Ermittlungsergebnis der 71 toten Flüchtlinge

Eisenstadt, 26. 11. 2015 –

Abschließendes Ermittlungsergebnis im Fall der 71 toten Flüchtlinge auf der A 4

Am 27. August 2015, gegen 10:50 Uhr wollten Beamte der Autobahnpolizeiinspektion Potzneusiedl auf der Autobahn A4, Fahrtrichtung Wien, Gemeindegebiet von Parndorf, in einer Pannenbucht einen abgestellten LKW kontrollieren. Die Polizisten öffneten den Laderaum und entdeckten darin eine vorerst unbekannte Anzahl an Leichen.

Beamte der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Burgenland (unterstützt von Kollegen aus NÖ) führten die Spurensicherung am unmittelbaren Tatort durch. Um Rückschlüsse auf den Lenker ziehen zu können, wurde das Hauptaugenmerk auf die Fahrerkabine gelegt, die auf kriminaltechnisch verwertbare Spuren untersucht wurde. In diesem Zusammenhang wurden Fingerabdruckspuren und DNA-Spuren gesichert. Auch der Außenbereich wurde kriminaltechnisch untersucht. Aufgrund der Kontamination im Laderaum war in diesem eine zielführende Untersuchung nicht möglich.
Identifizierungen:
Derzeit wurden 69 Leichen eindeutig identifiziert. Die Sterbeurkunden wurden ausgestellt.
Bei einem Verstorbenen ist die Staatsangehörigkeit (Iran) bekannt. Man erwartet jedoch noch zwecks endgültiger Feststellung der Identität Vergleichsmaterial aus dem Iran.
Im Fall des 71. Leichnams gelangten die Ermittler zu keinerlei Hinweisen die Identität betreffend.
Staatsangehörigkeiten:
21  aus Afghanistan.
29 aus dem Irak.
5 aus dem Iran.
15 aus Syrien.
1 Person nicht identifiziert.

Identifizierung – Vorgehensweise:
In 21 Fällen durch Daktyloskopie (Abnahme von Fingerabdrücken)
44 Opfer wurden mittels DNA identifiziert.
4 Opfer über die sogenannte zweite Linie durch Ermittlungen wie Tattoos oder unveränderliche körperliche Merkmale.
Bei einer Person werden die persönlichen Daten inklusive Vergleichsmaterial erwartet.
Zu einer Person gibt es keinerlei Hinweise.
Durch einen afghanischen und 2 kurdische Nachrichtensender (Irak+Syrien) wurden mehrere Öffentlichkeitsaufrufe durchgeführt.
Die erhebenden Beamten nahmen in 56 Fällen persönlichen Kontakt mit Angehörigen oder deren Bevollmächtigten auf.
• Die Rückführung von irakischen Staatsangehörigen wurde unter anderem von der Botschaft in Wien teilweise organisiert und auch bezahlt.
• Mitglieder der kurdischen Ethnie wurden durch die Vertretungsbehörde des kurdischen Regionalparlamentes in Wien überführt und auch die Kosten dafür wurden übernommen, unabhängig davon welche Staatsangehörigkeit die Kurden hatten (Syrien oder Irak).
• Die afghanische Botschaft unterstützte die Hinterbliebenen, Kosten wurden keine übernommen. In diesen Fällen engagierten sich mehrere afghanische Kulturvereine. Durch Sammlungen konnten Kosten gedeckt werden, um einen Großteil der Leichname rückführen zu können.
• Die iranische Botschaft organisierte die Rückführungen der iranischen Staatsangehörigen.
• 15 Personen wurden im islamischen Teil des Zentralfriedhofes Wien begraben, hier erfolgte die Unterstützung durch die Islamische Glaubensgemeinschaft Wien.

Derzeit befinden sich  noch fünf Opfer in der Leichenaufbewahrung. Diese werden in den nächsten Tagen ausgeflogen oder zu Grabe getragen.

 

 

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