ICH WILL, ABER KANN NICHT…

Eisenstadt, 14. 12. 2015 –

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Unter dem Slogan „Damit du kannst, wenn du willst!“ warben die Grünen im vergangenen Landtags-Wahlkampf für den Ausbau der Öffis. Nach dem gestrigen Fahrplanwechsel rufen sie nun die BurgenländerInnen auf, ihre Wünsche für den Öffentlichen Verkehr bekannt zu geben.

Konkret sollen die Burgenländerinnen und Burgenländer die Möglichkeit haben, bekannt zu geben, welche Öffentlichen Verkehrsverbindungen ihnen fehlen – und zu welchen Zeiten. Unter der Adresse http://burgenland.gruene.at/ich-will-aber-kann-nicht können sie bis Ende Jänner eintragen, wann sie gerne von A nach B fahren würden, aber mangels öffentlicher Verkehrsverbindung leider nicht können.

Die gesammelten Wünsche wollen die beiden Grünen Abgeordneten dann an die Verantwortlichen bei Bund und Land übermitteln und damit ihr Wahlversprechen einlösen. Gleichzeitig setzen sich Petrik und Spitzmüller auch politisch weiterhin intensiv für den Ausbau der Öffentlichen Verkehrsmittel im Burgenland ein.

„Das Burgenland hat den Weg zum Energiewandel ganz gut gemeistert, im Bereich Verkehr sind wir allerdings GeisterfahrerInnen“, stellt Wolfgang Spitzmüller fest. Die Verkehrspolitik des Landes zwingt die Bevölkerung geradezu ins Auto – mit allen negativen Auswirkungen für das Klima und die Menschen in diesem Land.“

PROBLEMATISCH FÜR JÜNGSTE UND ÄLTESTE

Vor allem im Süd- und Mittelburgenland und ganz besonders während der schulfreien Zeit ist der öffentliche Verkehr praktisch kaum vorhanden. „Darunter leiden wiederum insbesondere jene, die sehr jung oder bereits älter sind und somit nicht selbst mit dem Auto fahren können. Wir wollen diesen Menschen eine Möglichkeit geben, ihre Wünsche und Ideen zu äußern.“ Spitzmüller weiß wovon er spricht, ist er doch so weit möglich Öffentlich unterwegs und hat damit auch unter den Tücken des Öffentlichen Verkehrssystems zu leiden.

FAHRPLANWECHSEL BRINGT AUCH VERSCHLECHTERUNGEN

Der gestrige Fahrplanwechsel hat zweifelsohne Verbesserungen gebracht, allerdings vor allem für jene, die weiter weg fahren. Für die täglichen PendlerInnen bedeutet er aber oft früheres Aufstehen. Ein konkretes Beispiel aus dem Mittelburgenland: An die 150 Schülerinnen und Schüler aus dem Bezirk Oberpullendorf haben ihre Schulwahl auf die HTL, das BORG, die BAKIP und die HLW in Wr. Neustadt unter anderem vor dem Hintergrund der vergleichsweise guten Erreichbarkeit dieser Schulen mit öffentlichen Verkehrsmitteln getroffen. Ein Zug, der bis zum gestrigen Fahrplanwechsel um 06.48 Uhr von Deutschkreutz wegfuhr, ermöglichte eine unkomplizierte, zeitlich gesehen zielsichere Verbindung, um rechtzeitig im Unterricht zu erscheinen. Nun wird dieser Zug 11 Minuten später geführt, was es verunmöglicht, dass die SchülerInnen rechtzeitig zu Unterrichtsbeginn in ihren Klassenzimmern sind. Sie müssen eine frühere Verbindung nehmen, die obendrein ein Umsteigen in Sopron erfordert. Der Schulweg wird damit nicht nur deutlich verlängert und verkompliziert, sondern auch unsicherer, da auf allfällige Zugverspätungen keine Rücksicht genommen wird und – vor allem für HTL-SchülerInnen – das Mittragen von umfangreichen Lernmaterialien häufiges Umsteigen besonders beschwerlich macht.

