem funktionierenden Zusammenspiel verschiedener Verkehrsmittel, dem bedarfsgerechten Ausbau der Infrastruktur und dem Einsatz umweltschonender Ressourcen. „Leider wird in den Zukunftsplänen von ÖBB, Asfinag und Co. das Burgenland gerne vernachlässigt“, kritisiert Landesparteiobmann Steiner. „Für unseren Geschmack sind viel zu wenige Verbesserungen bis 2021 vorgesehen. So hätte beispielsweise schon im ersten Halbjahr der S7-Bau beginnen sollen. Von Baggern fehlt aber immer noch jede Spur.“

Bahninfrastruktur: Verbesserungen lassen auf sich warten

Der von SPÖ-Verkehrsminister Stöger vorgestellte ÖBB Rahmenplan 2016-2021 sorgte schon bei seiner Bekanntgabe für Unmut. „Einmal mehr wurden burgenländische Projekte hintan gereiht. Vor allem das Südburgenland wird stiefkindlich behandelt“, ist Landesgeschäftsführer Christoph Wolf verärgert. Dass im ÖBB Rahmenplan die langjährige ÖVP-Forderung nach einer Schleife Müllendorf-Eisenstadt berücksichtigt wurde, ist nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein: Geplant ist die Errichtung eines rund 1,8 Kilometer langen Schleifengleises, das die Strecke Wulkaprodersdorf/Bruck an d. Leitha mit der Raaberbahnstrecke Wulkaprodersdorf/Eisenstadt verbindet. Als Baubeginn wurde noch 2015 angekündigt, eine Inbetriebnahme für Ende 2016 anberaumt. Ansonsten wird bis 2021 nur in das Bestandsnetz investiert.

Weitere Verbesserungen der ÖBB-Infrastruktur, von denen zumindest die Nord-Burgenländer profitieren, sind erst im neuen Jahrzehnt vorgesehen: Ein zweigleisiger Ausbau der Pottendorferlinie und die Errichtung der Schleife Ebenfurth. „Unter einer Mobilitätsstrategie mit Weitblick verstehen wir, dass jetzt etwas passiert, und nicht erst in fünf oder zehn Jahren. Immer mehr junge Leute wandern aus dem Burgenland ab, weil sie hier keine Arbeit finden und das Pendeln zu umständlich ist. Nur mit funktionierenden öffentlichen Anbindungen können wir dieser Entwicklung entgegenwirken und das Burgenland auch für Betriebsansiedelungen wieder interessanter machen“, so Wolf, der deshalb eine Vorreihung der Burgenländischen Projekte fordert.

Öffentlicher Verkehr im Burgenland: die VP-Forderungen im Überblick

Ein gut ausgebauter öffentlicher Verkehr fördert individuelle Freiheit und ermöglicht Chancengerechtigkeit in einer Gesellschaft. Darüber hinaus ist er für die Wirtschaft und damit auch für die regionale Entwicklung eine wesentliche Voraussetzung. Die Volkspartei bringt deshalb regelmäßig konkrete Vorschläge zur Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs ein. Hier die letzten im Überblick:

  • TOP-Jugendticket: Derzeit gilt dieses vom Verkehrsverbund Ostregion VOR um 60 Euro angebotete Ticket nur für Schüler und Lehrlinge bis zum 24. Lebensjahr. Wir fordern ein ausbildungsunabhängiges TOP-Jugendticket, das auch Studenten inkludiert.
  • Mehr Sicherheit in Schulbussen: Zahlreiche überfüllte Schulbusse rollen jeden Tag durch das Burgenland. Wir arbeiten mit einer Petition für eine Abschaffung der 3:2-Zählregel in Schulbussen. Die Burgenländische Landesregierung haben wir aufgefordert, die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit zu Stoßzeiten die Anzahl der Schulbusse erhöht werden kann.
  • Landesausschuss für Verkehr: Ein Landesausschuss wäre ein geeignetes Instrument, um sich mit neuen Verkehrskonzepten befassen, Experten anzuhören, Vorschläge von Bevölkerung und regionalen Entscheidungsträgern zu beurteilen und dem Landtag fachlich fundierte Vorschläge zu übermitteln.

 

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