Vollversammlung der Bgld. Landwirtschaftskammer

Eisenstadt, 16. 12. 2015 –

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Vollversammlung der Burgenländischen Landwirtschaftskammer

am Mittwoch, den 16. Dezember 2015, um 10.30 Uhr

Die Vollversammlung wurde dieses Mal in der Raiffeisen Lounge des Raiffeisen Finanz Centers Eisenstadt, in der Friedrich Wilhelm Raiffeisen-Straße 1, abgehalten.

Präsident Hautzinger zieht in der Vollversammlung der Burgenländischen Landwirtschaftskammer Bilanz über das zu Ende gehende Jahr 2015 und setzt auf Kostensenkungen in den heimischen Betrieben.

„Es ist schon mehrere Jahre her, dass sich unsere landwirtschaftlichen Betriebe zum Jahresende über ein Einkommensplus freuen konnten. Die Tragik beim bäuerlichen Einkommen zeigt sich in besonderer Weise beim Vergleich des Zeitraumes von 2012 bis 2014. Hier muss man laut Grünem Bericht 2015 zähneknirschend ein Minus von 7 % für unsere Bauern zur Kenntnis nehmen. Laut aktuellster Information wird das Bauerneinkommen 2015 – mit einem Minus von 2,6 % – erneut rückläufig sein. Bei Beamten oder Metallarbeitern wäre ein Gehaltsrückgang in diesem Ausmaß undenkbar. Auch das Jahr 2015, in dem wir eine Hitze- und Dürrezeit mit den bisher meisten Wüstentagen in Mitteleuropa hatten und wir im Burgenland Ernteschäden von 20 Millionen Euro hinnehmen mussten, lässt mich nicht zuversichtlich sein“, sagte der Präsident der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, Franz Stefan Hautzinger, anlässlich der heutigen Vollversammlung der Landwirtschaftskammer in Eisenstadt.

Präsident Hautzinger weiter: „Volatilere Preise und Märkte konfrontieren unsere Bauern mit immer größer werdenden Einkommenssprüngen, die eine wirtschaftliche Planbarkeit mit betrieblichen Investitionen zusehends erschweren. Neben den zunehmenden Wetterkapriolen plagt uns nach wie vor das Russlandembargo. Dieses wirkt sich extrem negativ auf die Preise für Schweinefleisch, Milch, Obst u. a. Agrarprodukte aus. Die Europäische Union ist hier mehr als heuchlerisch. Auf der einen Seite machen führende EU-Politiker Präsident Putin ständig den Hof bzw. ihre Aufwartungen, auf der anderen Seite stellen sie sich taub, wenn es darum geht das Russlandembargo zu beenden. Ich hoffe, dass sich die EU hier besinnt und von Sanktionen auf Kosten der europäischen Bauernschaft und anderer Wirtschaftsbereiche, die nichts gebracht haben, ehestens abrückt“.

 

Entlastung und Kostenreduzierung für landwirtschaftliche Betriebe und Schaffung von mehr Sicherheit durch Mehrgefahrenversicherung

„Unsere Bauern sind nicht nur Lebensmittel- und Rohstoffproduzenten, sondern sie pflegen und gestalten die Kulturlandschaft, welche die Basis für eine florierende Tourismuswirtschaft bildet. Daher fordern wir für unsere Bauern Maßnahmen, die sie vom wirtschaftlichen und bürokratischen Druck entlasten. Wiedereinführung der Mineralölsteuervergütung – Im Gegensatz zu anderen Ländern der Europäischen Union wird in Österreich seit 3 Jahren keine Mineralölsteuerrückvergütung an die bäuerlichen Betriebe mehr vorgenommen, was zu einem großen wirtschaftlichen Wettbewerbsnachteil führt. Diesel ist als wichtigster Treibstoff für die landwirtschaftlichen Maschinen einer der größten Kostenverursacher in der landwirtschaftlichen Produktion. Zudem werden die Einnahmen aus der Mineralölsteuer primär für den Straßenbau und für die Straßenerhaltung verwendet. Die Bauern verbrauchen Diesel aber vorwiegend mit ihren Traktoren, Mähdrescher und sonstigen Maschinen für die Bearbeitung der land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Eine weitere Möglichkeit wäre, der Landwirtschaft die Verwendung eines preisgünstigen gefärbten ‚grünen Diesel’, der geringer besteuert wird, zu ermöglichen. Egal wie, die Landwirtschaft muss umgehend vom enormen Kostendruck entlastet werden. Wenn wir den gigantischen Kostendruck für unsere Betriebe nicht in den Griff bekommen, wird sich der Strukturwandel weiter fortsetzen. Die Folgen wären fatal, weil die Bauern keine flächendeckende Bewirtschaftung mehr vornehmen könnten und damit auch die inländische Ernährungssicherheit gefährdet ist“, befürchtete der Kammerpräsident.