Da es aus dem mittleren Burgenland keine SchülerInnen-tauglichen öffentlichen Verkehrsverbindungen zu den höheren Schulen in Pinkafeld gibt, ist dieses wertvolle Bildungsangebot für viele burgenländischen Jugendlichen nicht nutzbar.

Darüber hinaus beklagen viele Jugendliche, dass sie ihren Nachmittagsunterricht immer wieder vor Unterrichtsende verlassen müssten, weil sie sonst den letzten Bus in ihre Wohngemeinde nicht mehr erreichen würden. So werden Eltern vor die Wahl gestellt, ihre Kinder mit dem Privatauto zu chauffieren, damit sie nichts vom regulären Unterricht versäumen, oder eben dieses in Kauf zu nehmen.

VERKEHRSPOLITIK HAT ÖKOLOGISCHE UND SOZIALE REICHWEITE

Die politische Entscheidung, welchen Stellenwert der Öffentliche Verkehr im Rahmen eines Gesamtverkehrskonzepts eines Bundeslandes bekommt, hat ökologische und soziale Reichweite, erklärt Landessprecherin Regina Petrik. Was die ökologische Komponente anbelangt, habe die Weltklimakonferenz in Paris nun auch einen unmissverständlichen Standpunkt vertreten: die Klimaziele, die einzuhalten sind, um massive Schäden an Natur und Mensch zu vermeiden, können nur mit der deutlichen Reduktion von CO2-Ausstoß und damit verbunden mit einem Ausstieg aus fossiler Energie erreicht werden. Der Verkehr ist hier Hauptverursacher in der Produktion von klimaschädlichen CO2-Emissionen und hat großen Anteil am Klimawandel.

Fast 90 Prozent der Energie für den Verkehr im Burgenland kommen aus Mineralölprodukten. „Wir sind daher massiv vom Erdöl abhängig. Zudem werden Ölfördermethoden immer aufwändiger und umweltschädlicher. Im Burgenland hat der Individualverkehr als wesentlicher Verursacher von CO2-Emissionen aber weiterhin einen so hohen Stellenwert, weil der Öffentliche Verkehr nicht mit der nötigen Entschiedenheit vorangetrieben wird“, kritisiert Petrik.

KONSEQUENTE UMSETZUNG NÖTIG

„Das sehen wir etwas auch in Eisenstadt, wo auf langjähriges Drängen der Grünen und den Ergebnisse eines Bürgerbeteiligungsprozesses entsprechend ab Herbst 2016 endlich ein Stadtbussystem eingeführt wird. Doch auch hier besteht die Gefahr, dass der Schritt nicht beherzt und konsequent durchgezogen wird. Wenn nur wenige Linien in dürftigem Takt fahren und obendrein das Citytaxi-System in vollem Umfang weiterhin angeboten wird, ist der Anreiz, vom Auto auf den Bus umzusteigen, nicht groß genug,“ befürchtet Regina Petrik, die auch Gemeinderätin in Eisenstadt ist.

GRÜNE FORDERUNGEN FÜR DEN ÖFFENTLICHEN VERKEHR

Die Forderung nach dem Ausbau der Öffentlichen Verkehrsmittel – insbesondere im Südburgenland – erheben die Grünen Burgenland seit Jahren. Nach wie vor sind viele der Grünen Forderungen nicht umgesetzt:

  • 365-Euro-Jahresticket für das ganze Burgenland
  • 60-Euro-Jahresticket für Jugendliche bis 26 Jahre
  • 800-Euro-Jahresticket für den Verkehrsverbund Ostregion
  • Sicherung des öffentlichen Verkehrs zwischen Schulstandort und Heimatort während der gesamten Unterrichtszeit
  • Benutzerfreundliche und länderübergreifende Taktung und Tarife
  • Unterstützung des Mikro-ÖV in den Ortsverbänden (zum Beispiel Gemeindebusse)
  • Bessere Bewerbung und Information des Angebotes im Öffentlichen Verkehr
  • Wiedereröffnung der Bahnstrecke Oberwart–Friedberg
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