„Um die Bauern vor – durch den Klimawandel – immer mehr zunehmenden Ertrags- und damit Einkommenseinbußen bestmöglich zu schützen, ist es unbedingt notwendig, das Risikomanagement unserer bäuerlichen Betriebe zu verbessern. Dazu brauchen wir neben der gut aufgestellten Hagelversicherung eine weiterentwickelte Mehrgefahrenversicherung, die von Bund und Land unterstützt wird und den Landwirten größtmögliche Sicherheit gibt. Hier müssen alle politischen Parteien an einem Strang ziehen. Ein politisches Hickhack ist in diesem Zusammenhang mehr als problematisch, weil Existenzen auf dem Spiel stehen“, stellte Präsident Hautzinger fest.

 

Kantinen von Bund, Ländern und anderen öffentlichen Einrichtungen können nun auch beste statt billigste Lebensmittel einkaufen

„Tagtäglich werden über zwei Millionen Mahlzeiten in öffentlichen Verwaltungsgebäuden, Schulen, Internaten, Spitälern, Altersheimen und Kasernen gegessen. Nunmehr können dafür regionale Lebensmittel eingekauft werden, da das Parlament mit der Novelle zum Bundesbeschaffungsgesetz das Prinzip Bestbieter statt Billigstbieter beschlossen hat. Betroffen von dieser neuen Regelung sind Eier, Milch, Butter, Fleisch, Obst und Gemüse. Nun gilt es, rasch alle Beschaffungspläne des Bundes und der Bundesländer der neuen Situation anzupassen. Auf diese Weise kann Regionalität beim Lebensmitteleinkauf aktiv vorgezeigt und gelebt werden. Der Gesetzgeber hat hier klargestellt, dass die hohen heimischen Standards, wie Gentechnikfreiheit oder bessere Tierwohl-Regeln auch für die Einkäufe von öffentlichen Einrichtungen gelten sollen. In weiterer Folge ist das Bestbieterprinzip für Lebensmittel zu erweitern, etwa um Getreideprodukte oder Käse. Diese Novelle ist ein erster Schritt zu mehr Klarheit, weil die Herkunft von Agrarprodukten klar und deutlich erkennbar sein muss“, betonte Hautzinger.

 

„Nunmehr geht es auch darum, bei verarbeiteten Fertigprodukten und in Gasthäusern die Herkunft von verwendeten Agrarprodukten klar und unmissverständlich zu kennzeichnen. So wie der Konsument bei Lebensmitteln im Kaufregal mit dem AMA-Gütesiegel und dem AMA-Biozeichen eindeutige Informationen über die heimische Herkunft hat, müssen auch für Fertigprodukte im Supermarkt und für Speisen im Gasthaus genaue Hinweise über die Herkunft der Agrarprodukte auf der Verpackung bzw. auf der Speisekarte aufscheinen“, so Hautzinger.

 

Wortmeldungen / Debattenredner

Neben Präsident Ök.-Rat Franz Stefan Hautzinger meldeten sich bei der Vollversammlung auch die Kammerräte Landesbäuerin Eva Rieschl (Bericht des Bäuerinnenbeirates), Gerhard Pfneisl, Maria Portschy, Bürgermeister Ök.-Rat Adalbert Endl und Vizepräsident Bürgermeister Ök.-Rat Adalbert Resetar vom ÖVP-Bauernbund sowie Gerald Pieler und Bürgermeister Ök.-Rat Josef Wetzelhofer von den SPÖ-Bauern als Debattenredner zu Wort.

 

Verleihung der Kammermedaille in Gold an Generalsekretär Dipl.-Ing. August Astl

Aufgrund seiner großen Verdienste um die burgenländische Landwirtschaft und sein Eintreten für die Interessen der burgenländischen Bäuerinnen und Bauern hat die Burgenländische Landwirtschaftskammer an den Generalsekretär der Landwirtschaftskammer Österreich, Dipl.-Ing. August Astl, die Kammermedaille in Gold verliehen. Die Verleihung dieser höchsten burgenländischen Landwirtschaftskammerauszeichnung an Herrn Generalsekretär Astl nahm Präsident Hautzinger im Rahmen der Vollversammlung vor.

 

Neuangelobung von Johann Hafenscher als Kammerrat in der Vollversammlung

Bei der Vollversammlung wurde auch ein neuer Kammerrat, nämlich Johann Hafenscher aus Lindgraben angelobt. Herr Kammerrat Hafenscher (SPÖ-Bauern) übernimmt das Mandat von Herrn Kammerrat Joachim Hier aus Stegersbach, der aus beruflichen Gründen seinen Sitz in der Vollversammlung der Burgenländischen Landwirtschaftskammer zurückgelegt hat.

 

Landwirtschaftskammer ist zuverlässiger Partner für die Landwirte

„Die Burgenländische Landwirtschaftskammer, welche das Jahr 2016 wieder ausgeglichen budgetiert, und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden auch im kommenden Jahr den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Fachberatung sowie auf eine hochqualitative Aus- und Weiterbildung der Bäuerinnen und Bauern legen. Ziel muss sein, die bestmöglichen Voraussetzungen für eine wirtschaftlich gut aufgestellte und ökologisch ausgerichtete Land- und Forstwirtschaft sicher zu stellen“, so Präsident Hautzinger abschließend.

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